Hamburger Messerattentäter Polizist versuchte, Ahmad A. anzuwerben

Neue Details zum Hamburger Messerattentäter: Nach SPIEGEL-Informationen erhielt der Verfassungsschutz 2016 Hinweise, Ahmad A. wolle nach Syrien, womöglich zum IS. Ein LKA-Beamter versuchte zuvor, ihn als Informanten zu gewinnen.

Tatort der Messerattacke in Hamburg-Barmbek (am 28. Juli 2017)
DPA

Tatort der Messerattacke in Hamburg-Barmbek (am 28. Juli 2017)


Die Sicherheitsbehörden hatten weit mehr Hinweise auf eine Radikalisierung des Hamburger Messerattentäters Ahmad A. als bisher bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen wandten sich im Laufe des vergangenen Jahres sowohl Mitarbeiter eines Flüchtlingscafés als auch der Leiter seiner Asylunterkunft in Hamburg-Langenhorn zunächst an die Beratungsstelle Legato, die sich um Fälle von "religiös begründeter Radikalisierung" kümmert. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 32/2017
Wie Bundesregierung und Konzerne den Ruf der Auto-Nation Deutschland ruinieren

Die Berater sollen sich aber nach Gesprächen mit A. später für überfordert erklärt haben. Der Palästinenser sei psychisch auffällig, man komme nicht an ihn heran. Die Beratungsstelle erklärte auf Anfrage, zu Einzelfällen äußere man sich nicht.

Im September 2016 sprach der Hamburger Verfassungsschutz mit einem Hinweisgeber aus Ahmad A.s Umfeld, der brisante Angaben machte. So habe A. ihn gefragt, wie man am besten nach Syrien komme - möglicherweise wollte der Palästinenser zum "Islamischen Staat" (IS). Nach dem Gespräch ließ die Behörde A. bei der Bundespolizei zur Grenzfahndung ausschreiben.

Kurz darauf erreichte die Sicherheitsbehörden ein weiterer besorgniserregender Hinweis einer Mitarbeiterin des Flüchtlingscafés, in dem sich A. häufiger aufgehalten hatte. Ahmad A. sei in einem langen Gewand aufgetaucht und soll gedroht haben: "Der Terror wird auch hierherkommen."

Nach Angaben ehemaliger Freunde war der 26-Jährige sehr unstet. Mal habe er sich tagelang zurückgezogen und andere Muslime beschimpft, sie würden die Regeln des Islam nicht befolgen. Dann habe er wieder Alkohol getrunken und gekifft. Die Ermittler stellten nach dem Messerattentat Spuren von Cannabis in A.s Blut fest.

Polizist versuchte, A. als Informanten anzuwerben

Und noch ein weiterer Vorgang aus dem Jahr 2016 wirft Fragen auf. Nach SPIEGEL-Informationen versuchte ein Beamter des Hamburger Landeskriminalamts (LKA) damals offenkundig erfolglos, A. als Informanten anzuwerben.

Im Juni suchte ein Polizeibeamter die Flüchtlingsunterkunft auf, in der A. wohnte. Der Polizist sollte die Mitarbeiter des Heims im Rahmen eines Sensibilisierungsprogramms zum Thema Islamismus schulen. Diese berichteten, es gebe einen Asylbewerber, der sich merkwürdig verhalte und offenbar radikalisiert habe: Ahmad A.

Der LKA-Mann sprach mit dem Palästinenser und wollte wissen, ob er Informationen über die islamistische Szene in Hamburg mitteilen könne. Der Versuch, den Flüchtling als Quelle zu gewinnen, soll jedoch gescheitert sein.

Sonntag, 6. August 2017 um 22.50 Uhr, RTL

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

gud/kno/wow

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.