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Kurden gegen Salafisten in Hamburg: Die Chaos-Nacht von St. Georg

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DPA

400 Kurden prallten auf 400 mutmaßliche Salafisten: Der Hamburger Stadtteil St. Georg hat eine erschütternde Nacht hinter sich, bei Straßenschlachten gab es viele Verletzte. Die ansässigen Muslime verurteilen die Gewalt - doch schon droht neue Gefahr.

Hamburg - Ein paar gesprungene Sicherheitsscheiben, sonst ist nichts mehr zu erkennen von dem nächtlichen Chaos auf dem Hamburger Steindamm. Die Geschäfte haben geöffnet, Menschen kaufen sich Snacks oder Gemüse.

In der vergangenen Nacht sah es hier noch ganz anders aus: 400 Kurden, die sich im Anschluss an eine Demonstration in der Innenstadt im Stadtteil St. Georg versammelten und noch einmal so viele mutmaßliche Salafisten hatten sich laut Polizei eine heftige Straßenschlacht geliefert. Messer, Macheten, Holz- und Eisenstangen sollen eingesetzt worden sein. 14 Verletzte hat die Polizei registriert, davon vier Schwerverletzte. (Die wichtisten Fragen und Antworten zu den Ausschreitungen finden Sie hier.)

Die Anwohner am Steindamm sind schockiert. "Für uns ist das ein traumatisierendes Erlebnis", sagt einer. "Ich verstehe die Sorge der Kurden angesichts der Lage in Syrien ja, aber was können wir in Hamburg dafür, was die Verrückten vom "Islamischen Staat" in anderen Ländern machen?" Daniel Abdin, der Vorsitzende des Rats der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg, der Schura, sagt SPIEGEL ONLINE: "Wir bedauern diesen Vorfall außerordentlich. Wir distanzieren uns und lehnen jegliche Gewalt ab - egal von welcher Gruppe. Wir möchten ein sicheres Hamburg haben. Für uns ist es unverständlich, dass Menschen hier aufeinander losgehen und ferne Kriege nach Hamburg transportieren."

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Kurden gegen Salafisten: Straßenschlacht vor der al-Nur-Moschee
Noch ist unklar, wer für die Eskalation verantwortlich ist. Genau lässt sich das nicht mehr rekonstruieren. Die Polizei spricht neutral von "gewalttätigen Ausschreitungen rivalisierender Gruppen". Die Salafisten-Gruppe bestand laut einem Anwohner "weitgehend aus Jugendlichen, die mit Aggressionen vollgeladen sind". Schura-Chef Abdin, gleichzeitig Vorsitzender der Nur-Moschee in Hamburg, vor der die wütende Menge aufzog, sagt: "Das waren uns unbekannte Menschen. Wir sind ungewollt und unbeteiligt zwischen die Fronten zweier gewaltbereiter Gruppen geraten."

Viele der mutmaßlichen Salafisten flüchteten während des Kampfes in die offene Moschee. "Es war eine sehr gereizte Stimmung. Die Polizei hat sich zwischen die Gruppen gestellt und sie auseinandergehalten", sagt Abdin. Man habe sich bei der Polizei über den Hausfriedensbruch beklagt, doch die Ordnungskräfte hätten es angesichts des Eskalationspotentials nicht gewagt, die mutmaßlichen Salafisten zurück auf die Straße zu drängen.

Laut Polizeibericht sollen sich die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Kleingruppen außerhalb des Steindamms fortgesetzt haben. Später gelang es ihr dann nach eigener Darstellung, die Gewalttäter in unterschiedliche Richtungen zu drängen. "Dabei war auch der Einsatz von Wasserwerfern erforderlich." Erst gegen halb zwei Uhr morgens habe sich die Lage beruhigt.

"Wir verurteilen jede Form von Gewaltanwendung"

Es gibt jedoch auch Kritik am Einsatz der Beamten: "Warum hat die Polizei nicht frühzeitig eingegriffen? Warum durften die Kurden hier in den Steindamm kommen? Die Polizei weiß doch ganz genau, dass hier Moscheen stehen und es zu Konflikten kommen kann", sagt ein Anwohner.

Die Versammlung am Steindamm war jedoch nicht mehr Teil der angemeldeten Demonstration, an der etwa 500 Menschen teilgenommen hatten - und die offiziell um 17.03 Uhr geendet hatte. Danach hatte es am Hamburger Hauptbahnhof noch einen weiteren Polizeieinsatz gegeben, als etwa 50 Protestteilnehmer ein Gleisbett blockierten.

Ein Anwohner am Steindamm befürchtet nun eine Verschlechterung im Verhältnis zwischen Kurden und Türken: "Hier in der Gegend hat sich im Zusammenleben zwischen Kurden und Türken in den vergangenen 20 Jahren eigentlich eine Menge getan, deshalb ist es schade, dass der Konflikt aus den Krisengebieten nun zu uns herüberschwappt und droht, die ganze Arbeit zu zerstören."

Noch in der Nacht des Vorfalls wurde ein Runder Tisch organisiert, an dem laut Abdin Vertreter der Polizei, der evangelischen Kirche, der Schura, des Islamischen Zentrums al-Nur, der Kurden sowie Parlamentarier teilnehmen. Am Nachmittag gibt es eine gemeinsame Presseerklärung. Schon vorab stellte der Vorstand der Nur-Moschee eine Botschaft ins Internet: "Wir verurteilen jede Form von Gewaltanwendung. Die Beziehungen zu allen Institutionen und Nachbarn am Steindamm und außerhalb ist immer friedlich und freundschaftlich gewesen. Dies soll auch so bleiben!"

Für die nächsten Tage erwarten Anwohner trotzdem keine Beruhigung - im Gegenteil: "Das wird heute noch schlimmer", sagt einer. Der Mann erhofft sich ein stärkeres Eingreifen der Behörden: "Die Politik soll dafür sorgen, dass die Krise in den Krisengebieten bleibt."

Am Mittwoch um 17 Uhr soll es in Hamburg erneut eine Demonstration von Kurden geben - diesmal jedoch im Stadtteil Altona.

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insgesamt 118 Beiträge
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1. Hört es denn nie auf?
pirmence 08.10.2014
Das blinde Weichgerede der Überliberalen. Selbstverständlich sind die Salafisten hierzulande Sympathisanten des IS. Ich frage mich schon lange was das ganze soll und warum hier nicht endlich Ernst gemacht wird mit dem Pack das mir zehnmal schlimmer vorkommt als die paar dutzend Hirnlos-Nazis auf die sich immer bezogen wird. Das aktuelle Gesicht des Faschismus ist der Salafismus. Dazu braucht es keine Schönreden. Sie machen alles nur schlimmer.
2. Aufwachen
el-gato-lopez 08.10.2014
Ich bin zwar kein Fan von Krawall - aber wenn solche Ereignisse die einzige Form sind, mit der man die teutonische Mehrheitsbevölkerung aufwecken kann... tja, warum nicht. Ob nun aus Schnarchigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber den verschiedenen Migrantengruppen oder der fast schon neurotischen Angst als "Islamophob" dazustehen: In Deutschland scheint kaum einer mitzukriegen, wie salafistische Gruppen das muslimische Gemeindewesen unterwandern. Diese Entwicklung gab und gibt es zB in Bosnien Herzegowina und Albanien schon seit den späten 1990ern...
3.
agua 08.10.2014
Ich lese die Artikel zum Thema mit Beunruhigung. Was in diesem Artikel hier steht, denke ich auch: Das Problem wird auf andere Orte übertragen. Wir hatten hier in unserem kleinen Ort(Portugal),am Samstag eine große Schlägerei zwischen muslimischen Bulgaren und einer Gruppe von Brasilianern. Entstanden ist der Konflikt, als ein Gespräch eskalierte,im Zusammenhang mit IS. Somit hat das Problem nicht nur etwas im direkten Zusammenhang mit Kurden zu tun. Aber wie will man diesen Konfrontationen Einhalt gebieten?
4. Warum diskutieren ?
jogi1709 08.10.2014
Es ändert sich doch ohnehin nichts. In unserem Land kann inzwischen jeder tun und lassen was er will, es sei denn, er hat einen deutschen Pass und keinen Migrationshintergrund. Irgendwann wird ein Forist schreiben, dass man natürlich ganz genau zwischen den einzelnen Moslem – Gruppen differenzieren muss. Ein anderer wird mitteilen, dass wir wegen den Kreuzzügen selbst schuld sind. Unseren Politikern werden verlangen, dass alles für die Integration getan werden muss, meinen damit aber eigentlich die Selbstaufgabe unseres Landes.also, was soll's?
5. Warum werden Terroristen Plattformen geboten?
narko1 08.10.2014
Warum werden Terroristen Plattformen geboten? Warum darf ein Salafist als mutmaßlicher Salfist genannt werden? Warum heißt es nicht mutmaßliche Kurden? Die Salafisten sind auf Kurdenjagd gegangen, und die Salfisten dürfen sich lustig machen, im Spon, "Hamburgistan?" Wer hat bis jetzt mal einen Kurden gefragt was da passiert ist? Wer verteidigt sich und wer greift an ? ISIS öde die Kurden?
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