Islamistische Anschlagsgefahr in Hannover Hinweis kam von französischem Geheimdienst

Wegen eines drohenden islamistischen Anschlags ist das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande in Hannover abgesagt worden. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen kam der Hinweis vom französischen Geheimdienst.

AP/dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat nach der Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden am Dienstagabend in Hannover keine Details zu den Hintergründen genannt. Die Absage sei "aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung" erfolgt, "bittere Gründe", so de Maizière.

"Die Hinweise auf die Gefährdung des heutigen Fußballspiels haben sich im Laufe des Abends so verdichtet, dass wir nach Abwägung dringend empfohlen haben, dieses Länderspiel abzusagen", sagte de Maizière während einer Pressekonferenz in Hannover: "Die Quelle und das Ausmaß der Gefährdung möchte ich nicht weiter kommentieren." Auf Fragen zu den Hintergründen und Gründen der Absage wollte er nicht eingehen: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern." Er bat die "deutsche Öffentlichkeit um einen Vertrauensvorschuss".

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE kam der Hinweis vom französischen Geheimdienst. Gleiches meldet auch die "Bild"-Zeitung. Zunächst gab es demnach Hinweise, dass eine Gruppe um einen namentlich bekannten Nordafrikaner einen Anschlag planen könne. Es war konkret von Sprengmitteln, Sprengstoffgürteln, automatischen Waffen und Sprengsätzen an den Zufahrtswegen die Rede. Dann wies der französische Geheimdienst wohl zudem auf einen irakischen Schläfer hin, der einen Anschlag auf das Freundschaftsspiel geplant haben soll.

Polizistinnen am Fußballstadion in Hannover: Länderspiel wurde abgesagt
REUTERS

Polizistinnen am Fußballstadion in Hannover: Länderspiel wurde abgesagt

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bestätigte, dass der Hinweis auf ein mögliches Attentat beim Länderspiel in Hannover von einem ausländischen Geheimdienst kam. Er habe am Dienstagmittag die Information erhalten, dass "innerhalb der nächsten 48 Stunden ein Anschlag auf ein Sportereignis in Deutschland stattfinden sollte oder könnte", sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Fernsehen. "Aber mich hat die Absage auch überrascht", fügte Herrmann hinzu. Bundesinnenminister de Maizière habe aber sicher schwerwiegende Gründe für die Entscheidung gehabt.

Das Länderspiel war eineinhalb Stunden vor Anpfiff abgesagt worden. Zuvor war de Maizière gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel nach Hannover geflogen. Die Entscheidung sei vor dem Start, während des Flugs und nach der Landung getroffen worden, so der Innenminister. "Mein erster Anruf galt Herrn Pistorius, mein zweiter Anruf galt Herrn Rauball, und dann war meine Entscheidung 'Ich komm hierher'." Die Kanzlerin sei zurückgeflogen.

Nach Angaben des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius (SPD) gab es in Hannover keine Festnahmen. Es sei auch kein Sprengstoff gefunden worden. Gerüchte, Sprengstoff sei in einem Krankenwagen deponiert worden, ließen "sich bislang nicht bestätigen".

"Eine Austragung des Spieles wäre nicht zu verantworten gewesen", sagte Pistorius weiter. DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball sprach von einem "traurigen Tag für Deutschland und den deutschen Fußball".

"Wir alle hatten uns auf das Spiel gefreut", sagte de Maizière. Es habe eine besondere Geste sein sollen. "Umso bitterer ist eine solche Entscheidung, und umso schwerer ist sie uns gefallen." Der Innenminister fügte hinzu: "Aber in einer solch schwierigen Lage hat im Zweifel der Schutz der Menschen Vorrang. Diesem Zweifel sind wir deswegen heute gefolgt."

brk/pad/jdl/lgr/dpa/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.