Berlin - Monatelang hatte der Abgeordnete Hans-Christian Ströbele seine Grünen im Unklaren gelassen, ob er wieder in den Bundestag will. Jetzt hat der Altlinke aus Kreuzberg erklärt, warum er so lange zögerte: Er hat Prostatakrebs. Wenn er ihn besiegt, will er wieder wahlkämpfen.
Am Dienstag Abend informierte Ströbele die Bezirksgruppe Kreuzberg-Friedrichshain über die Krankheit und seine Hoffnung, dass sie im Herbst geheilt sein könne. "Wenn ich das überwunden habe, möchte ich wieder kandidieren", sagt er SPIEGEL ONLINE. Er sei von einer Genesung bis Ende November überzeugt und wolle sich dann seiner Kandidatur widmen.
Im Jahr 2009 hatte Ströbele den Wahlkreis Kreuzberg-Friedrichshain mit 46,7 Prozent gewonnen, zum dritten Mal in Folge. Der 74-Jährige ist der einzige direkt gewählte Bundestagsabgeordnete der Grünen.
Die Begründung des Abgeordneten für seinen Verbleib in der Politik fällt gewohnt selbstbewusst aus: "Ich möchte die Bundestagsfraktion nicht allein lassen", sagt Ströbele. Bei der Aufklärung der Sicherheitspannen rund um die NSU-Morde wolle er weiter mitwirken. Vor allem aber sei in wichtigen Streitfragen wie dem Afghanistan-Einsatz oder der Euro-Rettung seine Rolle "zu sagen, was ist". Ströbele hatte sich in den vergangenen Jahren in diesen Fragen meistens gegen die Fraktionschefs Jürgen Trittin und Renate Künast gestellt.
Ralf Beste
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