Ex-Verfassungsschutzpräsident Maaßen sieht sich als "Spielball" der Politik

Er stürzte die Koalition in die Krise, doch Hans-Georg Maaßen sieht keine Schuld bei sich. Im SPIEGEL beklagt der Ex-Verfassungsschutzchef die "öffentliche Herabwürdigung" seiner Person.

Hans-Georg Maaßen
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Hans-Georg Maaßen


Hans-Georg Maaßen beklagt sich darüber, wie Politik und Öffentlichkeit vor seiner Absetzung als Verfassungsschutzpräsident mit ihm umgegangen seien. "Was mich schmerzt, ist die öffentliche Herabwürdigung, die ich erfahren habe und gegen die ich mich nicht wehren konnte", sagt Maaßen dem SPIEGEL (Lesen Sie hier das ganze Gespräch mit Hans-Georg Maaßen bei SPIEGEL+).

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Heft 52/2018
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"Ich glaube, das war das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass ein hochrangiger Beamter eine derartige Diskussion über seine Person erfahren hat." Er habe nie verstanden, "dass eine Regierung wegen eines Beamten, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, infrage gestellt wird", sagte Maaßen.

Er sehe sich gleichwohl nicht als Opfer: "Wenn schon, dann Spielball." Zu schaffen gemacht hätten ihm "die öffentlichen Unterstellungen und Schmähungen, bei denen es zum Beispiel hieß: Maaßen ist ein Schädling, Maaßen tritt die Verfassung mit Füßen, Maaßen hat nicht alle Tassen im Schrank. Das war zum Teil schon sehr ehrabschneidend."

Am meisten habe ihn getroffen, "dass man versucht hat, mich in die rechte Ecke zu schieben." Spekulationen über einen Parteiwechsel zur AfD erteilte er erneut eine Absage: "Ich bin seit 1987 Mitglied der CDU und gedenke das auch zu bleiben. Ich würde mich natürlich freuen, wenn die CDU unter der neuen Parteivorsitzenden im Bereich innere Sicherheit stärkere Akzente setzen würde."

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte Maaßen Anfang November in den einstweiligen Ruhestand versetzt, nachdem das Manuskript einer Rede bekannt geworden war, in der dieser vor internationalen Geheimdienstkollegen unter anderem von linksradikalen Kräften in der SPD gesprochen hatte. Zuvor hatte Maaßen die Koalition mit umstrittenen Aussagen zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz Ende August und Anfang September in eine Krise gestürzt.

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dk/jfl

insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
yvowald@freenet.de 21.12.2018
1. Maaßen hätte den Verfassungsschutz reformieren müssen
Hans-Georg Maaßen ist zwar ein Politischer Beamter, ab er eben kein Politiker. Er hätte sich um die diversen Schwächen in seiner früheren Behörde, dem Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln.-Chorweiler, kümmern sollen anstatt einer Bundeskanzlerin Handlungsanweisungen zu erteilen. Das steht ihm nicht zu. Die NSU-Affäre, also die Straftaten rechtsextremistischer Gewalttäter, hätte er in den Griff bekommen müssen. Aber auf dem "rechten Aufge" war und ist der Verfassungsschutz bekanntlich blind.
P-Schrauber 21.12.2018
2. Er hat seinen Job gemacht und seine Beobachtungen wieder gegeben,
genau dass was man von einem Verfassungsschützer verlangt. Allerdings,... er hätte mit seinen Beobachtungen nicht in der angewendeten Form mittels Interview an die Presse gehen sollen und das Konjunktiv stärker betonen müssen, dass habe ich schon einmal hier so mitgeteilt dabei bleibe ich. Inhaltlich so Meine ich noch immer war dass was er mitgeteilt hat in Ordnung, leider hat im diese öffentliche Mitteilung und der formale Fehler den Kopf gekostet, passt sie nicht in das Weltbild von großen Teilen der Presse und eben auch nicht in die Gedankenwelt von Teilen der Regierung, der Bote der Nachricht wurde hier aus Formalen Gründen bestraft.
Mr Bounz 21.12.2018
3.
Er hat offensichtlich bis heute nicht eine Sekunde über seine Fehler nachgedacht. Es war falsch noch bevor offizielle Untersuchungen seiner Behörde abgeschlossen waren sein PERSÖNLICHE Meinung kund zu tun. Brisant wird dies natüürlich auch dadurch das seine Behörde, aber auch die örtliche Polizei, sowie der örtliche Staatsschutz zum Erghebnis kamen das die Hetzjagten stattgefunden haben! Des weiteren muß man um in der SPD Linksradikale zu sehen selbst schon SEHR Weit am rechten Rand stehen! Aber es zeiugt sich ja gerade, im Verfassungschutz Rechtsradikale Seilschaften, in der Bundeswehr Rechtsradikale Strukturen und auch bei der Polizei. Aber das sieht er nicht! Und bis das erste fünkchen Einsicht kommt hat er kein e andere Behandlung verdient.
mansky 21.12.2018
4. Null Einsicht!
Maassen selbst liefert in diesem Interview wieder und wieder genug Gründe, warum er für die Regierung und für Deutschland in diesem Posten nicht mehr tragbar war. Er hat unserem Land enorm geschadet. Ich finde es unerträglich, dass dieser Mann auch noch mit einem fürstlichen Gehalt in den Ruhestand geschickt wird.
Profdoc1 21.12.2018
5. Da hat Herr Dr. Maaßen ....
wohl selbst den Überblick verloren. Sein Aufgabe war nicht, sich politisch öffentlich zu positionieren (was er unnötigerweise getan hat), sondern seinen Job lege artis zu machen (was er nicht getan hat). Statt dessen hat er sich darin gefallen, mit unnötigen und falschen Äußerungen Spekulationen anzuheizen (was allein eine Demission bewirkt); und nicht nur das, sondern diese auch tagelang in der Presse hochzuhalten, um schlussendlich seinem Dienstherren im Nachgang vor das Schienbein zu treten. Herr Dr. Maaßen, wenn Sie für all das anderen die Schuld geben, muss ich Sie der völligen Unfähigkeit zeien!
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