Hartz-IV-Sätze: Das große Feilschen beginnt

Von Anna Fischhaber, Florian Gathmann und Fabian Reinbold

4. Teil: Die Jein-Sager

Sitzung des Bundesrats: Schwarz-Gelb steht vor schwierigen VerhandlungenZur Großansicht
dapd

Sitzung des Bundesrats: Schwarz-Gelb steht vor schwierigen Verhandlungen

Rheinland-Pfalz (vier Stimmen) ist das einzige Land, in dem die SPD allein regiert. Doch Fundamentalopposition ist aus Mainz nicht zu erwarten. Kurt Becks Regierungssprecherin Monika Fuhr gibt sich gelassen: "Jetzt ist die Bundesregierung am Zug - Frau Merkel hat angekündigt, dass sie das Gespräch suchen wird." Die Koalition müsse "erklären, wie sie zu ihren Berechnungen kommt und die Zweifel, die das Land Rheinland-Pfalz daran hat, ausräumen". Auch Sozialministerin Malu Dreyer betonte, dass es Rheinland-Pfalz ausdrücklich nicht um eine Blockadehaltung im Bundesrat gehe. Eine endgültige Entscheidung über das Abstimmungsverhalten, heißt es aus der Staatskanzlei, werde Ministerpräsident Beck erst kurz vor der Bundesratssitzung treffen.

Kann Schwarz-Gelb vielleicht auf die vier Stimmen von Rheinland-Pfalz hoffen? Klar ist: Die Koalition müsste dafür etwas auf den Tisch legen. Ein paar Euro mehr beim Regelsatz? Oder Änderungen beim Bildungspaket für Kinder?

Ein anderer Vorschlag kommt von der Landesregierung in Brandenburg (vier Stimmen). Zwar sieht die rot-rote Koalition von SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck den Hartz-IV-Vorschlag aus Berlin kritisch - dennoch kann man sich vorstellen, den Plänen am Ende zuzustimmen. Die Landesregierung in Potsdam hadert nicht so sehr mit der Höhe des Regelsatzes: Arbeitsminister Günter Baaske will eine Zustimmung mit der Einführung eines Mindestlohns verknüpfen. "Wenn wir mit der Union verhandeln, sollte unser Ziel sein, einen allgemein verbindlichen Mindestlohn zu erreichen", sagt der SPD-Politiker.

Gegen eine entsprechende Einigung spricht, dass man sich beim Koalitionspartner bisher so kategorisch gegen die Änderungen positioniert. Ähnlich dürfte die Gemengelage in Berlin (vier Stimmen) sein, wo SPD-Bürgermeister Klaus Wowereit einen rot-roten Senat anführt.

Bleiben noch die beiden rot-grünen Landesregierungen in Bremen (drei Stimmen) und Nordrhein-Westfalen. In der Hansestadt sei bislang keine gemeinsame Position der beiden Koalitionspartner zur Hartz-IV-Reform geplant, sagt die Sprecherin des SPD-geführten Sozialressorts in Bremen.

Aus Nordrhein-Westfalen, mit sechs Stimmen eines der Schwergewichte im Bundesrat, kommt von Sozialdemokraten wie Grünen scharfe Kritik an den schwarz-gelben Plänen zu Hartz IV. Aber wie man sich im Bundesrat verhalten will - das lässt SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bisher offen.

Mit Material von dpa

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insgesamt 3544 Beiträge
hypnos 24.09.2010
Na, packt die Sozialdemokraten das schlechte Gewissen: Die Sozialkiller par exellance ...? Der größte Sozialabbau in der bundesrepublikanischen Geschichte dank der neoliberalen SPD.
Zitat von sysopDer Koalitionsausschuss will am Sonntag über die künftige Höhe der Hartz-IV-Sätze entscheiden, aus der Opposition kommt bereits eine deutliche Forderung: SPD-Generalsekretärin Nahles hat sich für einen Regelsatz von mehr als 400 Euro ausgesprochen - alles andere sei "künstlich herunter gerechnet". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,719273,00.html
Na, packt die Sozialdemokraten das schlechte Gewissen: Die Sozialkiller par exellance ...? Der größte Sozialabbau in der bundesrepublikanischen Geschichte dank der neoliberalen SPD.
Kontrastprogramm 24.09.2010
jetzt ohne politische Verantwortung große Forderungen von Frau Nahles. Bei der Einführung von Hartz-IV konnte man von Frau Nahles nichts derartiges hören. Da war ihr ihre Politkarriere damals wohl doch wichtiger als das [...]
jetzt ohne politische Verantwortung große Forderungen von Frau Nahles. Bei der Einführung von Hartz-IV konnte man von Frau Nahles nichts derartiges hören. Da war ihr ihre Politkarriere damals wohl doch wichtiger als das Schicksal der mit Mühsal Beladenen! Was für eine Heuchlerei!
PeteLustig 24.09.2010
Während der 7jährigen Regierungskompetenz keinen alggemein gültigen Mindestlohn für produktiv tätige Steuerzahler hinbekommen aber eine Erhöhung der Alimentierungssätze für Dauerarbeitslose einfordern - so ist sie, die lustige [...]
Während der 7jährigen Regierungskompetenz keinen alggemein gültigen Mindestlohn für produktiv tätige Steuerzahler hinbekommen aber eine Erhöhung der Alimentierungssätze für Dauerarbeitslose einfordern - so ist sie, die lustige Arbeiterpartei.
causal 24.09.2010
was schon länger in der presse berichtet wird. sie möge jetzt innehalten und zum wandel der spd beitragen. hat die spd keinen sozialausschuss, der arbeiten kann?
Zitat von sysopDer Koalitionsausschuss will am Sonntag über die künftige Höhe der Hartz-IV-Sätze entscheiden, aus der Opposition kommt bereits eine deutliche Forderung: SPD-Generalsekretärin Nahles hat sich für einen Regelsatz von mehr als 400 Euro ausgesprochen - alles andere sei "künstlich herunter gerechnet". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,719273,00.html
was schon länger in der presse berichtet wird. sie möge jetzt innehalten und zum wandel der spd beitragen. hat die spd keinen sozialausschuss, der arbeiten kann?
hypnos 24.09.2010
Arbeiterpartei? - Bürokratenpartei. Leistung darf sich nicht lohnen.
Zitat von PeteLustig... die lustige Arbeiterpartei.
Arbeiterpartei? - Bürokratenpartei. Leistung darf sich nicht lohnen.
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  • Mittwoch, 29.09.2010 – 10:18 Uhr
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Die Hartz-Pläne der Regierung
Für rund 4,7 Millionen erwachsene Hartz-IV-Empfänger steigt der monatliche Regelsatz auf 364 Euro. Das sind fünf Euro mehr als bislang. Grundlage für die Festsetzung bildet die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS). Die alle fünf Jahre in 60.000 Haushalten erhobene Stichprobe ist die Basis, um die Ausgaben von Geringverdienern zu erfassen.

Neu berücksichtigt werden beim Regelsatz Kosten für das Internet und die Praxisgebühr. Nicht mehr zum Existenzminimum gerechnet werden Ausgaben für Tabak und Alkohol. Als Ersatz gibt es 2,99 Euro mehr für Mineralwasser. Die Politik beruft sich darauf, dass der Gesetzgeber laut Bundesverfassungsgericht gehalten ist, solche Wertentscheidungen zu treffen. Er muss sie allerdings transparent und schlüssig begründen.

Wer bekommt Hartz IV?
Die Politik führt eine heftige Debatte über die Weiterentwicklung von Hartz IV - doch wer bezieht die Arbeitslosenhilfe eigentlich? SPIEGEL ONLINE hat demografische Merkmale zusammengetragen.

Die Hartz-Reformen
Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer
- arbeitslos ist,
- der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht,
- die Anwartschaftszeit erfüllt,
- sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und
- Arbeitslosengeld beantragt hat.
- Die Dauer des Anspruchs hängt von der Länge der versicherungspflichtigen Beschäftigung und vom Alter ab. Die Höchstgrenze sind 24 Monate.



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