Brief an Amazon: Hasselfeldt schreitet gegen KZ-Puzzle ein

Der Internet-Versandhändler Amazon vertreibt ein Puzzle, das ein Foto des Krematoriums in der KZ-Gedenkstätte Dachau zeigt. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt hat das Unternehmen nun aufgefordert, das Spiel zurückzuziehen.

Gedenkfeier in Dachau: "Ort der Erinnerung an das Leiden unzähliger Menschen" Zur Großansicht
DPA

Gedenkfeier in Dachau: "Ort der Erinnerung an das Leiden unzähliger Menschen"

Berlin - Es soll ein Spielzeug sein. Ein Puzzle mit 252 Teilen für Kinder ab acht Jahren. Doch das Spiel, das der Internet-Versandhändler Amazon zum Preis von 24,99 US-Dollar in den Vereinigten Staaten vertreibt, sorgt für Ärger. Denn das Puzzle zeigt ein Foto des Krematoriums in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Gerda Hasselfeldt, Chefin der CSU-Landesgruppe im Bundestag hat Amazon aufgefordert, den Vertreib des Spiels einzustellen. "Für die Überlebenden des Konzentrationslagers und die Angehörigen der Opfer ist dies ein Schlag ins Gesicht", heißt es in einem Schreiben Hasselfeldts an den Vorstandschef des amerikanischen Unternehmens Jeff Bezos. Der Brief liegt dem SPIEGEL vor.

Dachau liegt in Hasselfeldts bayerischem Wahlkreis. "Die KZ-Gedenkstätte Dachau ist ein Ort der Erinnerung an das Leiden unzähliger Menschen", so die CSU-Politikerin. "Es kann nicht im Interesse von Amazon sein, ein solches Spielzeug zu verkaufen."

Auch Dirk Riedel, Referent und Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte, zeigte sich entsetzt. "Das Spiel ist eine Verharmlosung des Ortes und der Geschichte", sagte er dem Münchner "Merkur". Die Gedenkstätte Dachau wolle den Verkauf rechtlich prüfen lassen.

Das Motiv stammt von einem Fotografen, der unzählige Sehenswürdigkeiten für Puzzles aufgenommen hat. Allein bei Amazon werden inzwischen 80.000 Spiele angeboten, die seine Bilder zeigen.

Mehr über das zweifelhafte Spiel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des digitalen SPIEGEL.

syd/pm

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1. Es wäre schön...
k-3.14 30.09.2012
...man könnte ich ein eigenes Bild vom Foto machen.
2.
twan 30.09.2012
"Es kann nicht im Interesse von Amazon sein, ein solches Spielzeug zu verkaufen." Klar ist ein Puzzle ein Spielzeug, aber wenn es fertig ist, ist es doch für die meisten Menschen ein Bild, oder? Einerseits sagen, da ist großes Leid passiert und auf der anderen Seite ein Bild(Puzzle) aus dem Sortiment gestrichen sehen zu wollen, welches genau dieses Leid versinnbildlicht. Doppelmoral, anyone? Ich denke, diese Dame wollte nur mal ihren Namen gedruckt sehen, zu sagen hatte sie wohl nichts.
3. @twan
krylon 30.09.2012
Zitat von twan"Es kann nicht im Interesse von Amazon sein, ein solches Spielzeug zu verkaufen." Klar ist ein Puzzle ein Spielzeug, aber wenn es fertig ist, ist es doch für die meisten Menschen ein Bild, oder? Einerseits sagen, da ist großes Leid passiert und auf der anderen Seite ein Bild(Puzzle) aus dem Sortiment gestrichen sehen zu wollen, welches genau dieses Leid versinnbildlicht. Doppelmoral, anyone? Ich denke, diese Dame wollte nur mal ihren Namen gedruckt sehen, zu sagen hatte sie wohl nichts.
Bevor ich diese berechtigte Kritik Doppelmoral bezeichnen würde, würde ich Ihre Wortmeldung "geistlose Diarrhö"nennen. Ich weiß nicht wie alt Sie sind und woher Sie kommen, aber möchten Sie, wenn Sie gefoltert oder ihre Anhehörigen ermordet worden, den Ort als "Spiel" vermarktet sehen? Das wünsche ich nicht einmal meinem ärgsten Feind. Der Respekt vor den Opfern und vor allem der Respekt vor den Überlebenden diese Horrorortes verbieten es, dass Kinder mit diesem Ort "spielen".
4.
cruiser87 30.09.2012
Zitat von k-3.14...man könnte ich ein eigenes Bild vom Foto machen.
Einfach mal bei Amazon.com im Bereich "Toys & Games" nach "Dachau" suchen, noch wirds da ja angeboten. Auf der deutschen Seite wird man nicht fündig.
5.
schnuffschnuff 30.09.2012
Zitat von sysopDer Internet-Versandhändler Amazon vertreibt ein Puzzle, das ein Foto des Krematoriums in der KZ-Gedenkstätte Dachau zeigt. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt hat das Unternehmen nun aufgefordert, das Spiel zurückzuziehen.
Ich frage mich, warum sich Frau Hasselfeld nicht erstmal dafür einsetzt, dass die Gräber von Kriegsverbrechern auf dem Spöttinger Friedhof in Landsberg endlich eingeebnet werden.
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