Hauptstadt-Korrespondenten über Schwarz-Gelb "Saft- und kraftlos, meuchelnd und zynisch"

Das schwarz-gelbe Chaos in Berlin verblüfft selbst die Profis, für die das Auf und Ab in der Hauptstadt Alltag ist. SPIEGEL ONLINE hat acht Korrespondenten zu einem Zwischenzeugnis für Merkels Truppe befragt. Ihr Fazit: Die Pannenserie ist wohl einmalig in der bundesdeutschen Historie.

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Außenminister Westerwelle, Kanzlerin Merkel: Schwarz-Gelb ist angezählt
ddp

Außenminister Westerwelle, Kanzlerin Merkel: Schwarz-Gelb ist angezählt

Berlin - Schwarz-Gelb steckt tief in der Krise, längst geht es für Merkel und Co. ums politische Überleben. Das berühmte Rauschen im Blätterwald ist angesichts der Dauerturbulenzen zu einem Orkan angeschwollen. "Aufhören!" titelt der SPIEGEL. Über das "Siechtum der schwarz-gelben Koalition" schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Und die "Süddeutsche Zeitung" findet: "Noch nie in der bundesdeutschen Geschichte gab es eine so schlechte Bundesregierung wie heute."

Seit Monaten Negativschlagzeilen: Erst schwelte der Streit um Steuersenkungen. Dann mussten Union und FDP den Absturz bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen verkraften. Später eskalierte der Streit um Gesundheitsreform, Wehrpflicht und Sparpaket. Persönliche Beleidigungen heizten den Zwist weiter an. Und auch bei der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten machte Merkel keine gute Figur.

In den Meinungsumfragen befindet sich die Koalition auf Talfahrt. Laut ARD-"Deutschlandtrend" rechnen nur noch 41 Prozent der Deutschen damit, dass die Regierung bis 2013 durchhält.

"Dann ist das irgendwann vorbei"

Dass es tatsächlich zum Crash kommt, schließen mittlerweile auch jene nicht aus, die den politischen Schlagabtausch seit Jahren aus unmittelbarer Nähe beobachten. "Wenn es so weitergeht, dass fast jedes Thema zu grundsätzlichen inhaltlichen oder atmosphärischen Zerwürfnissen führt, dann ist das irgendwann vorbei", prophezeit Eckart Lohse, Leiter des Hauptstadtbüros der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Im Vergleich zur rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder gebe es diesmal nicht nur Streit um Personal- oder Sachfragen, sondern es stimme die gesamte Atmosphäre nicht, sagte Lohse. "Das ist neu."

Auch Ulrich Deppendorf ist erschrocken über den Zustand der Koalition. "So etwas habe ich noch nicht erlebt. Auch bei anderen Koalitionen hat es Startschwierigkeiten gegeben, aber das ist schon einmalig. So verspielt man Vertrauen", sagte der Chef des ARD-Hauptstadtstudios.

Das zentrale Datum sei nun der 30. Juni, Tag der Wahl des neuen Bundespräsidenten, prophezeit Deppendorf. Wenn Wulff sich dann schon im ersten Wahlgang durchsetzen könne und auch in den kommenden Wochen niemand "die Nerven verliert, dann wird diese Koalition weiterarbeiten", sagt der ARD-Experte. "Eine Garantie kann aber keiner mehr geben."

Wie steht es um die Zukunft von Schwarz-Gelb aus Sicht der Polit-Profis? Zerfällt das Bündnis? Oder raufen sich die Streitparteien zusammen? SPIEGEL ONLINE hat bei acht langgedienten Hauptstadt-Korrespondenten nachgefragt:

Korrespondenten zur schwarz-gelben Zankkoalition



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
Blautopas, 18.06.2010
1. Erwartungen
Wer hat ernsthaft was anderes bei der Kombination von Merkel und Westerwelle erwartet.
mackeldei 18.06.2010
2. Jeden Tag
Zitat von sysopDas schwarz-gelbe Chaos in Berlin verblüfft selbst die Profis, für die das Auf und Ab in der Hauptstadt Alltag ist. SPIEGEL ONLINE hat acht Korrespondenten zu einem Zwischenzeugnis für Merkels Truppe befragt. Ihr Fazit: Die Pannenserie ist wohl einmalig in der bundesdeutschen Historie. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,701221,00.html
Es kommt immer darauf an , welche Brille man trägt.Für welche Seite der von mir geschätzte Spiegel kämpft , ist allgemein bekannt. Aber muss er uns das Tag für Tag unter die Nase reiben ? Weniger wäre manchmal mehr!
irgendwer_bln 18.06.2010
3. Armutszeugnis
Was soll man dazu sagen?? Es ist ein Armutszeugnis, wie die "Regierung" hier in Berlin agiert. Man muss sich als Deutscher eigentlich schämen! Und der einzige, der diese Farce vorzeitig auflösen könnte, hat gerade das Handtuch geschmissen. Einziger Trost: schlimmer wird's nimmer! Denk ich an Deutschland in der Nacht...
Stefanie Bach, 18.06.2010
4. Geisterfahrt von Anfang an
Nach Abschluss des Koalitionsvertrages von Schwarz-Gelb war offensichtlich: Die können es nicht, die haben die politischen Herausforderungen nicht begriffen: Koalitionsvertrag - Fehlstart schwarz-gelber Geisterfahrer (http://www.plantor.de/2009/koalitionsvertrag-fehlstart-schwarz-gelber-geisterfahrer/).
redpirate37 18.06.2010
5. Alle schon mal da gewesen...
,,Die Pannenserie ist wohl einmalig in der bundesdeutschen Historie,, nicht nur die Pannenserie. Auch das Komplettversagen der angeblich so unabhängigen und freien Medien die genau diese Politiker in den letzten 10 Jahren hochgeschrieben und kommentiert haben. Genau die Medien die, und das ist nicht einmalig in der deutschen Geschichte, bereits wieder anfangen die nationalen Bestrebungen und Tendenzen zu beschönigen und die Linken, Kommunisten und Sysemkritiker wieder einmal in die Ecke der Verräter und Gewalttäter drängen wollen. Doppeltes Versagen auf zwei wichtigen Ebenen im Staat, dazu der größte erpresserische Raub in der Geschichte am Mittelstand und Arbeitnehmer, genannt Finanz und Eurokrise zugunsten der Grosskonzerne und Finanzindustrie. Eine vollkommen überlastete und mit Parteiklüngel durchsetzte Justiz wird nebenbei im Leerlauf gehalten. Jetzt fehlt nur noch das Arnold wenn er in kalifornien abgewähglt wird hier als neuer Messias und Führer hoffähig geschrieben wird ( Mangels Talenten zu so etwas im eigenen Land). Vielleicht lässt er sich ja auch ein Bärtchen wachsen wie der Solms. Aber auch die Presse und die Redakteure werden am Schluss mit bei den Verlierern sein, Geschichte wiederholt sich eben doch!
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