Hauskauf-Affäre: Wulff bekam Schnäppchenkredit der BW-Bank 

Neue Details zu seinem Hauskauf-Kredit verstärken den Druck auf den Bundespräsidenten. Nach SPIEGEL-Informationen erhielt Christian Wulff von der BW-Bank Sonderkonditionen, als er das Darlehen der Geerkens ablöste: Die Zinsen waren halb so hoch wie bei normalen Kunden.

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Bundespräsident Christian Wulff: Besonders günstige Konditionen der BW-Bank

Hamburg - Bundespräsident Christian Wulff hat bei der Finanzierung seines Privathauses bei Hannover von besonders günstigen Konditionen profitiert. Als er Anfang 2010 einen Kredit für sein Haus bei der BW-Bank aufnahm, kam ihm das Geldinstitut sehr weit entgegen. Nach Informationen des SPIEGEL schloss Wulff mit der landeseigenen baden-württembergischen BW-Bank in Stuttgart keinen normalen Immobilienkredit ab, sondern ein komplexes Finanzkonstrukt, um die 500.000 Euro aus dem Hause des Unternehmer-Ehepaars Geerkens zurückzahlen zu können.

Ein solches Konstrukt ist eher bei Unternehmen üblich - nicht aber bei der Finanzierung eines Eigenheims in Großburgwedel. So lagen zum Beispiel die Zinsen um die Hälfte niedriger als bei der Immobilienfinanzierung normaler Kunden.

Am 21. März 2010 vereinbarte die BW-Bank mit Wulff einen Kredit-Rahmenvertrag über 520.000 Euro - eine Art Dispo, der bis zum 31. Dezember 2024 laufen sollte. Die Zinsen waren variabel. Die Höhe richtete sich nach dem Zinssatz, zu dem Banken am Geldmarkt Geld leihen können. Der Zins habe zwischen 0,9 und 2,1 Prozent gelegen, wie die Anwälte des Bundespräsidenten dem SPIEGEL bestätigten. Derartige Finanzierungen vermittelt die BW-Bank nur an "gehobene Privatkunden", wie es in einer Stellungnahme des Geldinstituts heißt.

Enge Verbindungen zu Party-Veranstalter Schmidt

Kritisch könnte für Wulff zudem seine enge Verbindung zu dem Party-Veranstalter Manfred Schmidt werden. Schmidt hatte den "Nord-Süd-Dialog" organisiert, eine Veranstaltungsreihe in den Jahren 2007 bis 2009. Für diese hatte neben Wulff der baden-württembergische Ministerpräsidenten Günther Oettinger die Schirmherrschaft übernommen.

Allein mit dem letzten "Nord-Süd-Dialog" im Dezember 2009 soll Schmidt mehrere hunderttausend Euro verdient haben, die von Unternehmen für die Veranstaltung gesponsort worden waren. Am Einwerben dieser Sponsorengelder soll die Staatskanzlei beteiligt gewesen sein, was Wulff allerdings bestreitet.

Schmidt wiederum hatte am 30. Juni 2010 - dem Tag, an dem Wulff zum Bundespräsidenten gewählt worden war - in Berlin auf eigene Kosten eine Party für Wulffs Freunde organisiert. Zu diesem Fest war Wulff am späteren Abend erschienen, um sich feiern zu lassen.

Seehofer stützt Wulff

Rückendeckung bekommt Wulff von Horst Seehofer. "Die CSU steht zu unserem Bundespräsidenten Christian Wulff", sagte der CSU-Chef dem SPIEGEL.

Seit Tagen steht das Staatsoberhaupt unter Druck: Wulff hatte dem niedersächsischen Landtag im Februar 2010 mitgeteilt, dass er keine Geschäftsbeziehung mit Egon Geerkens unterhält. Dabei hatte der damalige Ministerpräsident 2008 einen Kredit über 500.000 Euro aus dem Hause des Unternehmerehepaars Geerkens erhalten.

Wulff und seine Anwälte halten daran fest, dass dieser von der Ehefrau Edith Geerkens stammt und es keine Geschäftsbeziehung zwischen Wulff und Egon Geerkens gab. Aussagen Egon Geerkens im SPIEGEL legen dagegen nahe, das Geld stamme in Wahrheit von dem Unternehmer selbst. So hatte Geerkens gesagt, er habe mit Wulff die Verhandlungen über den Kredit geführt.

Doch erst am Mittwoch räumte Wulffs Anwaltsbüro ein, dass die Modalitäten des Kredits "gemeinsam besprochen worden" seien. Der Familienfreund habe auch bei der Immobiliensuche geholfen. Außerdem war am Montagabend bekannt geworden, dass der befreundete Unternehmer Carsten Maschmeyer die Anzeigenkosten für ein Wulff-Buch übernommen hatte.

Am Donnerstagnachmittag zog der Bundespräsident erste personelle Konsequenzen aus seiner Kreditaffäre: Nach tagelanger öffentlicher Debatte trennte er sich von seinem langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker.

heb

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insgesamt 293 Beiträge
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1. "Zusammenhalt in der Gesellschaft"
marcobb 22.12.2011
na ja man hält dann eben doch zusammen, in der Gesellschaft. Also manche Leute, meine ich jetzt..
2. Logisch
bunterepublik 22.12.2011
Sehr gute Konditionen erscheinen mir bei einem Ministerpräsidenten und langjährigen Parlamentarier als nachvollziehbar und logisch. Hier kann man ja eigentlich davon ausgehen, dass der Kredit "todsicher" bedient wird. Gutes Salär und üppige Pensionen. Wer würde diesem Schuldner nicht gerne Geld leihen? Es handelt sich somit um die "Schweiz" der Schuldner....warum sollte die die Zinsen Italiens zahlen?
3. Das wird ihm das Genick brechen.
luwigal 22.12.2011
Zitat von sysopNeue Details zu seinem Hauskauf-Kredit verstärken den Druck auf den Bundespräsidenten. Nach SPIEGEL-Informationen erhielt Christian Wulff von der BW-Bank Sonderkonditionen, als er das Darlehen der Geerkens ablöste: Die Zinsen waren halb so hoch wie bei normalen Kunden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805228,00.html
Der Anfang vom Ende der Affäre Wulff.
4. und
blackouttotal 22.12.2011
Zitat von sysopNeue Details zu seinem Hauskauf-Kredit verstärken den Druck auf den Bundespräsidenten. Nach SPIEGEL-Informationen erhielt Christian Wulff von der BW-Bank Sonderkonditionen, als er das Darlehen der Geerkens ablöste: Die Zinsen waren halb so hoch wie bei normalen Kunden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805228,00.html
und noch eins und noch eins....ich glaub, jetzt ist dann aber auch gut, Herr Präsident.
5.
Cotti 22.12.2011
Zitat von sysopNeue Details zu seinem Hauskauf-Kredit verstärken den Druck auf den Bundespräsidenten. Nach SPIEGEL-Informationen erhielt Christian Wulff von der BW-Bank Sonderkonditionen, als er das Darlehen der Geerkens ablöste: Die Zinsen waren halb so hoch wie bei normalen Kunden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805228,00.html
Die Frage ist, ob Wulff das wissen musste oder konnte. Wenn ich zu einer Bank gehe und einen Kredit will, dann erwarte ich doch auch, dass mir ein günstiges Angebot gemacht wird - je günstiger, umso besser. Da fange ich doch nicht zu diskutieren an, dass ich einen teureren Kredit haben will. Aber letztendlich zeigt das Beispiel Wulff auch, dass es besser sein kann, einen Kredit von einem Freund zu nehmen - als nach einem überdurchschnittlich teurem Bankkredit suchen zu müssen, nur damit man nicht gegen das "Ministergesetz" verstößt. Da werden einem Minister ja praktisch Preisvergleiche verboten - bzw. dürfte er das Günstigste nicht annehmen. Da fragt es sich schon, ob dieses Gesetz überhaupt mit dem GG der BRD vereinbar ist.
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