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16. Dezember 2011, 15:14 Uhr

Hauskredit-Affäre

Neue Vorwürfe gegen Wulff

Der Bundespräsident gerät in der Hauskredit-Affäre in immer größere Erklärungsnot. Nach SPIEGEL-Informationen stammt das Darlehen mutmaßlich doch von Ex-Unternehmer und Wulff-Freund Egon Geerkens selbst - nicht von dessen Frau Edith, wie es das Staatsoberhaupt angibt.

Hamburg - Von wem kommt der Kredit über 500.000 Euro für Christian Wulff - von Ex-Unternehmer Egon Geerkens oder von dessen Frau Edith? Von dieser Frage hängt die Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten maßgeblich ab. Bisher hat Wulff gesagt, Darlehensgeberin sei Edith Geerkens gewesen. Doch lassen neue Aussagen ihres Mannes den Schluss zu, dass das Geld für den Kredit de facto von Egon Geerkens selbst stammt.

Der 67-Jährige sagte dem SPIEGEL, er selbst habe die Verhandlungen mit Wulff über das Darlehen geführt. Er habe sich auch überlegt, "wie das Geschäft abgewickelt werden könnte". Außerdem beruhe die freundschaftliche Verbindung in erster Linie auf dem Verhältnis zwischen Wulff und ihm.

Die Zahlung des Darlehens sei zwar über ein Konto seiner Frau erfolgt, für dieses Konto habe er allerdings eine Vollmacht. Die Rückzahlung der Kreditsumme im Jahr 2010 sei auf ein Konto erfolgt, das beiden Eheleuten gehöre.

Dafür, dass der ursprüngliche Eigentümer der Kreditsumme Egon Geerkens war, spricht zudem ein weiterer Umstand. Als das Paar Mitte der neunziger Jahre heiratete, war Geerkens bereits vermögend, während seine Frau Edith eine Angestellte seines Schmuckhandels war. Sie brachte Geerkens zufolge kein nennenswertes eigenes Vermögen in die Beziehung ein. Nach der Hochzeit habe seine Frau aufgehört zu arbeiten. Zudem sei Gütertrennung vereinbart worden.

Geerkens führte gewöhnlich bei Finanzfragen Regie

Bei der Ausreichung des Darlehens sei laut dem Unternehmer eigens ein Weg gewählt worden, bei dem die Namen der Beteiligten nicht auftauchen sollten. "Wir sind beide sehr bekannt in Osnabrück. Und ich wollte nicht, dass irgendein Bank-Azubi sieht, dass so viel Geld von mir an Wulff fließt", so Geerkens. Daher sei ein anonymer Bundesbankscheck ausgestellt und Wulff übermittelt worden, damit dieser ihn einlösen konnte.

Dass Egon Geerkens in Vermögensfragen des Ehepaars gewöhnlich die Regie führte, darauf deutet ein weiteres Immobiliengeschäft hin: Im Jahre 2008 kaufte Edith Geerkens für knapp eine Million Dollar ein Haus in Florida. Dort machte Wulff Weihnachten 2009 Urlaub. Das Geld für den Kaufpreis hatte ihr Egon Geerkens allerdings zuvor per notariellen Darlehensvertrag geliehen.

Wulff äußerte sein Bedauern

Wulffs hatte 2010 als damaliger niedersächsischer Ministerpräsident im Landtag in Hannover bestritten, dass es eine Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Egon Geerkens gegeben habe. In einer schriftlichen Erklärung räumte er am Donnerstag nun Fehler ein: Er hätte Darlehen von der befreundeten Unternehmensgattin Geerkens früher erwähnen sollen. "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte", erklärte er. "Ich bedauere das."

Im niedersächsischen Landtag droht zudem ein parlamentarisches Nachspiel: Der Ältestenrat befasst sich am Dienstagnachmittag auf Antrag von SPD, Grünen und Linken mit der Affäre.

heb

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