Geburtshilfe Bundestag beschließt Hilfe für Hebammen

Viele Hebammen können die Prämien für ihre Berufshaftpflicht kaum noch aufbringen. Nun sollen jene, die nur wenige Geburten begleiten, Zuschüsse von den Kassen bekommen. Das hat der Bundestag beschlossen.


Berlin - Die Hebammen beklagen seit langem steigende Prämien für ihre Haftpflichtversicherungen. Viele können die jüngsten Prämienanstiege nicht mehr bezahlen. Nun zeichnet sich eine Lösung für das Problem ab. Der Bundestag hat am Donnerstag befristete Zuschläge beschlossen, die die Krankenkassen und die Hebammenverbände für die Zeit ab 1. Juli aushandeln sollen.

Ab dem 1. Juli 2015 soll es zudem einen Sicherstellungszuschlag geben. Dieser geht auf einen Vorschlag von Gesundheitsminister Hermann Gröhe zurück. Die Kassen sollen den Sicherstellungszuschlag bezahlen, damit auch freie Hebammen mit nur wenigen Geburten die Kosten für die Versicherung decken können.

Die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes, Martina Klenk, begrüßte die Regelungen. "Wir brauchen schnell ein erfolgreiches Verhandlungsergebnis, denn in wenigen Wochen steht die erneute Erhöhung der Haftpflichtprämie an", so Klenk. Die Verhandlungen der Hebammenverbände mit dem Spitzenverband der Krankenkassen waren erst kürzlich gescheitert. Nun sollten sie wiederaufgenommen werden.

Das Thema gilt in der Koalition als sehr sensibel. Die Hebammen-Organisationen hatten mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit viele Sympathien in der Bevölkerung erlangt, auch wenn sie sehr unterschiedlich betroffen sind. Es gibt auch viele Geburtshelferinnen, die mit dem Geld der Kassen für die Versicherungsprämien gut auskommen.

Die hohen Prämien betreffen jene rund 3000 der gut 17.000 freiberuflichen Hebammen, die auch Geburtshilfe leisten. Grund ist, dass bei einer Schädigung des Kindes durch einen Fehler der Hebamme die langfristigen Therapie- und anderen Kosten stark gestiegen sind. Betroffen sind in erster Linie Hebammen mit relativ wenigen Geburten, da ihnen bestehende Ausgleichszahlungen der Kassen nicht reichen.

Zahlten Hebammen 2004 noch 1352 Euro für die Versicherung, werden es ab Juli 5091 Euro sein. Gerichte schraubten im Fall eines Fehlers der Hebammen bei der Geburt die Summen für die Betroffenen immer weiter in die Höhe - auch weil ein behindertes Kind heute wegen des medizinischen Fortschritts oft viel länger lebt als früher.dfdf.

"Unser Beruf wird gerade abgeschafft"

kgp/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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Lankoron 05.06.2014
1. Wenn schon soviel staatlicher Einfluss...
warum versichert dann nicht gleich die AOK die Hebammen, oder durch eine Umlage alle Krankenkassen. Sie müssen doch eh auch die Kosten für die eventuellen Heilbehandlungen zahlen.
logemean 05.06.2014
2.
Es ist an sich schon ein Fehler, sein Kind durch eine Hebamme ausserhalb des Krankenhauses zur Welt zu bringen. Diese Uralttradition sollte der Bundestag nicht künstlich unterstützen.
marccuse 05.06.2014
3. Pro Hausgeburt
Es ist angesichts der Profitgier der Medizinindustrie kein Wunder, wenn Hebammen vom Markt verdrängt werden. Schwangerschaft ist keine Krankheit. Und eine Entbindung ist kein operativer Notfall, wenn die Geburtsvorbereitung von Mutter und Vater gut und familienorientiert verläuft. Ich habe selber 6 Hausgeburten mit einer erfahrenen Hebammen im eigenen Haus durchführen dürfen. Meine Kinder sind gesund und quietschvergnügt!
IkkenHissatsu 05.06.2014
4.
@logemean Hebammen sind nicht nur für Geburten außerhalb von Krankenhäusern zuständig. Unsere hat uns die gesamte Schwangerschaft begleitet, bei Fragen war war sie rund um die Uhr erreichbar. Dank den horrenden Versicherungskosten kann sie ihren Beruf leider nicht mehr ausüben. Hebammen müssen unterstützt werden, nichtsdestotrotz bin ich auch gegen Hausgeburten. Aber das Spielt hier meiner Meinung nach eine eher untergeordnete Rolle.
Argi 05.06.2014
5. Mal grundlegendes zu Hebammen
1. Hebammen werden nicht in Lebkuchenhäuschen im Wald ausgebildet, sondern in anerkannten Schulen, die an eine Geburtsklinik angeschlossen sind, oder im Rahmen eines Studiums. 2. Die Ausbildung der Hebammen ist auf Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge spezialisiert. Sie ist so tiefgehend, dass in Deutschland eine Hebamme eine Geburt ohne Arzt durchführen darf, aber ein Arzt nicht ohne Hinzuziehen einer Hebamme. 3. Als mehrfacher Vater wage ich zu behaupten: Schwangerschaft, Geburt und Nachsorge ähneln nur auf den ersten Blick rein mechanischen Vorgängen wie zum Beispiel in einem Sägewerk (Etwas längliches fährt ein, dann gibt es einen Haufen Lärm und zum Schluss kommt etwas kleineres heraus). Tatsächlich ist einer der Hauptfaktoren für das Gelingen der Geburt die Entspannung und das Vertrauen der Mutter. Manche erlangen diesen Zustand optimal in einem Krankenhaus, weil sie sich dort allen Eventualitäten gewappnet sehen. Andere benötigen eher Ruhe und Abgeschiedenheit, wollen vielleicht auch nicht, dass wechselndes Personal ihr Schatzkästlein begutachtet. Somit gibt es Fälle, in denen eine Hausgeburt sinnvoll ist ebenso, wie solche, in denen eine Beleghebamme (das bedeutet: kein wechselndes Personal) zum Einsatz kommt und jene, in denen eine heutzutage übliche Krankenhausgeburt durchgeführt wird. Die Möglichkeit der Mutter, sich mental fallen zu lassen, hat nicht nur meiner Meinung nach direkten Einfluss auf den medizinischen 'Erfolg' einer Geburt. 4. Die gestiegenen Haftpflichtkosten korrelieren nicht mit schlechterer Arbeitsleistung der Hebammen, sondern mit gestiegenen Kosten der in jedem Szenario leider manchmal auftretenden Unglücke. Die Medizin bringt heutzutage für teures Geld Babys durch, die früher verstorben wären. Zitat aus dem Kästchen neben dem Artikel oben: 'Die Zahl der so genannten Schadensfälle wird zwar immer kleiner, die verhandelten Summen aber immer höher.' 5. Wer versucht, hier eine ideologische Debatte anzuzetteln, sollte sich lieber einen Fußballverein suchen. Diesen kann er dann tatkräftig und ideologisch unterstützen.
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