Heidenau Polizisten bei Krawallen zwischen Rechten und Linken verletzt

Wieder Gewalt in Heidenau: Vor der Flüchtlingsunterkunft in der sächsischen Kleinstadt sind am Sonntagabend rechte und linke Gruppen aufeinander losgegangen. Drei Menschen wurden dabei verletzt.

Krawalle in Heidenau: "Unerträgliche Situation"
AP

Krawalle in Heidenau: "Unerträgliche Situation"


In der Nähe einer Asylunterkunft im sächsischen Heidenau ist es am Sonntagabend zu Ausschreitungen zwischen linken und rechten Gruppen gekommen. Die Polizei setzte nach Angaben eines Sprechers Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Offenbar wurden zwei Einsatzkräfte und ein weiterer Mann verletzt. Bis zum Montagmorgen blieb es daraufhin ruhig.

Bei nächtlichen Krawallen von Rechtsextremisten und Rassisten waren seit Freitag mehr als 30 Polizisten verletzt worden. Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) forderte eine harte und schnelle Bestrafung der Gewalttäter. Die Ausschreitungen in Heidenau nannte er im Inforadio des RBB unerträglich. Es müsse alles versucht werden, um Flüchtlingsheime besser zu schützen. Dazu könnten Wachdienste, Konfliktmanagement und Videoüberwachung eingesetzt werden. Falls der Kontrollbereich der Polizei nicht ausreiche, könne man auch über ein Demonstrationsverbot vor Flüchtlingsheimen nachdenken.

Die Integrationsbeauftragte der Unionsfraktion, Cemile Giousouf zeigte sich besorgt darüber, dass in Heidenau auch Bürger ihre Kinder an die Hand nähmen und vor den Flüchtlingsheimen protestierten. "Hier wird eine Tabugrenze überschritten", sagte sie im ARD-"Morgenmagazin". Die Menschen, die gegen Flüchtlinge hetzten, stünden außerhalb unserer Grund- und Werteordnung.

Giousouf verteidigte außerdem das Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich bislang in der Flüchtlingsdebatte zurückhält. "Hier der Regierung Untätigkeit vorzuwerfen, finde ich vollkommen falsch", sagte die CDU-Politikerin. Es sei wichtig, dass die Regierung in dieser Frage zusammenhalte.

SPD-Vize Ralf Stegner hatte Merkel mangelndes Engagement vorgeworfen. Die Grünen hatten ein Eingreifen der Kanzlerin gefordert, Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt warnte vor neuem "rechten Terrorismus à la NSU".

Am Montag will Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) die Flüchtlings-Notunterkunft in Heidenau besuchen. Gabriel ist das erste Mitglied der Bundesregierung, das sich vor Ort ein Bild von der Situation machen möchte.

Im Video: Demonstranten attackieren Polizisten

kev/dpa

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