Vor Tschadsee-Konferenz Maas beklagt "humanitäres Drama" südlich der Sahara

"Wir können uns nicht erlauben wegzuschauen": Die Anrainerstaaten des Tschadsees in Afrika sind laut Außenminister Heiko Maas zum "Tummelplatz" für Terrorgruppen geworden - auch die Sicherheit Europas sei bedroht.

Heiko Maas
FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Heiko Maas


Kurz vor Beginn einer internationalen Konferenz im Auswärtigen Amt hat sich Außenminister Heiko Maas besorgt über die Lage in den Anrainerstaaten des Tschadsees in Afrika gezeigt. Dort spiele sich "eines der größten humanitären Dramen unserer Zeit" ab, sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Region sei "zum Tummelplatz" für Terrorgruppen wie Boko Haram und den "Islamischen Staat" (IS) geworden, die auch für die Sicherheit in Europa eine Bedrohung seien, sagte Maas. "Wir können uns nicht erlauben wegzuschauen, wenn die Nachbarn unserer Nachbarn destabilisiert werden."

Zu den Anrainerstaaten des Sees am südlichen Rand der Sahara gehören Kamerun, Tschad, Niger und Nigeria. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind 2,3 Millionen Menschen in der Region binnenvertrieben, mehr als 200.000 Personen sind demnach auf der Flucht. Mehr als zehn Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, bezeichnete die dortige Flüchtlingskrise als eine "der schwersten auf dem afrikanischen Kontinent". Er sei "sehr besorgt über die humanitäre Lage in der Region des Tschadsees", sagte Stylianides den Funke-Zeitungen.

Die zweitägige Konferenz beginnt am Montag um 10.15 Uhr in Berlin. Sie widmet sich unter anderem Fragen der Stabilisierung und der Entwicklungszusammenarbeit in der Region. Eingeladen haben Deutschland, Nigeria, Norwegen sowie die Vereinten Nationen. Es werden mehr als 50 Delegationen erwartet.

In der vergangenen Woche war Bundeskanzlerin Angela Merkel für drei Tage in Westafrika, sie besuchte Senegal, Ghana und Nigeria - auch um auszuloten, wie der Drang vieler Migranten nach Europa gebremst werden kann (mehr zu der Afrikareise und "Merkels Dilemma" lesen Sie hier).

aar/dpa/AFP/Reuters



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