Heiko Maas in Auschwitz "Wir müssen die Erinnerung wachhalten"

Heiko Maas hat erstmals als Außenminister die KZ-Gedenkstätte Auschwitz besucht. Bereits zuvor hatte er zum Einsatz für die Menschenwürde aufgerufen.

Außenminister Heiko Maas
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Außenminister Heiko Maas


Kurz nach 11 Uhr durchquerte Heiko Maas das Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei". Erstmals in seiner Position als Außenminister hat der SPD-Politiker die Gedenkstätte des ehemaligen NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau in Polen besucht.

Bereits vor seiner Reise hatte Maas zum Einsatz für die Menschenwürde aufgerufen. "Für mich ist Auschwitz die immerwährende Mahnung, für die unantastbare Würde des Menschen weltweit einzustehen - persönlich wie politisch", sagte Maas vor dem Abflug in Berlin. "Wir müssen die Erinnerung an die unfassbaren Gräueltaten wachhalten, auch für die nachfolgenden Generationen."

"Die Hölle auf Erden - sie war eine deutsche Schöpfung namens Auschwitz", schrieb Maas in das Gedenkbuch der KZ-Gedenkstätte. "Voll Trauer und Scham verneigen wir uns vor den Frauen, Männern und Kindern, die hier und an anderen Orten millionenfach von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Aus dem Vermächtnis der Opfer erwächst Deutschlands Verantwortung, für die unantastbare Würde des Menschen einzustehen - überall und jeden Tag. Diese Verantwortung endet nie", hieß es weiter.

Im Anschluss an den Besuch in Auschwitz-Birkenau ist ein Treffen mit dem polnischen Außenminister Jacek Czaputowicz in der Ortschaft Harmeze geplant. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, kritisierte vorab, dass Czaputowicz seinen deutschen Amtskollegen nicht auf dem Rundgang durch die Gedenkstätte begleitet.

Schuster erwartet von Maas, dass dieser gegenüber seinem Kollegen Jacek Czaputowicz das polnische Holocaust-Gesetz anspricht. Es sah ursprünglich Geld- und Haftstrafen für diejenigen vor, die dem polnischen Staat oder Volk "öffentlich und entgegen den Fakten" die Verantwortung oder Mitverantwortung für Verbrechen des Nazi-Regimes zuschreiben.

Maas werde bei der zweiten Polen-Reise in seiner Amtszeit von jungen deutschen Anwärtern für den diplomatischen und konsularischen Dienst begleitet. Vor Ort seien Gespräche mit polnischen und deutschen Jugendlichen geplant.

Zugleich hob Maas die Bedeutung der deutsch-polnischen Beziehungen hervor. "Polen ist für uns heute nicht nur Nachbar, sondern geschätzter Freund und wichtiger Partner in Europa", sagte er. Maas war bereits kurz nach seinem Amtsantritt im März in Warschau zu Gast. In seiner Antrittsrede als Außenminister hatte er gesagt, er sei wegen Auschwitz in die Politik gegangen.

Auschwitz-Birkenau war im Zweiten Weltkrieg im damals von Hitler-Deutschland besetzten Polen das größte Vernichtungslager der Nazis. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden dort ermordet, die meisten waren Juden. Unter den Auschwitz-Toten waren auch 80.000 nicht-jüdische Polen, 25.000 Sinti und Roma sowie 20.000 sowjetische Soldaten. Die sowjetische Rote Armee befreite das Lager am 27. Januar 1945.

Im Video: Eine Liebe in Auschwitz - Die Geschichte von Cyla und Jurek

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asc/AFP/dpa



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