Heiligendamm G-8-Gegner werfen Steine - Polizei setzt Tränengas ein

Brenzlige Lage in Heiligendamm: Gipfelgegner konnten überraschend bis zum Sicherheitszaun vordringen, Autonome bewerfen die Sicherheitskräfte am Kontrollposten mit Steinen. Die Polizei geht mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Randalierer vor.


Heiligendamm - Zwei Kontrollstellen am Sicherheitszaun in Heiligendamm wurden geschlossen. Die Polizei reagierte auf Steinwürfe aus dem Schwarzen Block mit Tränengas und Schlagstocken. Auch ein Wasserwerfer war im Einsatz.

Zuvor hatten sich an der Sicherheitsschleuse unmittelbar am Zaun in Vorder Bollhagen dramatische Szenen abgespielt. Friedfertige Demonstranten versuchten die Polizei davon zu überzeugen, dass sie keine Gewaltaktionen planen. Unter die rund 6000 Protestler hatten sich aber auch viele vermummte Mitglieder des Schwarzen Block gemischt. Die Demonstranten versuchten in Gesprächen immer wieder, die Autonomen davon zu überzeugen, auf Gewaltaktionen zu verzichten.

Globalisierungskritiker haben auch die Strecke der Bäderbahn "Molly" zwischen Kühlungsborn und der Hotelanlage des G-8-Gipfels in Heiligendamm blockiert. Mit dieser von einer Dampflokomotive gezogenen Bahn werden Journalisten aus dem Pressezentrum in Kühlungsborn zur Hotelanlage transportiert. Wie viele Demonstranten sich an der Aktion beteiligen war zunächst unbekannt.

Auch die Autobahn 19 bei Rostock-Laage wurde blockiert. Auf der Strecke werden die G-8-Delegationen in Richtung Heiligendamm fahren. Ebenso wurde die Bundesstraße 105 bei Sievershagen zwischen Rostock und Bad Doberan blockiert. Eine weitere Blockade bestehe zwischen Reddelich und Bad Doberan, teilte die Polizei mit.

Wenige Stunden vor Beginn des G-8-Gipfels waren die Demonstranten am Vormittag aus ihren Camps aufgebrochen, um mehrere strategische Orte zu blockieren. Sie konnten dabei Polizeisperren umgehen. Aus dem Lager in Reddelich westlich von Rostock machten sich die Demonstranten auf den Weg nach Heiligendamm.

Die seit mehreren Tagen trainierte Aktion verlief nach dem sogenannten Fünf-Finger-System. Die G-8-Gegner teilten sich also in fünf Gruppen auf, die sich getrennt auf den Weg machten - zunächst auf der Bundesstraße 105 nach Bad Doberan, aber auch durch Wälder und Rapsfelder, um eine Polizeisperre zu umgehen.

Kurz nach Aufbruch vom Camp hatten sie rund 50 Polizisten gegenübergestanden, die die Straße abriegelten. Daraufhin rannten die Demonstranten in einen angrenzenden Wald. Auf der anderen Seite des Forstes hinderten sie Polizeiautos kurzzeitig an der Verfolgung, indem sie große Äste auf die Straße warfen.

Die Einsatzkräfte verfolgten das Geschehen von zehn Hubschraubern aus, die über der Szene kreisten. Aus Richtung Admannshagen bei Bad Doberan liefen zur gleichen Zeit mehrere 1000 Demonstranten über Wiesen und Äcker in Richtung Heiligendamm. Zwei Kilometer hinter Admannshagen wurden sie von der Bundespolizei aufgehalten. Von mehreren Hubschraubern aus beobachteten die Einsatzkräfte das Geschehen. Zudem wurden Wasserwerfer bereitgestellt.

Aus anderen Camps machten sich G-8-Gegner auch zum Flughafen Rostock-Laage auf, um den Airport zu blockieren. Bis zum Beginn des Gipfels treffen dort zurzeit immer noch Staats- und Regierungschefs aus aller Welt ein. US-Präsident George W. Bush war dort bereits gelandet.

In der Umgebung des Flughafens sollte es vier Blockadeversuche geben. Es handele sich dabei um die Ortschaften Friedrichshof, Striesdorf, Kronskamp und Weitendorf in unmittelbarer Nähe des Flughafens, hieß es heute bei einer Pressekonferenz in Rostock.

Sven Giegold, Koordinationsrat von Attac, kritisierte gegenüber SPIEGEL ONLINE das Vorgehen der Polizei. "Der Gewalteinsatz gegen friedliche Demonstranten lässt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit vermissen." Mit dem Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken verstießen die Sicherheitskräfte gegen zuvor getroffene Absprachen, so Giegold.

als/AP/dpa

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