Reaktionen Merkel lobt Geißler als "streitbar und selbstbewusst"

"Ein sehr kluger und unbequemer Geist": Über die Parteigrenzen hinweg haben Politiker den verstorbenen früheren Generalsekretär Heiner Geißler gewürdigt. Die Reaktionen.

REUTERS

Heiner Geißler war über mehrere Jahrzehnte einer der prägenden Politiker Deutschlands. Jetzt ist der frühere CDU-Generalsekretär im Alter von 87 Jahren gestorben. Viele Politiker würdigten seine Lebensleistung.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bescheinigte Geißler eine jahrzehntelang prägende Politik für Deutschland. "Er war mit einer Leidenschaft Politiker und mit einer Hingabe Mitgestalter unseres Gemeinwesens, die selten zu finden waren und sind", schrieb Steinmeier am Dienstag in einem Kondolenzschreiben an Geißlers Witwe. Die christliche Überzeugung habe Geißlers Reden und Handeln geprägt.

Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel nannte Geißler einen der markantesten Köpfe der Christdemokraten. Geißler sei "intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst" gewesen, sagte sie.

Die CDU hatte Geißler schon zuvor als "einen der ganz Großen" der Partei gewürdigt. "Er war ein sehr kluger und unbequemer Geist und hat so die CDU angetrieben, sich den Veränderungen in der Welt zu stellen. Das müssen wir heute wieder", schrieb Generalsekretär Peter Tauber auf Facebook. Noch im Juli habe er mit Geißler über die Zukunft Afrikas, eine kluge Migrationspolitik und das Wertefundament der Gesellschaft gesprochen.

Auch die CDU-Vizechefin und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beklagte den Tod Geißlers. "Als guter Freund meines Vaters war mir Heiner Geißlers Stimme von Jugend an vertraut", sagte die Tochter des früheren niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der 2014 verstorben war. Leyen würdigte Geißler als "Vordenker und Modernisierer" Er habe in der Partei früh "dafür geworben, die Interessen von Frauen und Familien mit Leidenschaft zu vertreten".

Kanzleramtschef Peter Altmaier schrieb am Dienstag auf Twitter, Geißler habe die CDU geprägt: "Soziale und ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. Ich bin tief erschüttert. Sein Vermächtnis bleibt."

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner nannte Geißler einen großen Rheinland-Pfälzer, streitbar und klug. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schrieb auf Twitter: "Intellektuell brillant, Politik aus Grundsätzen gestaltend und scharf in der Debatte - das war Heiner Geißler. Er war einer unserer Besten."

REUTERS

Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sagte, Geißler "war für seine Partei und für viele Bürger unseres Landes eine prägende politische Gestalt der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik. An der Auseinandersetzung mit seiner pointierten Sicht auf die Linke und die Sozialdemokratie ist die Diskussionskultur Deutschlands gewachsen". Großer Dank gebühre Geißler für seine Tätigkeit als Schlichter in großen Tarifkonflikten.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schrieb ebenfalls auf Twitter, Deutschland verliere mit Geißler einen großen Demokraten und "streitbaren Politiker, der es keinem leicht gemacht hat. Seine Stimme wird fehlen."

FDP-Chef Christian Lindner lobte den CDU-Politiker als "meinungsstarken Querdenker."

Auch das Grünen-Spitzenduo Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir äußerte sich: "Mit Heiner Geißler verlieren wir einen echten Freigeist, der zu seiner politischen Haltung immer auch gegen Widerstände stand. Er war ein kluger Demokrat, der die Politik über Jahrzehnte geprägt hat. Wir Grüne hatten es nicht immer leicht mit ihm, seine scharfe Kritik an der Friedensbewegung ist uns noch in Erinnerung. Doch mit dem Alter wurde Heiner Geißler versöhnlicher.

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour schrieb: "Ein Mann der Werte und der Haltung ist von uns gegangen."

Oskar Lafontaine bezeichnete den Ex-CDU-Generalsekretär als einen der "profiliertesten Politiker der deutschen Nachkriegszeit". Geißler habe sich "Zeit seines Lebens der christlichen Soziallehre verpflichtet gefühlt", sagte der Linken-Politiker und einstige SPD-Chef. "Wie kaum ein anderer kritisierte er die Fehlentwicklungen des globalen Kapitalismus. Er wird uns fehlen."

"Ein Mahner, ein Streitschlichter, ein Humanist, ein Konservativer - einer, den wir alle gerade in diesen Zeiten vermissen werden", schrieb Linken-Chefin Katja Kipping auf Twitter.

dbate-Interview mit Heiner Geißler vom 04.12.2014

als/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.