Krise in Europa Altkanzler Kohl rechnet mit Schröder-Regierung ab

Helmut Kohl gibt der Regierung von Gerhard Schröder eine Mitschuld an der Eurokrise. Rot-Grün habe zwei schwere Fehler gemacht. "Ein Schandstück deutscher Politik", heißt es laut "FAS" in einem neuen Buch des Altkanzlers.

Helmut Kohl (Archivbild): "Euro als feste Klammer für Europa"
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Helmut Kohl (Archivbild): "Euro als feste Klammer für Europa"


Hamburg - Helmut Kohl ist ein Mann der harten Worte. Seine Aussagen über Parteikollegen, die der SPIEGEL veröffentlichte, fielen harsch aus: Über Kanzlerin Angela Merkel etwa sagte er, sie könne "nicht mit Messer und Gabel essen"; den damaligen niedersächsischen CDU-Chef Christian Wulff bezeichnete er als "großen Verräter". Nachzulesen ist das in dem Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" der Journalisten Heribert Schwan und Tilman Jens, gegen das Kohl derzeit vorgeht.

Deutlich lieber scheint es Kohl zu sein, wenn seine Meinung über die SPD und vor allem über Gerhard Schröder bekannt wird. Dazu will der CDU-Politiker am Montag ein Buch vorstellen. Einen Auszug druckt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). Darin kreidet Kohl seiner Nachfolgeregierung vor allem zwei schwere Fehler an: Sie habe Griechenland zu früh in die Eurozone aufgenommen und den Euro-Stabilitätspakt aufgeweicht.

"Beide Entscheidungen gehören zu den wesentlichen Fehlentwicklungen, die wir in der EU, im Euroraum, in einzelnen Mitgliedstaaten und darüber hinaus insgesamt erleben müssen und zu Recht beklagen", schreibt Kohl laut dem Auszug in seinem Buch "Aus Sorge um Europa". Diese Fehlentwicklungen seien dann durch Fehlentscheidungen an den Finanzmärkten noch verstärkt worden. "Was hier passiert ist, ist wirklich ein Schandstück deutscher Politik", schreibt der Altkanzler.

"Euro als feste Klammer"

Ein eigenes Mitwirken an der europäischen Schuldenkrise weist Kohl hingegen von sich: Konstruktionsfehler beim Euro oder beim Bau Europas hätten nicht zu dieser Situation geführt. Er sei froh darüber, "den Euro als feste Klammer für Europa zu haben". Die mit der Gemeinschaftswährung verbundenen Hoffnungen für eine tiefere europäische Zusammenarbeit würden sich erfüllen, "wenn wir beim Euro Schritt für Schritt, aber schnellstmöglich wieder zu einer Gemeinschaft der Stabilität und der Rechtstreue zurückkehren".

Die EU müsse sich nun solidarisch mit Griechenland zeigen, schreibt Kohl laut dem "FAS"-Bericht. Er betont aber: Mit ihm als Bundeskanzler hätte es keine Zustimmung gegeben, Griechenland von Anfang an in den Euroraum aufzunehmen. Das Land habe sich schon damals in einer Situation befunden, "die jedem, der genauer hinsah, nicht verborgen geblieben sein konnte", schreibt der Altkanzler. An Warnungen habe es nicht gefehlt.

vek



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MHB 01.11.2014
1. Witzig
Kohl hat doch die Grundlage für das System gelegt, was wir jetzt haben. Das ist lächerlich. Gerade die Enge Bindung durch den Euro überfordert viele schwache Länder. Den Euro in deren RIchtung zu drehen würde wiederum Deutschland schaden. Herr Kohl trägt die Hauptverantwortung, niemand anders (aus deutscher Sicht). Aber er ist ein alter Mann, da ändert man sich nicht mehr ...
auf_dem_Holzweg? 01.11.2014
2. Schuld an der Eurokrise alleine hat Kohl
denn ohne ihn wäre dieser ganze überflüssige Euro-Murks erst gar nicht zustande gekommen und wir wären weiterhin führende Kraft in Europa. Diese Leaderschaft hat uns Helmut Kohl genommen. Daher sollte er nun lieber still sein, aber das war nie eine seiner Stärken.
logabjörk 01.11.2014
3. beide Regierungen haben so viele Fehler gemacht
daß wir nun eine Niedriglohn-Republik sind und 20 Millionen Arme haben. Der Arbeitsmarkt ist zerstört, die Rente auch.
gitane 01.11.2014
4. Deeeer?
Ausgerechnet Kohl, der alles ausgesessen hat nund uns diesen Euro eigebrockt hat maßt sich an seinen Nachfolger zu kritisieren? Nicht, dass ich Schröders Politik auch nur im Ansatz gut fände, aber Kohl kann sich dann wieder melden, wenn er seine Geldgeber nennt!
TOM_M 01.11.2014
5. Glaubt er, dass er Gott ist???
Irgendwie sollte man "den Dicken aus Oggersheim" nicht mehr ans Mikrofon lassen oder ihn von der Presse fern halten!!! Natürlich macht jede Regierung Fehler aber dann würde ich, der "die größten Fehler aller Zeiten" verbrochen hat, ganz ruhig sein. Euro und DDR waren definitiv das Schlechteste was Deutschland passieren konnte - nicht dass es so kam, sondern wie man das alles "abgenickt" hat. Die Umrechnung der Ostmark in Westmark - das Begrüßungsgeld ohne großes Konzept - die Rente für die Ostbürger - usw. Übern Euro will ich jetzt mal nix schreiben - das wisst Ihr ja selbst!! In diesem Sinne TOM
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