Totenmesse Berlin nimmt Abschied von Helmut Kohl

In der Berliner Hedwigskathedrale haben Spitzenpolitiker mit einem Gedenkgottesdienst Helmut Kohls gedacht. Der Geistliche wünschte der zerstrittenen Familie Versöhnung.


Offiziell gewürdigt und beerdigt wird Helmut Kohl am kommenden Wochenende in Straßburg und Speyer. In Berlin haben Politiker nun aber bereits mit einem Gedenkgottesdienst vom Altkanzler Abschied genommen. Die Totenmesse fand am frühen Dienstagmorgen in der Hedwigskathedrale statt.

Unter den Gästen waren neben zahlreichen Bundestagsabgeordneten auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie viele Minister.

Der Gottesdienst fand auf Initiative von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) und in Abstimmung mit Kohls Witwe Maike Kohl-Richter statt. Mit dem Gottesdienst reagierte Kauder nach eigenen Angaben auf das Bedürfnis vieler Abgeordneter, auch in der Hauptstadt Berlin von Kohl Abschied nehmen zu können.

Der langjährige Kanzler war am Freitag vor einer Woche im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben.

Zelebriert wurde die Messe am Dienstagmorgen in Berlin von Prälat Karl Jüsten, dem Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe. Der Geistliche wünschte der zerstrittenen Familie Kohl Versöhnung.

"Wir wünschen uns allen, dass sie untereinander Versöhnung und Frieden erfahren", sagte er in seiner Predigt. Die Verwandten des Altkanzlers hätten ein unterschiedliches Bild von ihm. Außenstehende sollten sich aber bei einer Bewertung der Umstände zurückhalten.

Trauerkonvoi führt auch durch Ludwigshafen

Die Wahl Straßburgs und Speyers als Orte für die offiziellen Feierlichkeiten zur Würdigung Kohls und zu seiner Beerdigung stieß bei dessen Sohn Walter auf Unverständnis. Er forderte in der vergangenen Woche öffentlich einen Staatsakt am Brandenburger Tor.

Die Trauerfeierlichkeiten werden am Samstagvormittag mit einem europäischen Staatsakt in Straßburg beginnen. Dort redet unter anderem Kanzlerin Merkel.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wird auch der russische Ministerpräsident Dmitrij Medwedew erwartet. Er soll eine Rede halten.

Am frühen Nachmittag wird der Sarg mit dem Leichnam dann per Hubschrauber nach Ludwigshafen gebracht. Dort soll dieser durch Kohls Geburtsstadt gefahren werden. Am Rheinufer wird der Sarg dann auf das Schiff MS Mainz gebracht und ins rund 20 Kilometer entfernte Speyer transportiert.

Dort soll am Abend ein nicht öffentliches Requiem im Dom zu Speyer stattfinden. Die anschließende Beisetzung im Familien- und Freundeskreis ist auf einem Friedhof in der Nähe geplant.

SPIEGEL BIOGRAFIE 3/2017

dop/AFP/dpa



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