Umstrittenes Vermächtnis-Buch Kohl zieht Beschwerde zurück

Im juristischen Streit um die "Kohl-Protokolle" hat der Altkanzler offenbar nachgegeben und seine Beschwerde gegen einen Gerichtsbeschluss zurückgezogen. Das umstrittene Buch kann damit wohl ungehindert verkauft werden.

Altkanzler Kohl: Vor Gericht gescheitert
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Altkanzler Kohl: Vor Gericht gescheitert


Berlin - Das Buch "Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle" wird wohl ohne Einschränkung am Markt bleiben. Altkanzler Helmut Kohl hat seine Beschwerde gegen einen Beschluss des Kölner Landgerichts zurückgenommen.

Kohl hatte zunächst die Veröffentlichung des Buches per einstweiliger Verfügung verhindern wollen. Das Landgericht hatte seinen Antrag jedoch abgelehnt. Daraufhin legte der 84-Jährige sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) ein. Nach einem rechtlichen Hinweis des OLG habe Kohl die Beschwerde nun am Freitag zurückgenommen, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Der Heyne Verlag hatte am Montag damit begonnen, das Kohl-Buch von Heribert Schwan und Tilman Jens auszuliefern. Am Dienstag waren die "Kohl-Protokolle" offiziell vorgestellt worden. Zuvor hatte bereits der SPIEGEL einige Aussagen daraus veröffentlicht, in denen der Altkanzler drastisch mit früheren Parteifreunden wie Kanzlerin Angela Merkel, dem früheren Bundesminister Norbert Blüm oder dem früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Bundespräsidenten Christian Wulff abrechnet.

Die Zitate Kohls stammen aus persönlichen Gesprächen, die der Publizist Schwan einst mit dem langjährigen CDU-Vorsitzenden in dessen Haus in Oggersheim führte. Als Ghostwriter Kohls hatte Schwan in den Jahren 2001 und 2002 dabei insgesamt 630 Stunden Gespräche aufgezeichnet. Sie dienten dem Journalisten bei der Abfassung der Kohl-Memoiren. Nach seinem schweren Treppensturz 2008 musste Kohl die Arbeit mit Schwan an der Biografie unterbrechen. Im März 2009 kündigte der Altkanzler schließlich die Zusammenarbeit mit dem Journalisten auf.

Nach dem Zerwürfnis kam es zum Rechtsstreit über die Frage, in wessen Hände die 200 Tonbänder mit den Gesprächsaufzeichnungen gehören. Das Oberlandesgericht Köln sprach sie Kohl zu. Daher vertritt die Kohl-Seite die Ansicht, dass Schwan die Tonbänder auch nicht für sein Buch hätte verwenden dürfen.

Schwan hatte die Originalbänder zwar herausgegeben. Er verfügt nach eigener Aussage aber über schriftliche Protokolle der Aufnahmen. Auch hat er sich eine Kopie der Bänder anfertigen lassen.

Kohl hatte am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse eine Neuauflage seiner Erinnerungen aus der Wendezeit vorgestellt. Auf den Streit um die "Kohl-Protokolle" ging der schwer gebrechliche 84-Jährige in seiner kurzen Ansprache nicht ein.

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insgesamt 19 Beiträge
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cafe_kehse 10.10.2014
1. Kohl Kanzlerkandidat 2017
Merkel wird wohl 2017 nicht mehr antreten. Die Union wäre gut beraten, Kohl als Kanzlerkandidaten aufzustellen, gewissermaßen nur als Strohmann. Kohl mit seiner Reputation würde mehr Stimmen für die Union erreichen als jeder anderer Unions-Kandidat. Ob er dann noch eine Legislativperiode als Strohmann durchhält, kann dahin gestellt bleiben. Der Schachzug wäre in jedem Fall genial.
b.toennies 10.10.2014
2. Lieber Spon,
könnt Ihr die Nahaufnahmen Kohls nicht rausnehmen??? Die Bösartigkeit des Blicks macht einem jedesmal Angst... Viele Grüsse
derweiseausdemharz 10.10.2014
3. Und
Ich hab es schon, bislang 50 Seiten Einleitung gelesen. Fazit: Der Journalist spielt sich auf, Kohl ist Machtmensch, Hannelore Opfer und Helmut ist wiederum kontrolliert von seiner Neuen... Ich bin gespannt, ob es noch spannend wird.
janne2109 10.10.2014
4.
Zitat von b.toennieskönnt Ihr die Nahaufnahmen Kohls nicht rausnehmen??? Die Bösartigkeit des Blicks macht einem jedesmal Angst... Viele Grüsse
schade, keine Ahnung wie Menschen im Alter aussehen können. Das ist kein böser Blick sondern ein starrer Blick, ist scheinbar vergessen worden, dass der Mann sehr krank ist. By the way; es ist unglaublich, dass dieses Buch veröffentlicht wurde. Kohl wollte es nicht und danach hat man sich zu richten. Ich hoffe es kauft niemand.
niktim 10.10.2014
5. Konsequent genutzt
Jede Ära geht einmal zu Ende. Man kann gegen oder für Kohl sein. Eins muss man anerkennen, dass er die Möglichkeit die Einheit Deutschlands zu realisieren, hat er konsequent genutzt! Das ist sein Verdienst und niemand kann ihm dasstreitig machen!
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