Rechtsstreit mit Heribert Schwan Altkanzler Kohl darf umstrittene Tonbänder behalten

Helmut Kohl hat vor Gericht einen weiteren Sieg gegen seinen früheren Biografen errungen: Der Altkanzler darf Tonbänder mit umstrittenen Zitaten von sich behalten.

Altkanzler Kohl: Wieder gewonnen
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Altkanzler Kohl: Wieder gewonnen


Noch ein Sieg für Helmut Kohl im Rechtsstreit mit seinem Ex-Biografen Heribert Schwan: Der Altkanzler darf die Tonbänder mit seinen Lebenserinnerungen behalten. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden (Az.: V ZR 206/14). Damit scheiterte der Publizist Schwan mit seiner Revision in Karlsruhe. Der Journalist hatte mit Kohl darum gestritten, wem die Bänder gehören. Ihnen wird ein erheblicher historischer Wert zugestanden.

Kohl habe einen Herausgabeanspruch gegen den Publizisten, sagte die Vorsitzende Richterin Christina Stresemann in Karlsruhe. Die Bänder befinden sich bereits im Besitz von Kohls Anwalt.

Kohl, dessen Gesundheitszustand sich zuletzt stark verschlechtert haben soll, hat sich mit seiner Rechtsauffassung schon mehrfach durchgesetzt: Im Mai hatte das Oberlandesgericht Köln das Verbot des Bestsellers mit nicht freigegebenen Zitaten des Altkanzlers bekräftigt. Das Gericht entschied, dass die Veröffentlichung der strittigen Zitate einen unrechtmäßigen Vertrauensbruch darstellt.

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Kohls Abrechnung: Wen der Altkanzler schmähte
Das Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" war vergangenes Jahr ein Bestseller. Schwan und sein ebenfalls von Kohl beklagter Mitautor Tilman Jens hatten 2001 und 2002 Mitschnitte und Protokolle von Gesprächen mit Kohl angefertigt. Auf deren Basis sollten die Memoiren des Altkanzlers verfasst werden. Im März 2009 kündigte Kohl die Zusammenarbeit mit dem Journalisten auf.

In Schwans Buch wird er mit drastischen Äußerungen über frühere Parteifreunde zitiert. Über die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Kohl demnach: "Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen." Im Gespräch über den damaligen niedersächsischen CDU-Chef Christian Wulff sagte er: "Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null."

mxw/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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kreispunkt 10.07.2015
1. Schlauberger
Wenn Schlauberger Schwan einfach Kopien von seinen Bändern angefertigt hätte, dann wäre dieser ganze Zirkus nicht notwendig gewesen. Schon lustig, zum einen die Bänder als wichtige, unersetzbare Zeitdokumente zu bezeichnen, und dann keine Kopien zu machen.
martje12 10.07.2015
2. Hoffentlich
hört sich Herr Kohl auch manchmal die Bänder an, aus der Zeit, als der seinen europäischen Traum träumte... ganz besonders den Teil, wo er uns an die EU und den Euro ausgeliefert hat, nur um der Kanzler der Einheit werden zu können...
kinngrimm 10.07.2015
3. und wo ist unser Recht?
Recht zu erfahren wenn er damals gedeckt hat, wie genau die schwarzen Kassen durch Schwarze Koffer gefüllt wurden. Als ob Schäuble nit auch mitwisser war und viele andere. Aber das Geheimniss darum ist wohl zu dunklebraun als das es die öffentlichkeit wissen dürfte. Wenn er und die er mit seinem *pfui* Ehrenwort schützte mal alle Tod sind, die feine Gesellschaft, wielleicht werden dann in 50 Jahren die BND Akten geöffnet. Aber das hilft den jetzt Lebenden dann auch nicht mehr. Wann auch immer ich was von dem Typen sehe, bekomme ich Agressionen.
brotherandrew 10.07.2015
4. Sie wissen ...
Zitat von kreispunktWenn Schlauberger Schwan einfach Kopien von seinen Bändern angefertigt hätte, dann wäre dieser ganze Zirkus nicht notwendig gewesen. Schon lustig, zum einen die Bänder als wichtige, unersetzbare Zeitdokumente zu bezeichnen, und dann keine Kopien zu machen.
... doch gar nicht, ob er Kopien hat. Abgesehen davon dürfte er die nicht verwenden, weil er in diesem Augenblick juristisch gepackt werden kann. Kopien wären also nicht sehr schlau. Das Urteil ist richtig.
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