Ärger um Zitate Altkanzler Kohl siegt erneut vor Gericht gegen Ghostwriter

Altkanzler Helmut Kohl setzt sich durch: Das Oberlandesgericht Köln hat ein früheres Urteil bestätigt, wonach seinem Ghostwriter die Veröffentlichung umstrittener Zitate untersagt ist.

Autoren Schwan und Jens (Archivbild): Dürfen Zitate nicht verwenden
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Autoren Schwan und Jens (Archivbild): Dürfen Zitate nicht verwenden


Helmut Kohl hat sich erneut mit seiner Auffassung durchgesetzt: Auch das Oberlandesgericht Köln hat das Verbot eines Bestsellers mit nicht freigegebenen Zitaten des Altkanzlers bekräftigt. Das Gericht entschied im Rechtsstreit mit dem Ex-Biografen Heribert Schwan, dass die Veröffentlichung der Zitate einen unrechtmäßigen Vertrauensbruch darstellt.

Das Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" war im vergangenen Jahr ein Bestseller. Schwan und sein ebenfalls von Kohl beklagter Mitautor Tilman Jens hatten 2001 und 2002 Mitschnitte und Protokolle von Gesprächen mit Kohl angefertigt, die zur Verfassung der Memoiren des Altkanzlers dienen sollten. Im März 2009 kündigte Kohl die Zusammenarbeit mit dem Journalisten auf.

In Schwans Buch wird er mit drastischen Äußerungen über frühere Parteifreunde zitiert. Über die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte Kohl demnach: "Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen." Im Gespräch über den damaligen niedersächsischen CDU-Chef Christian Wulff sagte er: "Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null."

vek/dpa

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Immanuel_Goldstein 05.05.2015
1.
Was nutzt ihm dieser Pyrrhus-Sieg? Das Buch ist millionenfach verkauft und im Handel, die Zitate sind dokumentiert, auf Tonband belegt und erwiesen. Jedes weitere Verfahren ist nicht mehr, als Geldverschwendung für den Steuerzahler. Kohl hat seine Glaubwürdigkeit eh längst verspielt.
basiliusvonstreithofen 05.05.2015
2. Kohl ist von gestern
Wen interessieren die alten Sachen von früher? Deutschland hat genug mit den aktuellen Problemen zu tun, selbst wenn einige (z. B. Euro) von Kohl verursacht wurden. Es lohnt nicht mehr, sich mit diesem Herrn aus Oggersheim zu beschäftigen.
schumbitrus 05.05.2015
3. Das gehört doch eher ins Panorama
Bei allem Respekt für Herrn Kohl - aber Politik ist das desaströse Verhalten unserer Regierung im NSA-Skandal und wie die Geheimdienste ein Eigenleben oberhalb der von uns gewählten Regierungen etablieren. Ob Herr Herr Kohl ein Problem mit seinem Ghostwriter hat oder hatte ist doch politisch etwa so relevant wie ob eine US-Schauspielerein Sex im Auto hatte und dafür die Auseinandersetzung mit der Polizei eine Strafe kassiert hat ..
taurus3000 05.05.2015
4. Kohl sollte sich freuen,
dass das Urteil zu spät kommt. Auch wenn es vielleicht nicht seine Absicht war, ins politische Gefüge auf diese Art und Weise einzugreifen, haben doch seine kleinen spitzen Wahrheiten über das politische Führungspersonal bereits Zehntausenden die Augen geöffnet. Die Menschen haben durch ihn Gewissheit erhalten, dass man auf die übergroße Mehrheit derer, die auf der großen politischen Bühne stehen, überhaupt nicht mehr anders als mit Verachtung herab blicken kann. Danke, Helmut Kohl, für diese Gewissheit.
taurus3000 05.05.2015
5. Vergangenheit
Zitat von basiliusvonstreithofenWen interessieren die alten Sachen von früher? Deutschland hat genug mit den aktuellen Problemen zu tun, selbst wenn einige (z. B. Euro) von Kohl verursacht wurden. Es lohnt nicht mehr, sich mit diesem Herrn aus Oggersheim zu beschäftigen.
ist die Erklärung für die Gegenwart. Andererseits: Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht auch die Vergangenheit. Und wer die Vergangenheit beherrscht, bestimmt die Zukunft.
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