Straßburg Gedenkfeier für Kohl bringt EU-Beamte in Nöte

Die Europäische Union tut sich schwer mit der Gedenkveranstaltung für Helmut Kohl: Vor allem die Details der Trauerfeier im Parlament bereiten EU-Beamten einige Sorgen.

Plenum in Straßburg
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Plenum in Straßburg

Von , Brüssel


Bill Clinton soll sprechen, Emmanuel Macron, Jean-Claude Juncker und auch Angela Merkel: Mit einer europäischen Trauerfeier in Straßburg will sich das politische Europa am 1. Juli von Helmut Kohl verabschieden. Ins Spiel gebracht hat die Idee EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, der Mann also, den der langjährige deutsche Kanzler im kleinen Kreis einst als seinen würdigen Nachfolger bezeichnet hatte - wenn Juncker denn dummerweise nicht in Luxemburg geboren wäre.

Das Problem: Die Planung des Gedenkens gestaltet sich gar nicht so einfach. Einen europäischen Staatsakt in dieser Form hat es noch nie gegeben, und man tut in Brüssel niemandem unrecht, wenn man sagt, dass nicht alle in der EU-Hauptstadt von der Idee so angetan sind wie Juncker.

Wie immer spielen auch Eitelkeiten der drei EU-Institutionen eine gewisse Rolle: Parlamentspräsident Antonio Tajani etwa hat die Sache nicht erfunden, muss die Veranstaltung aber jetzt in seinem Saal ausrichten. Der Berlusconi-Kumpel muss in Straßburg nun ebenso reden wie Ratspräsident Donald Tusk. Dabei blicken beide, anders als Juncker, auf keine besonders innige Beziehung zu Kohl zurück.

Die Probleme fangen schon mit dem Namen der Veranstaltung an. "Europäischer Staatsakt" nannte Juncker die Zeremonie in der Presse. Das ist einerseits treffend, weil es gut beschreibt, worum es geht. Andererseits aber natürlich unzutreffend, weil die EU nunmal kein Staat ist. Kleinkram? Nicht in Brüssel. "Ceremony of Honour" heißt die Veranstaltung nun in Pressemitteilungen der drei EU-Institutionen vom Montag und Dienstag deutlich zurückgenommen.

"Ceremony of Honour", so was kenne die EU überhaupt nicht, lästern sie im Parlament. Der Protokollchef der Kommission habe die Übersetzung frei erfunden, "das musste ja schiefgehen", fügt ein Parlamentsmann hinzu, der Protokollchef sei Franzose.

Dazu kommt, dass der Straßburger Parlamentsbau für die Feierlichkeit nicht ausgerichtet ist. Ausgerechnet jetzt, wo die Mammutveranstaltung mit mehr als 1000 Gästen ansteht, werden die Arbeitsräume für Journalisten renoviert. Noch ist unklar, wo die Presse arbeiten soll, das WLAN-Netz muss extra verstärkt werden, bevor in Straßburg das Loblied auf Kohl angestimmt werden kann. Nicht, dass das den Altkanzler arg gestört hätte, für die meisten Journalisten hatte Kohl nie viel übrig.

"Wir können ihn ja schlecht einfach auf die Seite kippen"

Ein Problem bereitet den Verantwortlichen besonders Kopfzerbrechen: Wie kommt der Sarg in den Saal? Er soll, mit Europaflagge, neben dem Rednerpult aufgestellt werden.

Das Problem ist nur, dass der Sarg durch keinen der Eingänge in den Parlamentssaal passt, jedenfalls nicht so, dass man ihn dann ohne Schwierigkeiten an seinen Bestimmungsort neben dem Rednerpult tragen könnte. "Den müssen sie mit dem Hubschrauber reinhieven", sagt ein Europaabgeordneter.

SPIEGEL BIOGRAFIE 3/2017

Auch der Eingang an der Stirnseite des Saals, durch den der Parlamentspräsident gewöhnlich den Saal betritt, taugt nicht zum Transport. "Wir kommen da womöglich nicht um die Ecke", sagt eine mit den Planungen vertraute Person, da stehen Sitzpulte im Weg. Zudem verbiete es sich natürlich, den Sarg einfach so hin- und herzudrehen: "Wir können ihn ja schlecht einfach auf die Seite kippen." Am Montag wollen Brüsseler Protokollplaner nun die Lage in Straßburg persönlich in Augenschein nehmen.

Auch die Rednerliste ist noch eine Baustelle: Der CDU-Europaabgeordnete Andreas Schwab etwa, so berichtet die Katholische Nachrichtenagentur, hält den Festakt zwar eigentlich für eine gute Sache, stört sich aber daran, dass kein Kirchenvertreter redet.

Wäre es, so fragt Schwab in einem Schreiben an Organisator Juncker, nicht angemessen, wenn neben der ganzen Politprominenz auch ein Geistlicher in Straßburg zu Wort kommen würde? "Helmut Kohl war zeitlebens ein gläubiger Christ", schreibt Schwab, eine Würdigung durch einen Vertreter seiner Kirche erscheine da nur folgerichtig.

Die Feierlichkeiten in Straßburg sind nur der Auftakt des Gedenkens an Helmut Kohl. Danach soll der Sarg im Hubschrauber (und anschließend wohl ein Stück per Schiff) nach Speyer gebracht werden, wo im Dom die Totenmesse gehalten wird. "Damit", seufzt ein Parlamentsmitarbeiter in Brüssel erleichtert, "haben wir dann zum Glück nichts mehr zu tun."



insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
staubmantel 23.06.2017
1.
Egal, ob die EU ein Staat ist oder nicht. Man wird sich die Wahrheit so zurechtbiegen, wie man es auch sonst immer in der EU Kommission getan hat. Und ob Merkel von ihren Zettel in Deutschland oder Frankreich abliest, ist auch völlig egal. Die Rede Lammers war schon peinlich genug.
echoanswer 23.06.2017
2. Die EU-Parlamentarier ...
haben offenbar gerade noch weniger zu tun als sonst. Anders ist nicht zu erklären, dass sie wider ihres Willens eine Veranstaltung machen sollen, die nicht einmal Kohl gewollt hätte. Geschweige denn, dass er sie verdient hat. Hauptsache es kosten wieder Millionen Steuergelder. Das wird sie, allein schon für die Sicherheit.
franke2010 23.06.2017
3. macht aus Kohl keinen Heiligen, das war er nicht!!
Zitat von staubmantelEgal, ob die EU ein Staat ist oder nicht. Man wird sich die Wahrheit so zurechtbiegen, wie man es auch sonst immer in der EU Kommission getan hat. Und ob Merkel von ihren Zettel in Deutschland oder Frankreich abliest, ist auch völlig egal. Die Rede Lammers war schon peinlich genug.
Mein lieber Staubmantel, die Rede von Lammers war angemessen und deutlich, so wie es Kohl und seine Kohl-Richter es eben brauchen. Ob Frau Merkel ihre Rede in Frankreich oder Deutschland hält ist nicht egal. Sie vertritt Deutschland und auch Europa, und dies macht sie gut! Obwohl es diese Kohls es nicht wollten. Befremdlich finde ich auch, das nur die Euro-Fahne darauf liegen soll. Wenn dann sollten beide Fahnen da sein, Europa + Deutschland. Der Kohl wollte doch immer ein Deutscher in blühenden Landschaften sein. Und wenn dies der Richter-Kohl nicht passt, dann soll sie den Kohl eben alleine beerdigen. Diese ganze Diskussion mit dem Staatsakt ist eh total überflüssig. Die Kohl-Richter sollte erst mal die Verhältnisse in der eigenen Familie regeln und den Zwist beilegen. Das wäre christlich!
annibertazeh 23.06.2017
4. Auf nach Oggersheim
Da es offensichtlich so problematisch ist, den Verstorbenen unter die Erde zu bringen, sollte man die Straßburger Probleme ernst- und ein schlichtes Begräbnis in Oggersheim vor-nehmen. __ Was soll auch die Aufbahrung und die Zeremonie im Straßburger Parlament. Kohl war weder Europas Präsident, noch Europas Kanzler. Die Schifffahrt auf dem Rhein wäre damit auch obsolet.
itajuba 23.06.2017
5.
Wenn ein Sarg in einem so grossen und wichtigen Gebäude nicht durch Türen passt und um Ecken kommt, wie steht es mit der Sicherheit, z. B. bei Brandgefahr? - Ach ja, und wie schon jemand vor mir schrieb, seine Witwe soll ihn doch alleine beerdigen, wenn diese so unmenschlich und undemokratisch handelt, dass sie nicht einmal Kohls Söhne ins Haus lässt und den Willen vieler Deutschen nicht respektiert, egal, wie man zu Kohl stand, er war nun einmal Bundeskanzler.
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