Helmut Kohl Erst Trauerakt im Europaparlament - dann Begräbnis in Speyer

Merkel und Macron sowie Ex-US-Präsident Bill Clinton sollen die Redner sein: Altkanzler Kohl wird mit einem Trauerakt in Straßburg geehrt, ehe er in Speyer beigesetzt wird - und nicht im Familiengrab.

Kerzen am Haus des verstorbenen, ehemaligen Bundeskanzlers Kohl
DPA

Kerzen am Haus des verstorbenen, ehemaligen Bundeskanzlers Kohl


Bevor Helmut Kohl in Speyer seine letzte Ruhestätte findet, wird er mit einem Trauerakt im Europaparlament geehrt. Die Zeremonie werde am 1. Juli in Straßburg stattfinden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Als Redner sind demnach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorgesehen.

Auch der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und der frühere spanische Ministerpräsident Felipe González sollen dem Bericht zufolge sprechen. Beide waren politische Weggefährten Kohls während dessen Kanzlerschaft.

"Auf Wunsch der Witwe des Verstorbenen wird es keinen zusätzlichen nationalen Staatsakt geben", teilte das Bundesinnenministerium mit. Im Anschluss an den Europäischen Trauerakt werde ein staatliches Trauerzeremoniell in Deutschland stattfinden. Nach einem Requiem im Dom zu Speyer wird es ein Militärisches Abschiedszeremoniell mit Ehrenformation geben.

SPIEGEL BIOGRAFIE 3/2017

Entscheidung gegen das Familiengrab

Die Entscheidung, in Speyer und nicht im Familiengrab der Kohls beerdigt zu werden, soll der verstorbene Altkanzler bereits vor zwei Jahren gemeinsam mit seiner Frau Maike Kohl-Richter gefällt haben, berichtet die "Bild"-Zeitung, die sich auf ihren ehemaligen Chefredakteur und Kohl-Vertrauten Kai Diekmann bezieht.

Familiengrab der Kohls in Ludwigshafen
Wittek/ EPA/ REX/ Shutterstock

Familiengrab der Kohls in Ludwigshafen

Dies entspreche Kohls Wunsch, sagte Diekmann. Die grundsätzliche Entscheidung zeige seine seit der Kindheit bestehende Verbundenheit mit Speyer und dem Speyerer Dom. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Gelände des alten Friedhofs der Stadt, in direkter Nähe liegt der Konrad-Adenauer-Park.

Diekmann sagte, Kohls Grab werde auf dem eigentlich abgetrennten Gelände des Domkapitels sein, aber vom Adenauer-Park aus öffentlich zugänglich sein. Kohl war am Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen gestorben.

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vks/dpa/AFP

insgesamt 56 Beiträge
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kkd 20.06.2017
1. Tod eines Ex-Kanzlers
Posthum wird Herrn Kohl alles positive, was möglich ist, zugesprochen. Ich weiß, über Tote nichts schlechtes. Aber in diesem Falle möchte ich nicht in die konventionelle Schiene abdriften. Ich kann mich noch gut erinnern, wie sehr über Kohl geschimpft wurde, ob seines Aussitzens der politischen Probleme; wie er durch UdSSR-Präsident Gorbatschow zur deutschen Einheit gefordert wurde. Nicht er ist der Vater der deutschen Einheit - obwohl er dies gefördert hat, bis hin zu dem Versprechen der "blühenden Landschaften" und sein Ignorieren der Kosten (die Lafontain richtig bezifferte). Weiterhin ist der Stillstand unter seiner Kanzlerschaft festzustellen und nicht zuletzt sein letztlich amtsverletzendes Verhalten der Nichtbekanntgabe der damaligen Spender - zwecks Ehrenwort. Letztlich entspricht dies Verhalten nicht einem "großen" Staatsmann, der er meiner Meinung nach nicht war. Der große Staatsmann war Helmut Schmidt.
Zett 20.06.2017
2. Geschmacklos
Unsere Kanzlerin redet am beim Trauerakt vom Altkanzler , ich habe Dr. Kohl niemals als einen menschlich gewinnenden Mann empfunden und war auch politisch nicht mit ihm daccord aber so eine Taktlosigkeit (auch wenn es eine Pflichtübung ist) sollte man zu diesem Anlass vermeiden, das ist eine Aufforderung zur Heuchelei. Für die Familie ist die Beisetzung in Speyer meiner Meinung nach wohl das Passende bei diesen Mann, der wohl in Zwietracht und Vertuschung starb.
twebbs 20.06.2017
3. Traurig
Dass sich Kohl entscheidet nicht mit Hannelore in einem Grab zu liegen ist bestürzend. Er hat mit dem Bruch mit seiner kompletten Familie sehr viel Hochachtung in seiner Heimat eingebüsst. Ist das die katholisch konservative "geistig moralische Wende", welche er einst probagiert hat und der Nation aufzwingen wollte ? Scheint so.
mike.rassmann 20.06.2017
4. Machtpolitiker..nicht mehr
Helmut Kohl war so ziemlich alles und hat mehr als andere polarisiert. Aber ein großer Staatsmann war er nie. Er war zur rechten Zeit am rechten Ort. Die Wiedervereinigung hätte es auch ohne Helmut Kohl gegeben. Diese Lobdudelei und diese Heuchelei von manchen Weggefährten zeigt wie verlogen Politik sein kann und das dass Kurzzeitgedächnis bei manchen anscheinend ziemlich ausgepägt ist. Helmut Kohl hat sich an sich selbst berauscht und hat am Ende als Mensch versagt. Die wahre Größe eines Menschen abseits dessen was er tut , zeigt sich im privaten. Mehr muss man zu Helmut Kohl nicht sagen.
M. Vikings 20.06.2017
5. Gut gewählt Helmut.
Die 36jährige Bauzeit des Spyerer Doms soll wahrscheinlich die Wiedervereinigung symbolisieren. Außerdem liegt da Beatrix Barbarossa (geb. von Burgund). Sollten die Künstler bei ihrer Büste und dem Gemälde nicht all zu sehr geschummelt haben und die zeitgenössischen Quellen nicht irren, war sie ein ziemlich heißer Feger. Weiterhin liegen dort begraben: - Konrad II († 1039) - Gisela von Schwaben († 1043), Kaiserin, Gemahlin von Konrad II. - Heinrich III.(† 1056), Sohn Konrads II. - Heinrich IV. († 1106), Sohn Heinrichs III. - Bertha von Savoyen († 1087), Kaiserin, Gemahlin Kaiser Heinrich IV. - Heinrich V. († 1125), Sohn Heinrichs IV. - Agnes († 1184) Tochter von Beatrix von Burgund - Philipp von Schwaben († 1208), Sohn Friedrich Barbarossas - Rudolf von Habsburg († 1291) - Adolf von Nassau († 1298) - Albrecht von Österreich († 1308) Er ist also in bester Gesellschaft, und sein Volk flaniert auch jeden Tag an ihm vorbei, wenn auch nicht unbedingt seinetwegen. Und bevor sich jetzt jemand beschwert das ich Herrn Kohl in de Überschrift duze, ich darf das, er war schließlich 16 Jahre mein Bundes-Vater.
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