Tod von Ex-Kanzler Walter Kohl klingelt vergeblich an seinem Elternhaus

Mit dem Tod des "Kanzlers der Einheit" verschärft sich auch der Familienstreit: Der Sohn des Ex-Kanzlers hat offenbar Hausverbot im eigenen Elternhaus. Der Anwalt der Witwe wirft ihm die Inszenierung eines Eklats vor.

Walter Kohl vor seinem Elternhaus
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Walter Kohl vor seinem Elternhaus


Der älteste Sohn des gestorbenen Ex-Kanzlers Helmut Kohl hat vergeblich versucht, ins Haus seines Vaters in Ludwigshafen zu gelangen. Walter Kohl sagte, er sei von der Polizei auf ein Hausverbot hingewiesen worden. Er habe am Mittwochmittag mehrfach vergeblich an der Tür geklingelt und etwa eine halbe Stunde gewartet. Walter Kohl wurde dabei nach eigenen Angaben von zwei Enkelkindern des Altkanzlers begleitet.

Jahrelang hatten Streitigkeiten im Hause Kohl die Nachrichten bestimmt. Mit dem Besuch an dem Haus ist der Streit zwischen dem Sohn des Altkanzlers und dessen Witwe Maike Kohl-Richter nun erneut eskaliert. Der Anwalt von Maike Kohl-Richter, Stephan Holthoff-Pförtner, warf Kohls Sohn Walter vor, bewusst einen Eklat zu inszenieren.

Der langjährige Anwalt und Vertraute Kohls sagt, er habe mit Walter Kohl das Gespräch gesucht, um die Abläufe der Trauerfeierlichkeiten für den Alt-Kanzler am 1. Juli zu bereden und um zu klären, wie sich die Söhne und Enkel von Helmut Kohl verabschieden könnten. Ziel sei es gewesen, die Teilnahme der Söhne und ihrer Familien an allen Trauerzeremonien zu besprechen.

Walter Kohl im Video (vom 17. Juni): Reaktion auf den Tod des Vaters:

Walter Kohl habe eingewilligt, so der Anwalt, mit ihm am Dienstagabend darüber telefonisch zu sprechen. Zum verabredeten Zeitpunkt sei Walter Kohl dann aber nicht erreichbar gewesen - trotz mehrfacher Kontaktversuche. "Er hat sich diesem Gespräch entzogen."

Dass Walter Kohl stattdessen mit den Enkeln des Ex-Kanzlers unangemeldet vor dem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim auftauche und um Einlass bitte, sei "die gewollte und bewusste Inszenierung eines Eklats", beklagte der Anwalt. "Das sprengt den Rahmen dessen, was man tolerieren kann." Die Darstellung von Walter Kohl, dass er ferngehalten werde, sei falsch.

Der Kohl-Sohn wiederum widersprach der Version des Anwalts. Er teilte in einer Stellungnahme mit: "Der angebliche Grund für das Hausverbot, das gescheiterte Telefonat mit Herrn Holthoff-Pförtner, ist eine Lüge."

Er habe zum verabredeten Zeitpunkt "mit meiner Frau und meinem Sohn vergeblich auf den Anruf auf meinem Handy gewartet." Sein Sohn Johannes sei zuvor "extra aus China eingeflogen, um sich von seinem verstorbenen Großvater zu verabschieden", habe jedoch wie seine Schwester und Walter Kohl Hausverbot bekommen. Er sei "empört über das Verhalten von Maike. Das bestätigt aber die Erfahrungen der letzten Jahre".

SPIEGEL BIOGRAFIE 3/2017

Walter Kohl hatte am Freitag vom Tod seines Vaters nach eigenen Angaben aus dem Radio erfahren. Er sei anschließend noch am Sterbebett bei ihm im Haus gewesen.

Auch über die Gästeliste beim europäischen Staatsakt für den Ex-Kanzler gab es Streit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollte nach dem Willen der Witwe ursprünglich nicht beim Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler reden. In ersten Gesprächen mit Merkel präsentierte Kohl-Richter nach SPIEGEL-Informationen stattdessen die Idee, dass ausschließlich ausländische Gäste bei der Feier am 1. Juli in Straßburg sprechen sollten - auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán.

Bundesarchiv interessiert an Kohl-Nachlass

Neben der Familie interessiert sich auch das Bundesarchiv in Koblenz für Kohls privaten Nachlass. "Die amtlichen Unterlagen kommen laut Bundesarchivgesetz sowieso zu uns. Darauf hat die Familie keinen Einfluss", sagte Archivsprecher Tobias Herrmann. Bei den privaten Dokumenten dagegen liege die Entscheidung bei den Angehörigen. "Es wäre sinnvoll, möglichst viele von Kohls Unterlagen an einem Ort zu archivieren", sagte Herrmann aber.

"Dann müssten zum Beispiel interessierte Historiker und Journalisten nicht zu mehreren Orten fahren." Im Gespräch ist, dass sich etwa auch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung und eine mögliche künftige Helmut-Kohl-Stiftung für den Kanzler-Nachlass interessieren könnten.

Kohl war am Freitag im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben. Seine politische Karriere begann er in Rheinland-Pfalz. Von 1963 bis 1969 leitete er die CDU-Landtagsfraktion, von 1966 bis 1974 den CDU-Landesverband und von 1969 bis 1976 war er Ministerpräsident, von 1982 bis 1998 war er Bundeskanzler.

apr/dpa

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