Altkanzler-Witwe Maike Kohl-Richter "Ich gelte als Monster"

Nach dem Tod von Helmut Kohl eskalierte der Streit zwischen den Hinterbliebenen des Altkanzlers. Nun hat sich erstmals Witwe Maike Kohl-Richter in einem Interview geäußert. Ihre Vorwürfe klingen bitter.

Maike Kohl-Richter
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Maike Kohl-Richter


Das Verhältnis zwischen Helmut Kohls zweiter Frau Maike Kohl-Richter und den beiden Söhnen des Ex-Kanzlers ist zerrüttet. Nach dessen Tod eskalierte ein öffentlich ausgetragener Streit. Sohn Walter Kohl klingelte vergeblich an seinem Elternhaus in Ludwigshafen, auch wegen einer Stiftung für Kohls politischen Nachlass gibt es Ärger. Nun hat sich Alleinerbin Maike Kohl-Richter erstmals in einem Interview zu dem Familienstreit geäußert.

"Ich fühle mich wie Freiwild, das zum Abschuss freigegeben ist", sagte die 53-Jährige dem "Stern" - und beklagt sich über falsche Behauptungen und Beschimpfungen. Sie habe etliche Briefe erhalten, in denen ihr nach dem Tod ihres Mannes unaufgefordert mitgeteilt worden sei, wie sie ihr Leben zu führen habe und wie sie das Grab ihres Mannes zu gestalten habe.

In dem Gespräch griff die Witwe auch Kohls Söhne aus erster Ehe scharf an. Ihr Mann habe sehr darunter gelitten, dass Peter und Walter Kohl die Vater-Sohn-Beziehung "zum Geschäftsmodell" gemacht und den Weg in die Medien gesucht hätten. Beide waren nicht bei der Beerdigung des Vaters erschienen.

In ihrer Wahrnehmung gelte für die Söhne aber nur sie als böse, sagte Kohls zweite Frau: "Mein Mann und ich werden als maximal unversöhnlich dargestellt, und ich gelte als Monster, das die armen Kinder von Vater und Großvater fernhält." Kohl-Richter bestätigte, dass die Söhne und ihre Familien zu Kohls Lebzeiten eine Million Euro erhalten hätten, um Erbstreitigkeiten zu vermeiden.

In dem Streit über die in Kohls Privathaus in Ludwigshafen-Oggersheim lagernden Akten des Altkanzlers sieht sich Maike Kohl-Richter dem Interview zufolge im Recht. "Mein Mann hat bereits 2007 handschriftlich testamentarisch verfügt, dass ich bezüglich seines Lebenswerks seine legitime Alleinerbin und Ansprechpartnerin sein soll", zitierte der "Stern" Kohl-Richter, "ich würde mir von manchem mehr uneigennützige Unterstützung wünschen und weniger Eifersüchteleien."

Helmut Kohl mit Maike Kohl-Richter
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Helmut Kohl mit Maike Kohl-Richter

Dem von 1982 bis 1998 amtierenden Bundeskanzler sei es wichtig gewesen, "dass der Nachlass zusammenbleibt und seriös zugänglich ist". Dazu führe sie Gespräche, aber die Entscheidung etwa über eine Helmut-Kohl-Stiftung müsse in Ruhe getroffen werden. Das Bundesarchiv in Koblenz hatte bereits kurz nach dem Tod Kohls in einem Brief an dessen Witwe die Herausgabe der Akten erbeten, um diese der Forschung zugänglich zu machen.

Video: Helmut Kohl - Das Interview (Teil 1)

dbate

apr/AFP

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