Gesundheitliche Probleme Helmut Schmidt war als Kanzler fast hundertmal bewusstlos

In seiner Amtszeit hätte dieses Bekenntnis ein politisches Erdbeben ausgelöst: Helmut Schmidt hat zugegeben, als Bundeskanzler etliche Male das Bewusstsein verloren zu haben.

Bundeskanzler Helmut Schmidt 1976 (hier mit Außenminister Genscher): "Politische Pflicht   tun"
AP

Bundeskanzler Helmut Schmidt 1976 (hier mit Außenminister Genscher): "Politische Pflicht tun"


Hamburg - Er steuerte die Bonner Republik durch den "Deutschen Herbst" des RAF-Terrorismus im Jahr 1977, nahm es in der Debatte um die Nato-Nachrüstung mit der eigenen Partei und den Grünen auf, dazu kam der Dauerkonflikt mit dem Wirtschaftsflügel der FDP: Unter den deutschen Kanzlern genoss keiner so sehr den Ruf von Disziplin und Durchsetzungsfähigkeit wie Helmut Schmidt.

Jetzt wird bekannt: Der SPD-Politiker, von 1974 bis 1982 im Amt, hat mit schweren gesundheitlichen Problemen regiert. Er sei vermutlich annähernd hundertmal bewusstlos geworden, manchmal auch nur sekundenweise, sagte Schmidt laut einer Pressemitteilung am Freitag in Hamburg auf einer Konferenz der "Zeit". Das habe ihn aber nicht davon abgehalten, seine "politische Pflicht zu tun". Inzwischen habe er seinen fünften Herzschrittmacher, sagte der 95-Jährige, und der sei "viel brauchbarer" als der erste.

Auf der Konferenz zum Gesundheitsstandort Deutschland räumte Schmidt ein, dass er schon mit 50 Jahren gemerkt habe, dass ihm das Leben als Politiker zusetze. "Ich bin nie ganz gesund gewesen." Die Deutschen seien weniger neugierig als die US-Bürger, wenn es um die Gesundheit ihrer Politiker gehe. "Wir wissen nicht, wie gesund die letzten Bundeskanzler waren oder wie gesund Frau Merkel ist. Und es interessiert uns auch nicht."

sha/AFP/dpa



insgesamt 65 Beiträge
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genugistgenug 29.11.2014
1. stimmte damals
....In seiner Amtszeit hätte dieses Bekenntnis ein politisches Erdbeben ausgelöst..... das stimmte damals sicher, als die Politiker noch etwas bewegten, für die Bürger und nicht für die eigene Vollstversorgung und vor allem auch ein eigenes Profil hatten. Doch heute wären vermutlich viele darüber froh, nach dem Motto 'bewusstlos? Dann können sie in dieser Zeit wenigstens keinen Mist bauen und die Bürger abzocken'.
danielc. 29.11.2014
2. Es kommt auf die geistige Verfassung an
Wenn die Deutschen sich weniger für die physische Gesundheit interessieren hat das wohl weniger mit Desinteresse als mit der Wahrnehmung als Funktionsträger zu tun. Der Körper ist Privatsache, ähnlich wie die Familie oder Religion. Solange ein Amtsträger seine Funktion erfüllt ist alles gut. Geistige Aussetzer stellen da schon eher ein Problem dar. Schliesslich läuft der Kanzler nicht mit dem Schwert in der Hand voraus.
lalito 29.11.2014
3. Keine Panik ist immer gerechtfertigt aber oft schwierig
Immerhin war der gute Herr Schmidt mehr bei als ohne Bewusstsein. Gewisse Kollegen und Kolleginnen scheinen mir gelegentlich mehr ohne als bei. Offenbar hat das Selbstbewusstsein, wie auch der unterkühlte hanseatische Humor, bei Helmut Schmidt nicht gelitten.
crazy_swayze 29.11.2014
4. Gefährlich
Hier hätte jemand die Reißleine ziehen müssen, wenn nicht er selbst, dann seine Angehörigen, seine Kollegen oder auch zuletzt der Wähler. Die Gesundheit geht vor. Aber auch: Man stelle sich vor es kommt zu einem Verteidigungsfall und der Bundeskanzler ist bewusstlos. Nein sowas geht nicht.
zylmann 29.11.2014
5. Na und?
wo bitte lag das Problem? Wahrscheinlich Synkopen und die treffen viele Menschen. Dafür gibt es Cardiologen . Übrig bleibt nur ein Kopfschütteln des Kommentartors.
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