Schmidt-Zitate "Willen braucht man. Und Zigaretten"

Sein Redetalent brachte Helmut Schmidt einst den Namen "Schmidt-Schnauze" ein. Der Kanzler, Elder Statesman und Ehemann in Zitaten.


"Ich war als Schüler relativ faul. Was mich nicht interessiert hat, habe ich nur flüchtig gemacht. (...) Meine Frau und ich waren ja in derselben Klasse; wir hatten eine ähnliche Handschrift, und es ist vorgekommen, dass Loki meine Hausaufgaben in mein Heft geschrieben hat, zum Beispiel in Mathematik, da war sie besser." (In der "Zeit", 2008)

"Sie haben einem uralten Mann zugehört. Sie müssen ihn nicht unbedingt ernst nehmen." (Schmidt in Brandenburg bei seinem einzigen großen Auftritt im SPD-Bundestagswahlkampf 2013)

"Im Juni 1944 brachte Loki einen Sohn zur Welt, der nach acht Monaten an Gehirnhautentzündung starb. Der Feldpostbrief, in dem Loki mir vom Tod des Kindes berichtete, war verloren gegangen. Erst aus einem späteren Brief zog ich die Schlussfolgerung, dass der Junge gestorben sein musste. Es war ein schrecklicher Moment." (Schmidt zum Tod des Sohnes - er war zu dem Zeitpunkt an der Front)

"Für Loki und mich war klar: Im Falle einer Entführung lassen wir uns nicht austauschen." (Schmidt zur Gefahr, von RAF-Terroristen entführt zu werden - eine entsprechende Anweisung ließ er dem Kanzleramt übermitteln)

"Vor zehn Jahren wäre keiner auf die Idee gekommen, dem Vorstandsvorsitzenden von VW 15 Millionen Euro Gehalt zu zahlen." (Schmidt 2015 zur Steigerung der Gehälter für Unternehmenschefs)

"In unserer 68 Jahre währenden Ehe hat es ein einziges Mal etwas gegeben, was ein Außenstehender eine Krise nennen könnte. Ich hatte eine Beziehung zu einer anderen Frau." (Schmidt 2015 zu seiner Affäre Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre - er musste Loki von einer Trennung abbringen)

"Die Heutigen wissen alles viel besser." (Schmidt zu Belehrungen wegen der Rolle als Soldat in der NS-Zeit)

"Der liebe Gott hat mich als Arbeitstier geboren." (Im November 2010 in "Bild")

"Ich möchte Kohl zugutehalten, dass er im Grunde ein anständiger Politiker gewesen ist." (Schmidt 2015 zu Helmut Kohls Leistungen bei der Deutschen Einheit - er warnte davor, die CDU-Spendenaffäre überzubewerten)

"Wohl aber ist mir sehr klar bewusst, dass ich - trotz aller redlichen Bemühungen - am Tode Hanns Martin Schleyers mitschuldig bin. Denn theoretisch hätten wir auf das Austauschangebot der RAF eingehen können." (Bei der Verleihung des Hanns-Martin-Schleyer-Preises an Schmidt im April 2013 in Stuttgart)

"Zum einen der Tod meiner Frau. Zum anderen - viele Jahrzehnte davor - mein Besuch in Auschwitz. Und drittens die monatelange Kette von mörderischen Ereignissen, die mit Hanns Martin Schleyers Namen verbunden bleibt." (Schmidt im April 2013 über seine erschütterndsten Erlebnisse)

"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." (Im "Spiegel" über Willy Brandts Visionen im Bundestagswahlkampf, 1980)

"Politiker und Journalisten. Das sind beides Kategorien von Menschen, denen gegenüber größte Vorsicht geboten ist: Denn beide reichen vom Beinahe-Staatsmann zu Beinahe-Verbrechern. Und der Durchschnitt bleibt Durchschnitt." (In einer Rede vor Studenten in Freiburg, 1995)

"Mir scheint, dass das deutsche Volk - zugespitzt - fünf Prozent Preisanstieg eher vertragen kann als fünf Prozent Arbeitslosigkeit." (In der "Süddeutschen Zeitung", 1972)

"Sich vorzustellen, dass Deutschland in der Weltpolitik eine Rolle zu spielen habe, finde ich ziemlich abwegig." (Zum Streben nach einem Ständigen Sitz für Deutschland im Uno-Sicherheitsrat, 2004)

"Die heutige politische Klasse in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein Übermaß an Karrierestreben und Wichtigtuerei und durch ein Übermaß an Geilheit, in Talkshows aufzutreten." (In Berlin, 1994)

"Der Köhler, wenn er Bundespräsident wird, hat allein mehr ökonomischen Verstand als die ganze deutsche politische Klasse zusammen." (In der "Zeit" über Horst Köhler, 2004)

"Willen braucht man. Und Zigaretten." (In der ARD auf die Frage von Sandra Maischberger, wie er sein Arbeitspensum schafft, 2007)

"Das gegenwärtig zur Verfügung stehende Personal ist nicht sonderlich geeignet, gemeinsam zu regieren, weil beide Seiten nicht ausreichend wissen, was sie eigentlich wollen." (In der "Zeit" zur Frage einer großen Koalition aus Union und SPD, 2005)

"Ich mache weiter, bis der liebe Gott sagt: Jetzt ist Schluss!" (In einer Rede zu seinem 79. Geburtstag, 1997)

amz

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mitch72 10.11.2015
1. So gehen sie alle dahin
Es ist schade mit ansehen zu müssen, wie die gesamte politische Klasse - die noch Anstand und Können besitzt - geht.
DjiboutiJohn 10.11.2015
2.
"Politiker und Journalisten. Das sind beides Kategorien von Menschen, denen gegenüber größte Vorsicht geboten ist: Denn beide reichen vom Beinahe-Staatsmann zu Beinahe-Verbrechern. Und der Durchschnitt bleibt Durchschnitt." Weise Worte aus dem Jahr 1995. Aber heute nicht mehr zur Gänze gültig, denn die Beinahe-Staatsmänner sind auf der Reise durch die Zeit irgendwo verschütt gegangen.
neuropandemie 10.11.2015
3. Diese Ansichten..
..,ausgenommen die persönlichen, sollten sich a l l e verantwortlichen Politiker, "Bosse" und Gewerkschaftsführer hinter, vor, unter und über das Bett hängen! Was von ihm bleibt war heute vielfach die Frage.. Dazu gibt es eine einfache Antwort: Haltung! Hut ab Herr Schmidt, ich danke ihnen - als Mensch, als Demokrat, als deutscher und als Europäer..
deglaboy 10.11.2015
4. Der beste Kanzler...
den wir hatten. Danach wurde es nur noch schlechter. Und er hatte Mut und beugte sich nicht den Gutmenschen und Gesinnungsfaschisten, die alle die nicht ihrer Meinung sind moralisch abwerten oder gleich als Rechte und Nazis brandmarken. Ich erwarte, dass er nun zum Schutzheiligen der Raucher ernannt wird.
123mayer 10.11.2015
5. Einer
der Letzten Politiker mit Anstand und Weitsicht. Danke Helmut Schmidt
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.