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Akten des Auswärtigen Amts: Helmut Schmidts Regierung schonte argentinische Junta

Helmut Schmidt (1974): Rolle der Bundesregierung bis heute nicht aufgearbeitet Zur Großansicht
AP

Helmut Schmidt (1974): Rolle der Bundesregierung bis heute nicht aufgearbeitet

Rund 30.000 Menschen hat die argentinische Militärjunta 1976 bis 1983 ermordet, darunter zahlreiche Deutsche. Der SPIEGEL hat nun Akten des Auswärtigen Amts ausgewertet: Demnach wusste die Bundesregierung früh von den Gräueln - und schwieg.

Hamburg - Die Bundesregierung unter Helmut Schmidt sympathisierte mit der argentinischen Militärdiktatur. Das geht aus Unterlagen hervor, die der SPIEGEL einsehen konnte. Demnach erklärte der damalige Botschafter in Buenos Aires, Jörg Kastl, die Machtübernahme der Militärs sei der "einzig gangbare Weg". Der für Lateinamerika zuständige Abteilungsleiter aus dem Auswärtigen Amt (AA) schrieb, Bonn sei "am Bestand der Regierung Videla interessiert".

Staatsminister Karl Mörsch (FDP) berichtete nach einem Besuch in Buenos Aires, die Militärs seien ganz sicher "keine zynischen Diktatoren". Tatsächlich ermordete die Junta von 1976 bis 1983 rund 30.000 Menschen, darunter 74 Deutsche und Deutschstämmige.

Eine Aufarbeitung der Rolle der Bundesrepublik ist allerdings bisher unterblieben. Immerhin hat das Auswärtige Amt einen Großteil seiner Akten nun freigegeben; der SPIEGEL hat sie gesichtet. Die Auswertung der Akten wirft die Frage auf, ob die Bundesregierung entschieden genug gegen das Morden vorging.

"Wo sind die Leichen, wo sind die Gräber?"

Während Schmidt öffentlich erklärte, die Beachtung der Menschenrechte und der Schutz der Deutschen in Argentinien sei "ein vordringliches Anliegen", galt intern die Devise von Abteilungsleiter Karl-Alexander Hampe: "Unser Einsatz in der Menschenrechtsfrage sollte nicht so weit gehen, dass er zu einer entscheidenden und nachhaltigen Beeinträchtigung des deutsch-argentinischen Verhältnisses führte."

Die Junta wollte keine Spuren hinterlassen und warf ihre Opfer aus Flugzeugen in den Rio de la Plata oder ins Meer. Offiziell räumte sie erst 1983 ein, dass die "Verschwundenen" tot seien. Die Bundesregierung war jedoch spätestens seit 1980 informiert. Ein Junta-Mitglied erklärte gegenüber einem deutschen Diplomaten laut einem Vermerk: "Natürlich seien die Verschwundenen nicht mehr vorhanden, er könne aber auch nicht behaupten, dass sie getötet seien, denn die nächste Frage würde dann lauten: 'Wo sind die Leichen, wo sind die Gräber?'"

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