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Nach Attentat auf Kölner Politikerin: Reker nimmt Wahl zur Oberbürgermeisterin an

Henriette Reker wenige Wochen vor dem Attentat: Auf dem Weg der Besserung Zur Großansicht
DPA

Henriette Reker wenige Wochen vor dem Attentat: Auf dem Weg der Besserung

Nach einer Messerattacke und künstlichem Koma ist Henriette Reker auf dem Weg der Besserung. Die Kölner Politikerin hat nun offiziell den OB-Posten angenommen, auf den sie am Sonntag gewählt worden war. Noch liegt sie aber im Krankenhaus.

Henriette Reker ist als neue Kölner Oberbürgermeisterin im Amt. Die bei einem Attentat schwer verletzte Politikerin nahm die Wahl an, wie die Stadt erklärte. Demnach unterschrieb sie am Donnerstag die Annahmeerklärung. Sie liegt allerdings nach wie vor im Krankenhaus.

Die Stadt teilte mit, Reker sei auf dem Weg der Besserung. Sie war am Samstag, einen Tag vor der Wahl, von dem 44-jährigen Frank S. bei einer Wahlkampfveranstaltung mit einem Messer attackiert und schwer verletzt worden. Die Ärzte hatten sie zwischenzeitlich in ein künstliches Koma versetzt.

Reker hatte bei der Kölner Oberbürgermeister-Entscheidung 52,7 Prozent der Stimmen und damit die im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Die 58-Jährige tritt die Nachfolge des bisherigen Kölner OB Jürgen Roters (SPD) an.

Ihre Aufgaben werden jedoch vorübergehend von anderen übernommen: Fünf Politiker werden sie bis zu ihrer Genesung vertreten. Stadtdirektor Guido Kahlen übernimmt als allgemeiner Vertreter des Kölner Oberbürgermeisters die Verwaltungsführung.

Gegen den mutmaßlichen Täter Frank S. ermittelt inzwischen die Bundesanwaltschaft. Er sitzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Er habe aus "fremdenfeindlichen Motiven" gehandelt, sagen Ermittler. Frank S. habe die Kölner Sozialdezernentin und Lokalpolitikerin für Versäumnisse in der Flüchtlingspolitik verantwortlich gemacht.

Video: Augenzeugen beschreiben die Messerattacke auf Reker

REUTERS

vks/dpa/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
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1. Spannendes politisches Experiment
kael 22.10.2015
Wird Oberbürgermeisterin Reker dern Kölner Parteienfilz beenden? Man darf getrost davon auszugehen, dass der große Wahlsieg (die peinliche Wahlbeteiligung will ich schamhaft verschweigen) einer zuvor unbekannten Kandidatin vor allem wegen ihrer stets betonten parteilichen Unabhängigkeit erzielt wurde. Frau Reker ist kein Parteimitglied. Und die Kölner sind den ewigen Parteienfilz und Parteienklüngel in ihrer Stadt mehr als leid. Das wurde am Sonntag auch dem braven SPD-Mann Ott klar gemacht. Aber wird sie auch als Oberbürgermeisterin ihre Unabhängigkeit bewahren können? Denn als gemeinsame Kandidatin von CDU, Grünen und FDP und Wahlsiegerin ist sie diesen Parteien politisch verpflichtet. Die interessante Frage lautet also: Wie weitgehend wird sich die künftige Oberbürgermeisterin Reker parteipolitisch vereinnahmen lassen? Und von wem? Es ist beispielsweise hinlänglich bekannt, dass insbesondere CDU und Grüne erheblich voneinander divergierende politische Ansichten vertreten. Wie wird sie diese unter einen Hut bringen? Oder ist sie wirklich unabhängig und stark genug, ihren eigenen Weg zu gehen und notfalls auch gegen die Parteien zu regieren? Die Unterstützung der Kölner hätte sie ganz bestimmt. So gesehen halte ich Frau Reker für eine spannende Alternative zu allen bisherigen Oberbürgermeistern in Köln und für ein politisches Experiment, dessen Ausgang aber offen ist.
2. Respekt
santoku03 22.10.2015
Respekt für Frau Reker und alle anderen Personen des öffentlichen Lebens, die sich vom Mob nicht einschüchtern lassen. Es muss im übrigen nicht wundern, dass unter entsprechenden Umständen auch der ganz normale Bürger bereit ist, die übelsten Verbrechen zu begehen. Das sollten wir doch bereits aus 1933-1945 gelernt haben. Man muss eigentlich den besorgten Bürger mehr fürchten als den in der Wolle gefärbten Nazi, den der hat ohne den besorgten Bürger keine Chance.
3. gut so - parteilos ist die Zukunft
auf_dem_Holzweg? 22.10.2015
Wünschen wir Ihr viel Erfolg und hoffen dass sie es bis zum Kanzleramt schafft! Denn unsere Standard-Parteien CDU und SPD zeigen besonders in den letzten Jahren unter Merkel-Herrschaft was genau Versagen ist. Bestes Beispiel ist Merkels Solo-Nummer in Sachen Flüchtlinge. Mittlerweile werden in Deutschland nicht nur Ausländer, sondern auch Politiker tätlich angegriffen. Das ist eine Schande, aber leider durch die welt- und volksfremde Politik selbst verschuldet. Es wird Zeit für eine Wandel, anders ist in dieser Lage auf jeden Fall besser als der aktuelle Zustand.
4.
Neulandbewohner 22.10.2015
meinen größten Respekt an Frau Reker. Es wäre allzu verständlich gewesen, wenn sie sich nach diesem Mordversuch zurückgezogen hätte. So aber setzt sie ein Zeichen gegen den braunen Mob und ermutigt alle ehrenamtlichen Helfer, Bürgermeister und Lokalpolitiker, die sich für ein menschliches Miteinander zwischen Deutschen und Flüchtlingen einsetzen!
5. So ein unbeschriebenes Blatt
erizodom 22.10.2015
ist die Frau "Sozial"-Dezernentin auch nicht. Und auch sehr gut eingebunden in den Runden der Stadt. Nicht umsonst wurde sie von CDU, Grünen, FDP und den freien Wählern unterstützt. Leider fiel mein letzter Beitrag über die von mir bei der Staatsanwaltschaft Köln erstattetete Anzeige wegen des Verdachts der Untreue gegen Reker, Roters und unbekannt in Bezug auf die skandalösen, teilweise jahrelangen Anmietungen für tausende Euro pro Zimmer und Monat für die Flüchtlinge (siehe auch: http://www.spiegel.de/video/lohnende-geschaefte-abzocke-mit-fluechtlingshotels-video-1616181.html) wohl dem Spiegel-Zensor zum Opfer. Und natürlich rechtfertigt der Verdacht der Untreue keinen Anschlag auf Frau Reker. Nur die heilige Henriette ist sie halt auch nicht!
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