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RAF-Anschlag auf Deutsche-Bank-Chef: ARD-Film präsentiert neue Theorie zum Herrhausen-Mord

Herrhausen-Attentat: Tod in der Lichtschranke Fotos
DPA

Die RAF bekannte sich vor 25 Jahren zum Attentat auf Alfred Herrhausen. Doch woher kam die Spezialbombe, die den Bankier tötete? Eine Fernseh-Dokumentation hat die Antwort womöglich gefunden.

Hamburg - Am 30. November 1989 steigt Alfred Herrhausen, der mächtige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, pünktlich gegen 8.30 Uhr in seinen Dienst-Mercedes. Sein Chauffeur soll ihn, wie gewohnt, von seiner Privatwohnung in Bad Homburg zu seinem Büro in Frankfurt am Main bringen. Doch die Fahrt dauert nur wenige Minuten. Dann ist Herrhausen, einer der bestgeschützten Männer Deutschlands, tot.

Eine gewaltige Explosion zerreißt um 8.34 Uhr die Morgenruhe im Frankfurter Nobelvorort. Die Bombe detoniert genau neben Herrhausens gepanzerter Limousine - ausgelöst durch eine Lichtschranke.

An der Urheberschaft der RAF gab es kaum Zweifel. Zwei Tage nach dem Anschlag veröffentlichte ein "Kommando Wolfgang Beer" ein Bekennerschreiben im RAF-Duktus. Es verströmte einen abgrundtiefen Hass auf das "System" und versuchte zynisch, den kaltblütigen Mord als Akt der Befreiung zu legitimieren.

Die Fahndung nach den Tätern begann mit Hochdruck - die Ermittler sollten auf viele Widersprüche und unglaubwürdige Zeugen stoßen. Sie machen den Mord bis heute zu einem der rätselhaftesten Attentate der bundesdeutschen Geschichte.

Tödliche Splitter

Am Montagabend präsentiert nun die ARD (23.30 Uhr) in einer Dokumentation eine neue Theorie über die Herkunft der Bombe. Der Autor Egmont Koch verfolgt dabei die Herkunft des Sprengsatzes. Denn allein schon die technische Präzision des Attentats war ungewöhnlich, die Bombe höchst raffiniert. Sie war konstruiert wie eine panzerbrechende Mine, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag. Die Bombe bestand demnach aus sieben Kilogramm TNT-Sprengstoff und einer gewölbten Kupferplatte. Weiter heißt es dort, durch die Explosion habe sich die Platte zu einem großen Projektil verformt, das den Wagen mit unvorstellbarer Wucht durchschlug. Herrhausen starb durch Splitter der gepanzerten Tür.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die RAF bei ihren Anschlägen wesentlich weniger komplexe Waffen benutzt. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Fraunhofer-Institut EMI und einem ehemaligen CIA-Agenten im Nahen Osten erstellte Koch nun eine neue Theorie. Demnach gibt es einen Zusammenhang mit dem Libanon.

Nur acht Tage vor dem Attentat auf Herrhausen starb der damalige libanesische Präsident René Moawad auf ähnliche Weise - laut Koch war er das erste Opfer dieser damals noch neuen Terrorwaffe.

Die ARD teilte vor Ausstrahlung der Dokumentation mit, dass der frühere CIA-Agent Robert Baer die zeitliche Nähe beider Attentate nicht für einen Zufall hält. Er ist demnach davon überzeugt, dass es eine logistische Allianz hinter der RAF gab, die ihr bei der Planung des Herrhausen-Attentats half.

Verbindungen der RAF in den Nahen Osten sind lange bekannt. Die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) hatte sich mit den deutschen Linksterroristen, der nordirischen IRA und anderen kleinen terroristischen Gruppen verbündet.

ler

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1. Was ändert sich den?
kabian 29.11.2014
Ich höre zum ersten mal das bei diesem Anschlag eine selbstgebaute "Hohlladung" verwendet wurde. Das die Terroristen im Nahen Osten ausgebildet wurden war schon immer bekannt. Ich weiß jetzt nicht was die Art der Bombe an dem Attentat ändert.
2. Hintergrundwissen/Faktenlage erweitert -- das ist schon was.
UCL 29.11.2014
Und was sich 'ändert', wird abzuwarten sein, ist Prüfungen, Auswertungen und Interpretationen dann vorbehalten. Sorgfältig zu recherchieren (ohne Verjährung) ist immer bei Mord/Totschlag/Vergewaltigung aus meiner Sicht sinnvoll und angezeigt. Da wäre Lockerbie. Auch hier ist längst nicht alles auf dem Tisch. Auch hier wurde die BBC und andere wiederholt gefragt und anklagend einer unnötigen Ressourcenverschwendung bezichtigt. Das war sehr voreilig. Wie sich u.a. im letzten Jahr noch zeigte und nunmehr nachvollziehen lässt, daß noch Aufklärung zu leisten ist -- allein der Opfer und ihrer Angehörigen wegen. Aber um bei der RAF zu bleiben : ist der Treuhandchef D.C. Rohwedder tatsächlich in einer Action-Game-Killer-Wise durch ein winziges Fenster mit nur einem kaum technisch nachvollziehbaren Schuß auf einer irren Entfernung erschossen worden von einem RAF-Spinner ? Kaum zu glauben. War doch in allen sog. RAF-Generationen das 'Fanal', die 'Vernichtung' und die brutalst mögliche Großwirkung immer ein Hauptaspekt ... die Gegebenheiten dort vor Ort in D'dorf muss man sich mal anschauen, das alles vor dem Hintergrund der anderen irren Aktionen der RAF mal gelassen distanziert betrachten, falls möglich. Da kommen dann schon ein paar kleine Zweifel an Nano-Spuren auf einem Handtuch im feuchtnassen Schrebergartendreck inmitten frischgemähter Rasenflächen und vergammelnder Obstreste und fröhlich aktiven Insekten auf. Und ja doch, die RAF hatte ja auch Hunderte extrem gut ausgebildeter Scharfschützen ... Präzisionsschüsse ein m.O. der RAF ? Soll heissen : gut so, daß recherchiert wird, wo Fragen sich ergeben, wo neue Aspekte die Faktenlage erstmal nur erweitern. Wer weiß, ob wir nicht auch doch irgendwann einmal endlich erfahren, wie es Buback wirklich war ? Ein Anrecht darauf hat nicht nur Buback jun. und seine Familie.
3.
kdshp 29.11.2014
Zitat von kabianIch höre zum ersten mal das bei diesem Anschlag eine selbstgebaute "Hohlladung" verwendet wurde. Das die Terroristen im Nahen Osten ausgebildet wurden war schon immer bekannt. Ich weiß jetzt nicht was die Art der Bombe an dem Attentat ändert.
List sich für mich als wenn man da eine "Verschwörungstheorie" in den raum stellen will. Sinn würde der artikel machen wenn zb. die bombe auf zb. die USA hinweisen würden oder ein anderes land was damals "interesse" daran hatte was politisch in deutschland so passiert oder passieren soll.
4. RAF muss neu bewertet werden
Untertan 2.0 29.11.2014
---Zitat--- Es verströmte einen abgrundtiefen Hass auf das "System" und versuchte zynisch, den kaltblütigen Mord als Akt der Befreiung zu legitimieren. ---Zitatende--- Nun, wenn man sich die Welt heute anguckt, muss man leider sagen, die RAF hatte recht. Bankster und Geheimdienste bestimmen die Politik, von Demokratie und Freiheit bleiben nur leere Hüllen.
5. Und was soll daran neu sein?
kerdos 29.11.2014
Das sie auf die Fernsehsendung aufmerksam machen wollen ist ok. Aber die Behauptung, es handle sich um"eine neue Theorie zur Herkunft der Bombe" finde ich befremdlich. Halten sie den damaligen Verfassungsschutz und das damalige Bundeskriminalamt für so blöd?
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