Terror-Ermittlungen in Hessen Die Bombenpläne von Oberursel

Eine Rohrbombe, Chemikalien, Waffenteile und Munition - was die Polizei bei einem Paar im hessischen Oberursel fand, weist auf die Vorbereitung eines Terroranschlags hin. Die Verdächtigen hatten möglicherweise ein Radrennen im Taunus im Visier.

DPA

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Halil D. und seine Frau Senay schweigen vorerst, seitdem sie in der Nacht zu Donnerstag festgenommen wurden. Aber das, was Spezialkräfte der Polizei in der Oberurseler Wohnung und im Keller des Paares fanden, gibt Anlass für unbequeme Fragen an den 35-Jährigen und seine 34-jährige Frau.

Sicherheitskräfte entdeckten eine funktionsfähige Rohrbombe, dazu unter anderem Bauteile eines Sturmgewehres G3, 100 Schuss Munition vom Kaliber neun Millimeter, ein Übungsgeschoss für eine Panzerfaust, drei Flaschen mit Wasserstoffperoxid, Brennspiritus. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurden auch "Schriften mit Bezug zum konservativen Islam" gefunden - dazu machten die Sicherheitsbehörden am Donnerstag keine Angaben. Auf einer Pressekonferenz sagten sie jedoch, dass die Funde eindeutig darauf hindeuteten, "dass das Geschehen dem islamistisch-extremistischen Spektrum zuzuordnen ist".

Hessens Innenminister Peter Beuth hatte sich zuvor erleichtert geäußert: Die Behörden seines Bundeslandes hätten mit den Festnahmen vermutlich einen Anschlag verhindert, sagte der CDU-Politiker in Wiesbaden. Die Durchsuchung der Wohnung habe ergeben, dass Pläne dafür existiert hätten, so Beuth. Es gebe den Verdacht eines salafistischen Hintergrunds. Dem Zugriff in der vergangenen Nacht seien wochenlange Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft vorausgegangen. Weitere Details wollte Beuth nicht nennen.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft von einer rein präventiven Polizeiaktion gesprochen. "Wir haben von einem konkreten Anschlag nichts gewusst", sagte Stefan Rojczyk, stellvertretender Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, der Nachrichtenagentur dpa.

Beuths Äußerungen passen zu Spekulationen, dass das Paar möglicherweise das für Freitag geplante Radrennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" für ein Attentat im Visier hatte: Halil D. soll wiederholt Parkplätze entlang der Strecke aufgesucht haben. Bislang ist aber noch nicht klar, ob es konkrete Pläne gegen das Rennen gab. Allerdings hatte er sich nach Angaben der Staatsanwalt in den vergangenen Tagen vermehrt entlang der Rennstrecke im Taunus aufgehalten. Das Rennen ist mittlerweile abgesagt worden.

Halil D. soll Kontakte zu al-Qaida haben

Der Verdächtige Halil D. ist bereits in der Vergangenheit auffällig geworden: Polizeipräsident Stefan Müller sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag von Körperverletzung, Bedrohung sowie Verstoß gegen das Waffengesetz.

Halil D. soll zudem mittelbar Kontakte zu dem ebenfalls aus Hessen stammenden Adem Y. gehabt haben, einem der Mitverschwörer der sogenanntenSauerland-Gruppe. Die "Welt" berichtete, Halil D. habe nach Erkenntnissen der Ermittler auch Kontakte zum Terrornetzwerk al-Qaida unterhalten.

Zuletzt gerieten Fahnder dem Paar auf die Spur, weil es Ende März in einem Frankfurter Baumarkt unter falschen Namen einen ungewöhnlichen Einkauf tätigte: drei Liter Wasserstoffperoxid - eine große Menge einer Chemikalie, die zum Bau von Bomben verwendet werden kann. Der Kauf von Wasserstoffperoxid ab einer bestimmten Menge ist meldepflichtig. Der Baumarkt habe die Polizei informiert, teilte die Frankfurter Staatsanwaltschaft mit.

Auch die 2007 aufgeflogene Sauerland-Gruppe hatte diesen Stoff gelagert. Die beiden Festgenommenen hätten die große Menge an Wasserstoffperoxid damit begründet, dass sie einen Gartenteich reinigen wollten, hieß es am Donnerstag.

Die Behörden hätten auch wegen des bevorstehenden Feiertags schnell gehandelt, sagte Stefan Rojczyk am Donnerstag: In der Region seien zahlreiche Veranstaltungen mit viel Publikum geplant. Besonders viele Zuschauer werden zum Radsport-Klassiker erwartet.

Die beiden Verdächtigen, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, sollten noch am Donnerstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Der Vorwurf gegen das Paar: "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat" und "Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechens". Der Generalbundesanwalt prüft, ob er das Verfahren an sich zieht.


Zusammengefasst: In Oberursel in Hessen nahm die Polizei ein verdächtiges Paar fest. In seiner Wohnung wurden eine funktionsfähige Rohrbombe und Waffenteile sowie Munition entdeckt. Möglicherweise planten die Festgenommenen, die Verbindungen zur sogenannten Sauerland-Gruppe haben sollen, einen Anschlag auf ein Radrennen.


Video zum möglicherweise vereitelten Anschlag

srö/hen/jdl/dpa/Reuters



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insgesamt 148 Beiträge
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Seite 1
El_Matador 30.04.2015
1.
Und wieder eine Vorlage für unsere Regierung uns zum gläsernen Menschen zu machen. DiMisere wird die VDS vorantreiben, egal obs 80Mio Menschen nicht wollen. So eine untragbare Witzfigur
hasenfuss27 30.04.2015
2.
[QUOTE]Der Kauf von Wasserstoffperoxid in einer bestimmten Menge ist meldepflichtig. Der Baumarkt habe die Polizei informiert, so die Frankfurter Staatsanwaltschaft.[QUOTE] Glückwunsch, leibe Staatsanwaltschaft - jetzt weiß auch der letzte Blödmann, dass er das Zeug lieber in zwanzig kleinen Häppchen kaufen sollte...
Stäffelesrutscher 30.04.2015
3.
Ich bin verblüfft - staatliche Organe sind in der Lage, Attentate zu verhindern! Beim NSU war das bekanntlich ein Jahrzehnt lang nicht möglich, obwohl die einschlägigen Dienste nebenan und mittendrin waren. Liegt das vielleicht an der politischen Ausrichtung?
stefan.p1 30.04.2015
4. ein Schelm
der da einen Zusammenhang zwischen der gerade aufgedeckten Zusammenarbeit zwischen NSA und BND sieht. 1. es lenkt die Aufmerksamkeit von Muttis Liebling DeM. ab und 2, wird es wieder heißen , ohne die gute Zusammenarbeit mit den Amis wären wir nie so erfolgreich bei der Terrorbekämpfung. Wers glaubt.... Fakt ist,wenn Deutschland weiter eine so geniale Außenpolitik betreibt wie zur Zeit werden wir bald die echten,ernsthaften Terroristen im Land haben und dann hilft uns weder die NSA noch der BND.
Inuk 30.04.2015
5.
Offensichtlich haben die Behörden eine monatelange Überwachung erfolgreich zu einem guten Ende gebracht. Wieder zwei verblendete Terroristen hinter Gitter, und das ist gut so. Gut gemacht!
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