SPON-Umfrage in Hessen Keine Mehrheit für Schwarz-Grün

Rund zwei Monate vor der Hessen-Wahl zeigt eine Umfrage für SPIEGEL ONLINE: Die Landesregierung aus CDU und Grünen hat gegenwärtig keine Mehrheit - und die AfD punktet besonders bei Arbeitern und Beamten.

Tarek Al-Wazir (Grüne) und Volker Bouffier (CDU)
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Tarek Al-Wazir (Grüne) und Volker Bouffier (CDU)


Am 28. Oktober haben die Hessen die Wahl. Dann wird der neue Landtag gewählt. Das Flächenland war bundesweit das erste, in dem CDU und Grüne eine gemeinsame Koalition bildeten. Das war 2014. Nun, vier Jahre später, will Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wiedergewählt werden.

Eine aktuelle Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE und die "Hessische Niedersächsische Allgemeine" (HNA) zeigt: Der 66-Jährige Politiker erreicht mit seinem CDU-Landesverband unangefochten den ersten Platz (31,1 Prozent). Bei der Landtagswahl 2013 kam die CDU allerdings noch auf 38,3 Prozent.

Auf den zweiten Platz kommt mit 23,9 Prozent sein Herausforderer von der SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel. Er tritt bereits zum dritten Mal bei der Wahl an. Bei der Wahl 2013 erreichte die SPD 30,7 Prozent.

Die Grünen um die Doppelspitze Priska Hinz und Tarek Al-Wazir - beide gegenwärtig Regierungsmitglieder - liegen mit 13,4 Prozent auf dem dritten Platz. Das wäre ein Plus von mehr als zwei Prozentpunkten gegenüber 2013. Nur knapp dahinter kommt die AfD. Für sie votierten 12,7 Prozent (2013: 4,1 Prozent). Auch um Platz fünf und sechs gibt es gegenwärtig ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Die Linke erreicht 7,9 Prozent, die FDP 7,1 Prozent. Beide Parteien liegen damit mehr als Prozentpunkte besser als 2013.

Viele Optionen bei der Regierungsbildung hätte CDU-Ministerpräsident Bouffier demnach nicht. Ein schwarz-grünes Bündnis bekommt zumindest aktuell nicht die nötige Mehrheit, als Alternativen bleiben ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP - sowie eine Große Koalition mit der SPD.

Die Genossen haben in Hessen ein ernstes Problem: Sie haben ihren Status als Arbeiterpartei an die AfD verloren. Unter den wahlberechtigten Hessen, die Arbeiter als Berufsgruppe angeben, stimmen 27,2 Prozent für die Rechtspopulisten und nur 23,1 Prozent für die SPD.

Auch bei den Beamten trumpft die AfD auf und erreicht 18,2 Prozent. In der Gruppe der Staatsdiener kommt die Partei damit auf den dritten Platz - hinter der CDU, die mit 28,9 Prozent führt, und der SPD, für die 24,1 Prozent stimmen.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 14. bis 30. August 2018 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 4532 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

dop

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