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Terror-Reisen nach Syrien: Hessen plant Frühwarnsystem gegen Dschihad-Trips

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Toter deutsche Syrien-Kämpfer Karan: Umfeld registriert Radikalisierung Zur Großansicht
AFP

Toter deutsche Syrien-Kämpfer Karan: Umfeld registriert Radikalisierung

Der Bürgerkrieg in Syrien zieht deutsche Dschihadisten an, schon 230 von ihnen reisten an die Front. Hessen will deshalb ein Frühwarnsystem mit Hotlines und Beratungsstellen installieren. Vor allem radikalisierte Schüler sollen so aufgehalten werden.

Berlin - Hessens Innenminister Boris Rhein ist wegen der steigenden Zahl deutscher Dschihadisten alarmiert, die sich auf den Weg in den Bürgerkrieg in Syrien machen. Monat für Monat registrieren die Behörden bundesweit mehr junge muslimische Männer, die an der Seite der radikalen Gotteskrieger gegen das Regime von Baschar al-Assad kämpfen wollen. 230 solcher Ausreisen haben Polizei und Geheimdienste bisher protokolliert. Aus den einst irrwitzigen Dschihad-Reisen vereinzelter radikalisierter Salafisten, so die düstere Analyse der Behörden, ist eine richtige Bewegung geworden.

Besonders besorgniserregend ist laut Rhein ein neuer Trend. So ergab eine vom hessischen Innenministerium in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie, "dass die salafistischen Seelenfänger dazu übergegangen sind, gezielt Schüler anzusprechen", so der Innenminister. Für die Studie analysierten die Experten 23 Fälle von ausgereisten Salafisten und stellten fest, dass neun der jungen Männer aus Hessen noch Schüler waren. Ebenso fanden die Wissenschaftler heraus, dass die meisten der Ausgereisten unter 25 Jahre alt und allesamt in Deutschland geboren waren.

Verbesserte Beratung, effektivere Aufklärung

Mit den beunruhigenden Zahlen aus der Studie will Rhein diese Woche seine Innenministerkollegen aufrütteln. Auf deren Konferenz in Osnabrück stellt er nicht nur die Studie, sondern auch eine neue Idee zur Verhinderung der Reisen vor. Geht es nach Rhein, sollten die Behörden möglichst schnell ein bundesweites Netz mit Telefonhotlines und Beratungsstellen aufbauen, bei denen sich besorgte Eltern oder Menschen aus dem sozialen Umfeld von sich radikalisierenden jungen Menschen melden können. Mit den Hinweisen könnte man vor allem die ganz jungen Radikalen noch vor der Reise aufhalten.

Die Idee für das Dschihadisten-Frühwarnsystem erinnert an bereits existierende Präventionsprojekte für die rechte Szene. Laut Hessens Innenminister registriert das Umfeld der jungen Männer deren Radikalisierung oft sehr genau, wendet sich aber in den seltensten Fällen frühzeitig an die Behörden, weil schlicht nicht bekannt ist, wen man mit solchen Hinweisen kontaktieren kann. Mit einer verbesserten Beratung von besorgten Angehörigen und einer effektiveren Aufklärung auch an den Schulen hoffen die Behörden, wenigstens einen Teil der Ausreisen verhindern zu können.

Der Dschihad-Tourismus nimmt auch deswegen zu, weil Reisen nach Syrien deutlich einfacher sind als zum Beispiel in die Stammesgebiete Nordwestpakistans. So brauchen deutsche Extremisten kein Visum für die Türkei, von dort ist die Grenze nach Nordsyrien leicht zu erreichen.

Erst kürzlich machte der Fall des 26-jährigen Burak Karan Schlagzeilen. Der junge Mann aus Nordrhein-Westfalen hatte vor seiner Karriere als Dschihadist mit Fußballern wie Kevin-Prince Boateng und Sami Khedira in der Juniorennationalmannschaft gespielt. Im Oktober starb er an der Bürgerkriegsfront in Syrien.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
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1. Nicht die Ausreise sondern die Rückkehr verhindern!
retourenpaket 03.12.2013
Gut wenn sich diese Leute outen und das Land verlassen. Nach ihren Greultaten und Kriegsverbrechen, können wir in der Zivilisation mit denen nichts mehr anfangen. Bei deutschen Staatsbürgern müsste man sicherlich eine Gefängnisstrafe mit Sicherheitsverwahrung anordnen, andere Probleme sollte man sich nicht ins Land holen. Die Teilnahme an Kriegen und bewaffneten Konflikten ist Privatpersonen ohnehin verboten.
2.
jajajatjatja 03.12.2013
Eine sehr sinnvolle Idee. das Problem ist nämlich nicht der Tod der Terror-Touristen sondern eine mögliche Rückkehr. hierzulande werden diese Leute zum SicherheitsProblem. hohe Kosten für Überwachung, Eingliederung etc wären die Folge.
3. Und nun?....
michmich321 03.12.2013
Warum dürfen Menschen nicht einfach machen was sie wollen? Wenn sie ihrem Glauben folgen muss natürlich wieder der Deutsche kommen und meinen er ist verpflichtet da zu regulieren. Lasst sie doch gehen, mal sehen wie viele davon zurückkommen. Als gäbe es nicht weitaus wichtigeres als einen der als riskant eingestuft wird an der Ausreise zu hindern.....
4. Prävention und Restriktion
o-sensei 03.12.2013
Nun sind wir mal wieder beim Thema Überwachungsstaat. Wir sollten im Rahmen unserer Gesetze, die aber völlig auszuschöpfen sind, alle Dschihadisten rigoros überwachen. Die radikalen von ihnen leben ohnehin im Untergrund und verfügen über ein gut funktionierendes Netzwerk. Sie können in kürzester Zeit auf Waffen jedweden Typs zugreifen und diese problemlos in ein Krisengebiet transferieren. Hiergegen hilft nur hervorragende kriminalpolizeiliche Ermittlungsarbeit wie z.B. eine gute V-Mann(Frau)Führung und super gute verdeckte Ermittlungen. Im Falle der Straffälligkeit ist das Deutsche Recht voll auszuschöpfen und nach Strafverbüßung eine wirkungsvolle Abschiebung erforderlich.
5. Voll süß
dimetrodon190 03.12.2013
Zitat von sysopAFPDer Bürgerkrieg in Syrien zieht deutsche Dschihadisten an, schon 230 von ihnen reisten an die Front. Hessen will deshalb ein Frühwarnsystem mit Hotlines und Beratungsstellen installieren. Vor allem radikalisierte Schüler sollen so aufgehalten werden. Hessen plant Frühwarnsystem gegen Dschihad-Trips nach Syrien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hessen-plant-fruehwarnsystem-gegen-dschihad-trips-nach-syrien-a-936868.html)
dieses Konzept. Dann kommt so ein sozial Heini und redet dem Schüler ins Gewissen. Der Kontakt zu dieser Bevölkerungsschicht ist doch längst abgerissen. Diese "Kinder" habe schon so oft Gespräche dieser Art hinter sich, dass sie nur noch lachen wenn ihnen ein Ungläubiger ihren "Jungfrauenplan" ausreden will. Wichtiger wäre es die Hintermänner und Hetzer in den Koranschulen hier zu finden und sofort abzuschieben samt ihrer Familien. Ein Bildungssystem das den Kindern richtig schreiben und Lesen beibringt würde auch vieles verhindern aber das würde ja guten Unterricht erfordern und weniger Gelaber.
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Fotostrecke
Flucht aus Syrien: Katastrophe für die Kinder

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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