Razzia bei Frankfurt Polizei vereitelt offenbar Terroranschlag

Sicherheitskräfte haben im hessischen Oberursel Material zum Bombenbau sichergestellt. Zwei Personen wurden festgenommen, es wird wegen "Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat" ermittelt.


Zwei Personen haben in Hessen vermutlich einen Terroranschlag vorbereitet - offenbar konnte die Polizei ihre Pläne aber duchkreuzen. Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Oberursel stellten Beamte eine selbstgebaute Bombe sicher.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" und der "Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechens" gegen das Duo, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Albrecht Schreiber gegenüber SPIEGEL ONLINE bestätigte.

Die 34-jährige Senay D. und ihr 35-jähriger Ehemann Halil seien ins Visier der Fahnder geraten, nachdem sie unter falschem Namen drei Liter Wasserstoffperoxid gekauft hätten - was zum Bombenbau verwendet werden kann.

Halil D. war der Polizei wegen diverser Delikte bereits bekannt. Er soll außerdem Kontakte zu Adem Y. gehabt haben, einem verurteilten Mitglied der sogenannten Sauerland-Gruppe.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) erklärte, mit dem Zugriff hätten die Behörden einen mutmaßlichen Terroranschlag verhindert. Ähnlich äußerte sich der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD), der der Innenministerkonferenz der Länder vorsteht.

Von konkreten Plänen ist den Angaben zufolge nichts bekannt. Die Durchsuchungsaktion sei präventiv gewesen, hieß es. Am 1. Mai seien zahlreiche Veranstaltungen mit viel Publikum in der Region geplant, deshalb hätten die Behörden schnell gehandelt.

Am Donnerstag, gegen vier Uhr früh, durchsuchten hessische Spezialkräfte Wohnung und Keller des Paares. Dabei seien eine fertige Rohrbombe, verdächtigte Chemikalien sowie rund hundert Schuss Munition des Kalibers neun Millimeter sichergestellt worden. Außerdem fand sich eine Übungsgranate für eine Panzerfaust. Auch Bauteile für ein Sturmgewehr seien gefunden worden sowie Fachliteratur über Chemie und "Schriften mit Bezug zum konservativen Islam", wie es hieß.

Die Verdächtigen, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, sollen im Verlauf des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden. Derzeit verweigern sie die Aussage. Ob es aktuelle Verbindungen zur Salafistenszene gibt, ist unklar, meldet die Deutsche Presseagentur.

Belege für einen möglicherweise geplanten Anschlag gegen das traditionelle Radrennen Eschborn-Frankfurt, wie etwa Streckenpläne, seien den Angaben zufolge zunächst nicht gefunden worden.

Allerdings seien die Verdächtigen unter anderem in einem Waldstück beobachtet worden, das in unmittelbarer Nähe der Radrennstrecke liegt, wie es aus Ermittlerkreisen heißt. Außerdem soll D. wiederholt Parkplätze entlang der Strecke aufgesucht haben. Bislang gibt es keine Hinweise auf mögliche Mittäter.

srö/jdl/jok/kry/dpa

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