Hessen-SPD Umweltpolitiker Scheer nicht mehr im Schattenkabinett

Der Partei-Linke Scheer soll nicht zum Schattenkabinett des neuen hessischen SPD-Spitzenkandidaten Schäfer-Gümbel gehören. Laut einem Zeitungsbericht wird Scheer nur noch "Berater" des Ypsilanti-Nachfolgers.


München - Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Träger des alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, verliert die zentrale Rolle, die er in einem Kabinett von Landeschefin Andrea Ypsilanti gehabt hätte: Dem neuen Schattenkabinett der SPD im hessischen Landtagswahlkampf wird er nicht angehören. Dies gaben der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel und Scheer gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" an. Scheer werde ihm aber weiterhin als "Berater" zur Verfügung stehen und als solcher "auch im Wahlkampf auftreten", sagte Schäfer-Gümbel der Zeitung.

Scheer: "Verzerrende und entstellende Diskussion"
DPA

Scheer: "Verzerrende und entstellende Diskussion"

Scheer, der als enger Vertrauter von Ypsilanti gilt, sagte der Zeitung: "Die verzerrende und entstellende Diskussion, als wolle ich unbedingt zur Verwirklichung eines Lebenstraums noch einmal Minister werden, habe ich satt. Ich empfinde sie nur noch als peinlich", sagte Scheer

Ypsilanti wollte den Politiker in der von ihr angestrebten und von der Linken geduldeten rot-grünen Minderheitsregierung wegen seiner Kompetenz in Sachen erneuerbare Energien zum Minister für Wirtschaft und Umwelt machen. Diese Pläne hatten in der SPD für Unmut gesorgt, da auch Ypsilantis Partei-interner Widersacher Jürgen Walter Ambitionen auf das Amt des Wirtschaftsministers hatte.

Die hessischen Grünen haben den Verzicht der SPD auf Scheer derweil als "konsequent" bezeichnet. Mathias Wagner, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, sagte: "Die Energiepolitik von Hermann Scheer war und ist in der SPD nie wirklich verankert gewesen, sondern war nur ein Stück Wahlkampfinszenierung." Weiter erklärte Wagner: "Eine zukunftsfähige Energie- und Umweltpolitik ist nur bei den Grünen gut aufgehoben."

Die CDU-Fraktion reagierte spöttisch auf die Nicht-Nominierung Scheers: "Ypsilantis Windmacher "scheert" aus", sagte Fraktionschef Christean Wagner in Wiesbaden. Das "unrealistische Energiekonzept" von Scheer stehe jedoch weiter im Raum. "Beim Thema Energie geht es nicht darum, wer die schönsten Träume hat, sondern um die energiepolitische Realität", so Wagner.

Der Landtag soll am 18. Januar gewählt werden. Bereits Anfang dieses Jahres gab es eine Wahl. Bis heute ist aber keine Koalition zustande gekommen, so dass die CDU-Regierung von Ministerpräsident Roland Koch geschäftsführend im Amt bleibt.

asc/cht/AP/AFP/dpa



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