Hessen SPD und FDP wollen mit Grünen über Ampel sprechen

Welches Bündnis regiert künftig in Hessen? Nach einem Treffen von SPD und FDP kündigen die Parteichefs weitere Gespräche an - beim nächsten Mal aber zu dritt, mit den Grünen.

Stefan Ruppert
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Stefan Ruppert


Noch vor der Feststellung des amtlichen Endergebnisses der Landtagswahl in Hessen wollen SPD und FDP ein gemeinsames Sondierungsgespräch mit den Grünen über eine Ampelkoalition führen. "Wir werden eine Einladung an die Grünen für ein Gespräch in der kommenden Woche aussprechen", kündigte SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel nach einem Treffen mit der FDP in Wiesbaden an.

Bei dem Sondierungsgespräch sollen laut FDP-Chef Stefan Ruppert SPD, FDP und Grüne zu dritt über eine Ampelkoalition beraten. "Wir möchten ausloten, ob diese Koalition mehr Chancen bietet als die Alternative aus CDU und Grünen", sagte Ruppert.

Ein genauer Termin für das Dreiergespräch stand zunächst nicht fest. Ruppert bekräftigte, dass eine Ampelkoalition unter Führung des grünen Spitzenkandidaten Tarek Al-Wazir für die FDP nicht in Frage komme. Trotz des Gesprächs mit der SPD sei es noch ein "sehr langer Weg", bis eine Ampel mit SPD und Grünen möglich würde.

Tarek Al-Wazir, Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD)
DPA

Tarek Al-Wazir, Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD)

Rückt die SPD noch auf Platz zwei?

Das amtliche Endergebnis wird am Freitag kommender Woche erwartet. CDU und Grüne kündigten an, erst danach über Koalitionsverhandlungen zu entscheiden.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass es bei der Auszählung am Wahlabend gravierendere Pannen gab als bislang bekannt. In etwa einem Dutzend Wahlbezirke wurden Ergebnisse von Parteien vertauscht, Zahlen verdreht und Stapel mit Stimmzetteln bei der Auszählung vergessen. Hintergrund waren Computerprobleme.

Die Folge: Es kann durchaus sein, dass die SPD doch vor den Grünen landet. Das hieße: Eine Ampelkoalition - unter Führung der SPD - wäre plötzlich wieder möglich. Schließlich hat die FDP diese Konstellation explizit nicht ausgeschlossen.

Dann käme es auf die Grünen an. Machen sie die Ampel auch, wenn Al-Wazir nicht Regierungschef wird? SPD-Mann Schäfer-Gümbel setzt genau darauf. Er verspricht den Grünen, in einer solchen Koalition mehr durchsetzen zu können als bisher.

Landtagswahl Hessen 2018

Vorläufiges Endergebnis

Zweitstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
27
-11,3
SPD
19,8
-10,9
Grüne
19,8
+8,7
Die Linke
6,3
+1,1
FDP
7,5
+2,5
AfD
13,1
+9
Sonstige
6,5
+0,9
Sitzverteilung
Insgesamt: 137
Mehrheit: 69 Sitze
9
29
29
11
40
19
Quelle: Landeswahlleiter

cte/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
haarer.15 09.11.2018
1. Bewegt euch ...
... bevor wieder alles beim Alten bleibt. Schaut ins Nachbarland nach Rheinland-Pfalz, wo die Ampel unter Frau Dreyer auch gut funktioniert.
m.klagge 09.11.2018
2. Was ist so überflüssig wie ein Kropf?
Richtig, die FDP. Wer auch immer die Mövenpickler jetzt mit Posten versorgt macht sich für die nächste Wahl unwählbar. Halt, Stop, es handelt sich ja hier um die SPD, die sich mit den extrem Neoliberalen ins Bett legen will. Nein, keine weiteren Fragen.
grotefend 09.11.2018
3. Na das wäre doch was...
...dann könnte sich die SPD am Ende als Wahlsieger fühlen. Wäre das der lang ersehnte Erfolg, auf den die Sozialdemokraten hoffen?! Spaß beiseite: ich weiß nicht, ob die SPD in der aktuellen Situation regierungsfähig ist. Ein selbstbewusster Koalitionspartner - auch in Hessen - sieht anders aus.
grotefend 09.11.2018
4. Wie bitte?!
Zitat von haarer.15... bevor wieder alles beim Alten bleibt. Schaut ins Nachbarland nach Rheinland-Pfalz, wo die Ampel unter Frau Dreyer auch gut funktioniert.
Die FDP macht dort genau das, was sie im Wahlkampf ausdrücklich ausgeschlossen hatte: rot-grün im Amt halten. Und über deren Bilanz in Rheinland-Pfalz lässt sich berechtigterweise streiten.
Walther Kempinski 09.11.2018
5. @2 m.klagge
Die FDP ist ungefähr so neoliberal wie Putin ein Demokrat ist. Nämlich gar nicht. Weniger als 3 Mio. Arbeitsloe. 1 Mio. Stellen frei. Wer jetzt nicht arbeitet wills einfach nicht. Unsere Firma sucht gemäß der berühmten Floskel händeringend. Nur dass es keine Floskel ist, sondern ernst gemeint. Ich sehs nicht ein, in solchen Zeiten die Sozialleistungen zu vergrössern. Lieber in Zukunft wie Forschung, Bildung und Integration.
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