Großrazzia in Hessen Festgenommener Tunesier wurde wegen Anschlag auf Bardo-Museum gesucht

Bei einer Großrazzia in Hessen ist ein Tunesier wegen Terrorverdachts festgenommen worden. Der Mann soll an dem Anschlag auf das tunesische Bardo-Museum mit mehr als 20 Toten beteiligt gewesen sein.

REUTERS

21 ausländische Touristen waren bei dem Anschlag auf das berühmte Nationalmuseum von Bardo im März 2015 gestorben. Jetzt ist klar: Offenbar gibt es einen Zusammenhang zu der jüngsten Großrazzia in Hessen. Der festgenommene Tunesier wird von den Behörden seines Heimatlandes wegen Beteiligung an dem Attentat in der tunesischen Hauptstadt Tunis gesucht.

Gegen den 36-Jährigen werde in Tunesien "wegen der mutmaßlichen Beteiligung an der Planung und Umsetzung" des Angriffs ermittelt, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Zu dem Anschlag hatte sich die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. Der Verdächtige werde zudem im Zusammenhang mit einem Angriff auf die Stadt Ben Guerdane an der tunesisch-libyschen Grenze im März 2016 gesucht, bei es Dutzende Tote gab.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, der Mann sei den deutschen Behörden bei seiner Einreise im August 2015 aufgefallen. Damals habe er Asyl beantragt, so de Maizière in einer Pressekonferenz. Allerdings hatte der Tunesier offenbar schon einmal und für lange Zeit in Deutschland gelebt, und zwar zwischen 2003 und April 2013.

Festgenommener saß bis November in Auslieferungshaft

Wegen eines Festnahmeersuchens tunesischer Behörden saß der Verdächtige seit September 2016 in Auslieferungshaft. Weil bis zum Ende der Frist die tunesischen Behörden nicht die vollständigen Auslieferungsunterlagen vorgelegt hätten, sei der Mann am 4. November aus der Haft entlassen worden. Von da an sei er bis zu seiner Festnahme am Mittwochmorgen observiert worden.

Der Mann war in der Nacht zum Mittwoch bei einem hessenweiten Großeinsatz der Polizei gefasst worden und wird verdächtigt, unter anderem als Anwerber und Schleuser für den IS tätig gewesen zu sein. Außerdem soll er ein Netzwerk an Unterstützern aufgebaut haben, um einen Anschlag in Deutschland zu verüben.

Bei der Razzia gegen die islamistische Szene in Hessen durchsuchte die Polizei mit mehr als tausend Einsatzkräften mehr als 50 Wohnungen, Moscheen und Geschäfte. Die Ermittlungen richten sich gegen insgesamt 16 Beschuldigte im Alter zwischen 16 und 46 Jahren. Der 36-jährige Hauptbeschuldigte ließ sich demnach in Frankfurt am Main widerstandslos festnehmen. Mit der Aktion sei ein "weit verzweigtes salafistisches Netzwerk zerschlagen" worden, sagte der hessische Innenminister Peter Beuth.

brk/kev/cht/mho/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.