Landtagswahl in Hessen CDU und SPD mit historischen Verlusten

Dramatische Verluste für CDU und SPD - und die Grünen setzen ihren Höhenflug fort. Auch die AfD gehört zu den Gewinnern. FDP und Linke ziehen in den Landtag. Damit gibt es erstmals ein Sechs-Parteien-Parlament.

Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel
DPA

Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel


Schwere Verluste für CDU und SPD bei der Landtagswahl in Hessen: Nach den Prognosen von ARD und ZDF bleibt die CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier zwar stärkste Kraft, fährt aber ihr schlechtestes Ergebnis seit 1966 ein - also seit mehr als 50 Jahren.

Die SPD stürzt sogar auf einen historischen Tiefststand. Große Gewinner sind die Grünen und die AfD. Damit werden die Parteien der Großen Koalition in Berlin deutlich abgestraft - wie schon vor zwei Wochen in Bayern.

Nach den Zahlen kommt die seit 1999 regierende CDU auf 27,8 Prozent (2013: 38,3 Prozent). Schlechter abgeschnitten hatte die Partei in Hessen zuletzt 1966 mit 26,4 Prozent. Die SPD rutscht ab auf 19,8 Prozent (2013: 30,7). Die Grünen erreichen 19,4 Prozent (2013: 11,1), die AfD 12,1 Prozent (2013: 4,1).

Auch FDP und Linke sind wieder im Landtag vertreten. Die Liberalen kommen den Prognosen zufolge auf 7,6 Prozent (2013: 5,0), Die Linke erzielt 6,6 Prozent. Das ist ihr bisher bestes Ergebnis in Hessen (2013: 5,2).

Landtagswahl Hessen 2018

Endgültiges Endergebnis

Zweitstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
27
-11,3
SPD
19,8
-10,9
Grüne
19,8
+8,7
Die Linke
6,3
+1,1
FDP
7,5
+2,5
AfD
13,1
+9
Sonstige
6,5
+0,9
Sitzverteilung
Insgesamt: 137
Mehrheit: 69 Sitze
9
29
29
11
40
19
Quelle: Landeswahlleiter

Wie es für die seit 2013 regierende schwarz-grüne Koalition weitergeht, ist offen. Die Wahl gilt als Härtetest für den Fortbestand der GroKo von Union und SPD in Berlin.

Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier geht davon aus, dass er nach der Landtagswahl im Amt bleiben wird. "Wir werden erneut den Anspruch erheben, die Landesregierung in Hessen anzuführen. Wir sind klar stärkste Fraktion", sagte er. Der 66-Jährige kündigte Gespräche mit den anderen Parteien für die nächsten Tage an, nur für die Linke und die AfD werde es keine Einladung geben.

Der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel hat eine schwere Niederlage eingeräumt. Es handele sich um einen "schweren und bitteren Abend" für die hessische SPD, sagte er vor Anhängern in Wiesbaden. Die SPD habe das schlechteste Ergebnis seit 1946 eingefahren.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat sich hingegen begeistert über das gute Abschneiden ihrer Partei bei der hessischen Landtagswahl gezeigt. "So grün war Hessen noch nie", sagte sie. "Die Klimakrise ist mitten in Deutschland angekommen."

Im Video: Jubel bei den Grünen in Hessen

FDP-Spitzenkandidat René Rock hofft nach dem Votum auf eine Jamaika-Koalition in Hessen. "Wir würden sondieren und wollen gucken, ob wir es hinbekommen", sagt Rock im ZDF.



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dop/dpa



insgesamt 76 Beiträge
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Seite 1
redhawk_1 28.10.2018
1. Keine Linkskoalition
... das ist wichtig. Und es sieht so aus, dass dieser Horror nicht eintreten wird.
matbhmx 28.10.2018
2. Es ist schon erschütternd, dass ...
... bei einer Denkzettelwahl immer noch rund 28 % für die CDU und 20 % für die SPD stimmen. Darüber hinaus gilt: Es beweist sich, dass es ein Farce war, dass Merkel & Co. vor der Landtagswahl in der Ahnung, was auf die beiden ehemaligen Volksparteien zukommt, das ganze auf ein landespolitisches Ergebnis eindampfen wollten. Inzwischen wird in allen Bundesländern nur noch im Hinblick auf Berlin und die GroKo gewählt, landespolitische Themen verschwinden weitestgehend. Und damit dürfte auch feststehen, dass das bayerische Ergebnis der CSU mit Sicherheit auch auf Seehofer, aber vor allem auf Berlin zurückzuführen sein dürfte. So gesehen hat Seehofer völlig Recht, dass nicht er als Buhmann allein dastehen muss. Aber Merkel, Nahles & Co. werden sich die Ergebnisse wieder hübsch lügen - die Hauptsache das großzügig auf die Fläche des eigenen Amtsstuhls aufgetragene Pattex hält noch lange genug! Immer schön an sich selber denken statt an die Nation. Vielleicht sollte man der Berliner Führungsclique Mal wieder den von ihnen geleisteten Eid auf den Schreibtisch legen!
nn280 28.10.2018
3. Liebe alte
SPD-Parteisoldaten, was macht Ihr denn bloß? 19,9% für diese jahrzehntelangen Wählerbetrüger, das ist doch deutschlandweit viel zu viel!
Todweber 28.10.2018
4. RRG Null
Bravo, entscheidend RRG ist nicht möglich. Breite bürgerliche Mehrheit! Aber wieso unterschiedliche Sitzverteilung bei ARD und ZDF? Hat die ARD die Ausgleichs und Überhangmandate vergessen?
Freidenker10 28.10.2018
5.
Leider ist das Ergebnis in Hessen nicht hart genug für die beiden " Volksparteien" um ein Umdenken in Berlin zu erzwingen. Man wird jetzt wieder Analysieren und ein zurück zur Sachpolitik ( ich kanns nicht mehr hören ) fordern. CDU und SPD haben wahrscheinlich schon ihre Sessel in Berlin an den Boden geschraubt...
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