Abstimmung über den Landtag Hessenwahl läuft schleppend an

Die Beteiligung beim Urnengang in Hessen ist bis zum Nachmittag geringer gewesen als vor fünf Jahren. Damals waren allerdings auch gleichzeitig Bundestagswahlen.

Volker Bouffier
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Volker Bouffier


Bei der hessischen Landtagswahl hat sich bis zum Nachmittag eine etwas niedrigere Wahlbeteiligung als vor fünf Jahren abgezeichnet. Damals fand der Urnengang aber auch parallel zur Bundestagswahl statt.

Aufgerufen sind zu der auch über das Bundesland hinaus bedeutenden Wahl insgesamt rund 4,4 Millionen Menschen. Sie entscheiden über die Zusammensetzung des regulär 110 Abgeordnete zählenden Landesparlaments in Wiesbaden. Seit 8 Uhr und noch bis 18 Uhr können die Stimmen abgegeben werden.

Während der Wahl kam es zu einer peinlichen Panne: Der Koordinator der Bundesregierung für transatlantische Zusammenarbeit, Peter Beyer, CDU, hatte auf seiner Facebook-Seite bereits Exit-Polls mit ersten Zahlen zum Wahlausgang veröffentlicht. Der Eintrag war kurze Zeit später nicht mehr erreichbar und wurde offenbar gelöscht.

Eine blamable Panne: Exit-Polls sind erstens noch sehr unzuverlässige Hochrechnungen, und zweitens gilt es als Tabu, derartige Zahlen publik zu machen. Schließlich könnten sie die Wahl im weiteren Verlauf* noch unzulässig beeinflussen.

Die Landeswahlleitung in Wiesbaden sprach von 38,8 Prozent Wahlbeteiligung bis um 14 Uhr. Das hätten Abfragen in den fünf kreisfreien Städten Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach und Kassel ergeben.

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2013 hatte der Wert zu der Uhrzeit demnach bei 40,9 Prozent gelegen. Bei der Landtagswahl 2009 indes waren es um 14 Uhr nur 29,7 Prozent und damit deutlich weniger als nun gezählt wurden. Beim Ablauf der Wahl gebe es bisher keine Probleme, sagte Landeswahlleiter Wilhelm Kanther. "Die Sache ist voll im Gange."

Es wird mit einem engen Wahlausgang gerechnet. Ob die seit 2013 regierende schwarz-grüne Koalition unter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ihre Arbeit fortsetzen kann, ist ungewiss. In den Umfragen vor der Wahl zeichneten sich herbe Verluste für CDU und SPD ab. Die Grünen legten dagegen deutlich in der Wählergunst zu.

Schäfer-Gümbel optimistisch

Der SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel gab sich bei seinem Urnengang in Lich optimistisch. "Ich habe in den letzten Tagen gemerkt, dass wirklich viel in Bewegung ist", sagte er. Er glaube, dass die meisten Hessen wissen, "dass es heute nicht um die große Koalition in Berlin geht, sondern dass es darum geht zu entscheiden, ob wir mehr bezahlbaren Wohnraum, modernere Schulen und Stadt und Land besser miteinander verbunden bekommen."

Bouffier sagte in Gießen, wo er mit seiner Familie wählen ging: "Wir haben eine hohe Anerkennung für unsere Arbeit erzielt und deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass wir ein erneutes Mandat bekommen". Die CDU habe den Anspruch, als entscheidende Kraft die neue Landesregierung zu bilden - "am besten im Zweierbündnis".

Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir sagte bei seinem Wahlgang in Offenbach: "Ich glaube, wir haben eine Chance, als Grüne ganz gut abzuschneiden". Er wünsche sich ein Ergebnis, dass die Grünen so stark mache, "dass an uns keiner vorbeikommt". Noch wisse man nicht, wie die Wahl ausgehe. "Dann wird man sehen, was rechnerisch geht und was in der Sache geht." Klar sei: "Alle demokratischen Parteien müssen untereinander gesprächsfähig sein."

Stimmenfang #71 - Grüner Höhenflug: So wurde die Protestpartei zum Wahlgewinner

In Hessen können die Bürger am Sonntag auch über eine Reform der hessischen Landesverfassung entscheiden. Diese ist im Jahr 1946 in Kraft getreten und enthält unter anderem noch die Todesstrafe, die durch das Grundgesetz aber längst außer Kraft gesetzt ist. Diese Passage soll nun gestrichen werden. Insgesamt geht es um 15 Änderungen.

brt/dpa

insgesamt 33 Beiträge
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quarax 28.10.2018
1.
All die "Alternativen", die Deutschland nach dieser Wahl drohen werden kurz- bis mittelfristig schlimme Folgen haben - für unser Land und den Rest Europas. Jeder, der nicht zur Wahl geht, macht sich mitschuldig.
tobias.seibel 28.10.2018
2. schleppend?
Die Überschrift ist ja völlig falsch. Wenn man berücksichtigt, dass 2013 auch Bundestagswahlen waren ist ein Rückgang von 2,1% nicht viel. Außerdem ist Hessen damit immer noch sehr gut dabei wenn man bedenkt das in anderen Bundesländer insgesamt keine 50% der Wahlberechtigten wählen gehen.
Loewe_78 28.10.2018
3. Ich war ebenfalls in Gießen wählen.
Dieses Mal durfte ich meine Stimme in eine graue Mülltonne werfen, nicht mehr in eine Altpapiertonne bzw. schwarze Restmülltonne wie die Male zuvor. Ich liebe ja dezenten Zynismus, aber diese subversive Symbolik finde ich besonders wertvoll. Sie zeigt deutlich die Wertschätzung meiner Stimme.
defy_you 28.10.2018
4. Wahllokal mit radierbaren Stiften...
Habe gerade gewählt. Mit einem sog. Dokumentenstift bzw. Kopierstift. Laut Amazonrezension radierbar (vgl. https://www.amazon.de/Faber-Castell-119112-Kopierstift-Castell-Document/dp/B000KT6SOI/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1540738425&sr=8-1&keywords=4005401191124). Laut Auskunft der Wahlleitung ist das aber ohne weiteres zulässig. Warum werden nicht Kugelschreiber festgeschrieben?
amwald 28.10.2018
5. da möchte man den für die Auswahl des Wahlzettelbehälters
Zitat von Loewe_78Dieses Mal durfte ich meine Stimme in eine graue Mülltonne werfen, nicht mehr in eine Altpapiertonne bzw. schwarze Restmülltonne wie die Male zuvor. Ich liebe ja dezenten Zynismus, aber diese subversive Symbolik finde ich besonders wertvoll. Sie zeigt deutlich die Wertschätzung meiner Stimme.
Zusrändigen für das Durchschauen des Vorgangen "Wahl" gern den dafür angebrachten Respekt bezeugen. Denn: "Würden Wahlen etwas bezwecken, wären sie verboten".
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