SPD-Politiker nach Wahldebakel "Aufstand der Bürger gegen die Bundesregierung"

Die SPD hat bei der Hessenwahl das schlechteste Ergebnis seit 1946 eingefahren. Ein Genosse warnt bereits vor dem Ende der GroKo. CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer fordert eine "neue Arbeitskultur".

Florian Post (SPD)
picture alliance/dpa

Florian Post (SPD)


Nach dem katastrophalen Abschneiden der SPD bei der Hessenwahl zeigen sich führende Genossen erschüttert. Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel hat eine schwere Niederlage eingeräumt. Er sprach von einem "bitteren Abend". Die SPD habe das schlechteste Ergebnis seit 1946 eingefahren.

Die hessische SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser sagte: "Mit diesem Ergebnis haben wir so nicht gerechnet." SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil wertete das Hessen-Votum auch als Signal an die Große Koalition in Berlin, dass die Dinge anders werden müssten.

Noch deutlicher wurde Florian Post, SPD-Bundestagsabgeordneter. "Die Wahlen in Bayern und Hessen muss man als Aufstand der Bürger gegen die Bundesregierung verstehen", sagte er dem SPIEGEL. Eine Große Koalition werde meist nicht geliebt, aber habe in der Vergangenheit für Stabilität gestanden.

"Respekt völlig verloren gegangen"

"Seit wir nicht einmal mehr diese Stabilität ausstrahlen, ist der Respekt völlig verloren gegangen", so Post weiter. "Wenn es uns jetzt nicht schnellstens gelingt, wirklich etwa Großes zu leisten, was auch bei den Menschen ankommt, dann ist die Regierung am Ende."

Auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer fordert als Konsequenz aus der Hessenwahl eine "neue Arbeitskultur" in der GroKo. "Es muss Schluss sein mit der Debatte, ob wir zusammen regieren oder nicht", sagt sie. Die GroKo sollte sich auf drei große Projekte für die nächsten Monate einigen.

Landtagswahl Hessen 2018

Endgültiges Endergebnis

Zweitstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CDU
27
-11,3
SPD
19,8
-10,9
Grüne
19,8
+8,7
Die Linke
6,3
+1,1
FDP
7,5
+2,5
AfD
13,1
+9
Sonstige
6,5
+0,9
Sitzverteilung
Insgesamt: 137
Mehrheit: 69 Sitze
9
29
29
11
40
19
Quelle: Landeswahlleiter

Der CDU-Politiker Michael Grosse-Brömer hat CDU, CSU und SPD als Reaktion auf die Hessenwahl zu einer verstärkten Sacharbeit und einem Ende der internen Streitigkeiten aufgerufen. "Die GroKo ist besser als ihr Ruf", sagt der parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Berlin.

Nach ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF bleibt die CDU von Ministerpräsident Volker Bouffier mit 27,4 bis 27,9 Prozent zwar stärkste Kraft. Es ist aber das schlechteste Ergebnis seit 1966. Die SPD fällt mit 19,8 bis 19,9 Prozent auf einen historischen Tiefststand.



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dop/vme/dpa/Reuters



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
pascal3er 28.10.2018
1. Respekt völlig verloren gegangen
Wovor sollte man auch Respekt haben? Dafür das ihr mit eurem Hartz-Progamm die Bürgerrechte beschädigt habt? Das Gegenteil ist der Fall, ich hoffe die SPD existiert bald nicht mehr. Dann feier ich ne Party.
bebreun 28.10.2018
2. Was erwartet der Wähler?
Mir ist schleierhaft, was Wähler mit einem solchen Ergebnis, das sie selber geschaffen haben, erwarten. Je mehr Parteien für eine Koalition gebraucht werden desto mehr werden Parteiprogramme verwässert und es werden umsomehr Kompromisse erforderlich. Was ist dann von den Vorstellungen der Wähler noch übrig? Noch abwegiger ist die Wahl einer Partei aus Protest. Was soll damit erreicht werden? Eine stabile funktionsfähige Regierung niemals.
genugistgenug 28.10.2018
3. Kramp-Karrenbauer fordert eine "neue Arbeitskultur"
wie bitte?! Hat die NICHTS mit der Alltagsarbeit zu tun? Ist der Posten "Generalsekretärin" nur ein Versorgungsposten ohne Leistung zu bringen? Wieder mal ein ideales Beispiel für die Inkompetenz und orale Inkontienenz der Politiker.
brux 28.10.2018
4. Themen
Hier sind die Themen, die die Groko Luschen nicht angehen wollen oder können. Illegale Migration und deren kriminelle und finanziellen Folgen. Stabilität der Eurozone. Klimawandel und Energiepolitik. In allen drei Bereichen hat die Kanzlerin ohne Rücksprache mit den Bürgern einsame und grob fahrlässige Entscheidungen getroffen. Und deshalb sollte sie ganz schnell diese Baustellen in Richtung Uckermark verlassen. Erkennt das die SPD noch rechtzeitig?
walli_sp 28.10.2018
5. @#2
Mag sein, dass es sich kaum noch regieren lässt, aber was soll der Bürger wählen, wenn er immer wieder sieht wohin Lobbyverbände das sauer bezahlte, viel zu hohe Steuergeld umleiten. Eine gute Regierung, egal ob Land oder Bund, setzt sich in erster Linie für den Bürger ein. Wenn das so offensichtlich schief geht gibt es halt nicht mehr den "klaren Wählerauftrag"
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