Hessen Ypsilanti droht Pleite bei Ministerpräsidentenwahl

Es wird eng für Andrea Ypsilanti: Die hessische Abgeordnete Dagmar Metzger will sie nicht zur Ministerpräsidentin mitwählen. Die rot-rot-grüne Mehrheit schrumpft damit auf eine Stimme - die SPD-Landeschefin möchte die Kritikerin in einem Krisengespräch noch umstimmen.


München- Dem Bericht zufolge hat die Darmstädter Abgeordnete Dagmar Metzger Ypsilanti bereits über ihre Entscheidung informiert. Morgen wolle sie es ihr persönlich mitteilen. Die SPD-Landeschefin will in dem für 9 Uhr angesetzten Gespräch versuchen, Metzger noch umzustimmen. Anschließend soll der "SZ" zufolge noch in einer größeren Runde auf sie eingewirkt werden. Nach Einschätzung hessischer SPD-Kreise sei Metzger aber fest entschlossen, bei ihrer Ablehnung zu bleiben. Sie könne es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, entgegen den Versprechungen im Wahlkampf mit der Linken zusammenzuarbeiten.

Andrea Ypsilanti: Sie braucht mindestens 56 Stimmen
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Andrea Ypsilanti: Sie braucht mindestens 56 Stimmen

Die 49-jährige Wirtschaftsjuristin hat den Wahlkreis Darmstadt-Stadt II gegen die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) direkt gewonnen und ist damit erstmals in den Landtag eingezogen. Der Parteilinie folgend hatte sie es stets ausgeschlossen, mit der Linken zusammenzuarbeiten.

Dem "SZ"-Bericht zufolge hatte Metzger sich bereits in der Sitzung der Landtagsfraktion vor eineinhalb Wochen erklären wollen. Damals hätten sie aber vor der Sitzung andere Abgeordnete davon abbringen können. An der Fraktionssitzung in dieser Woche habe Metzger wegen eines Urlaubs nicht teilgenommen. Ypsilanti hatte am Ende dieser Sitzung gefragt, ob jemand den von ihr vorgegebenen Weg nicht mitgehen könne - niemand hatte sich grundsätzlich ablehnend geäußert.

Ypsilanti braucht 56 der 110 Stimmen im Landtag, um Ministerpräsidentin zu werden. SPD, Grüne und Die Linke haben zusammen 57 Abgeordnete. Neben Metzger gibt es in der SPD-Fraktion aber noch mindestens einen weiteren Problemfall: Einer der Abgeordneten ist schwer erkrankt. Ob er an der konstituierenden Landtagssitzung am 5. April teilnehmen kann, ist noch nicht sicher.

Sollte es mehr als einen Abweichler geben, könnte die hessische SPD-Chefin am Ende so dramatisch scheitern wie ihre Parteikollegin Heide Simonis, die ihr Waterloo vor drei Jahren in Kiel erlebt hat: Die langjährige Regierungschefin von Schleswig-Holstein erhielt in vier Wahlgängen keine Mehrheit im Landesparlament - ein Abgeordneter aus dem eigenen Lager verweigerte ihr die Stimme. Bis heute ist nicht bekannt, um wen es sich dabei handelt.

SPD und Grüne in Hessen wollen am Freitag die Koalitionsverhandlungen aufnehmen. FDP-Landeschef Jörg-Uwe Hahn hatte heute die Landtagsabgeordneten von SPD und Grünen aufgefordert, Ypsilanti bei der Wahl die Gefolgschaft zu verweigern . "Ich baue darauf, dass es in den Fraktionen von SPD und Grünen Politiker gibt, die das nicht mitmachen", zeigte sich Hahn in Wiesbaden überzeugt.

ler/dpa/ddp

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