Hessens SPD-Chefin Schäfer-Gümbel soll Ypsilanti ersetzen

Andrea Ypsilanti legt ihre Ämter als Fraktions- und Landesvorsitzende der Hessen-SPD nieder. Das Wahlergebnis sei eine "schwere Niederlage". Sie übernehme die Verantwortung - Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel bewarb sich sofort als Nachfolger.


Wiesbaden - "Das ist ein schwerer Tag", sagte Andrea Ypsilanti mit unbewegter Miene am Sonntagabend in Wiesbaden. Die hessische SPD hatte gerade nach den ersten Hochrechnungen das schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte verbucht, bei der Landtagswahl holte die Partei mickrige 23,8 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten die Sozialdemokraten in Hessen noch 36,7 Prozent eingefahren.

Schäfer-Gümbel, Ypsilanti: "Nicht resignieren"
AP

Schäfer-Gümbel, Ypsilanti: "Nicht resignieren"

Ypsilanti bezeichnete das Abschneiden der SPD als schwere Niederlage. "Daran gibt es nichts zu deuteln." Sie fügte hinzu: "Das ist ein schwerer Tag." Ein Teil der Wähler habe nicht verziehen, dass die SPD bei der Wahl vor einem Jahr in Hessen keine parlamentarische Mehrheit erhalten habe. "Wir werden dieses Ergebnis aufarbeiten müssen."

Die Politikerin sagte, sie übernehme die "politische Verantwortung" für die schwere Wahlniederlage ihrer Partei und lege ihre Ämter nieder. Sie werde aber nicht resignieren, so die Frau, die für das katastrophale Wahlergebnis verantwortlich gemacht wird.

Gleichzeitig kündigte Ypsilanti an, "auf Drängen der Partei" den Parteigremien Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel als neuen Vorsitzenden sowohl der hessischen SPD als auch der Landtagsfraktion vorzuschlagen: "Thorsten Schäfer-Gümbel hat seine Führungsqualität unter Beweis gestellt."

"Ich bin bereit"

Der wiederum erklärte sich umgehend bereit, Ypsilanti zu beerben. Er sei von einer Vielzahl von Mitglieder der Partei dazu aufgefordert worden, sagte er. Am morgigen Montag werde dies in den Gremien besprochen, "aber ich bin bereit", sagte Schäfer-Gümbel. Der Politiker räumte zugleich eine Mitverantwortung für die schwere Niederlage seiner Partei ein. Den Weg der Hessen-SPD habe man gemeinsam zu verantworten, weil man auch gemeinsam beraten und entschieden habe.

Die Landtagswahl vor einem Jahr hatte erstmals in Hessen die Linkspartei ins Parlament gebracht. SPD, Grüne und Linke hatten damit eine knappe Mehrheit, bekamen aber keine Regierung zustande.

Die SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti unternahm entgegen ihrem Wahlversprechen zweimal den Versuch, mit Tolerierung der Linken Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung zu werden, scheiterte aber jeweils an parteiinternem Widerstand. Kochs CDU-Alleinregierung amtierte deshalb geschäftsführend weiter.

Müntefering: "Denkzettel-Wahl"

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering wertete das schlechte Abschneiden seiner Partei als Konsequenz einer "Denkzettel-Wahl". "Die Menschen waren enttäuscht und verärgert", sagte Müntefering am Sonntagabend. Mit einem Ergebnis in dieser Größenordnung sei zu rechnen gewesen. Der SPD-Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel habe "rausgeholt, was rauszuholen war". Er respektiere die Entscheidung von Andrea Ypsilanti, von ihren Ämtern zurückzutreten.

Bei der Bundestagswahl werde die SPD in Hessen besser abschneiden, prophezeite Müntefering. Es gebe eine große sozialdemokratische Tradition in dem Bundesland. "Es wird einen neuen Anfang für die Partei in Hessen geben", so Müntefering in der ARD. Auch für den Bund sei er zuversichtlich. Union und FDP seien am wenigsten dazu geeignet, die richtigen Konsequenzen aus der Wirtschaftskrise zu ziehen, betonte der SPD-Chef.

jul/jdl/dpa/AFP



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