Wirbel um ZDF-Sendung Bundestag verteidigt Drehverbot für "Heute Show"

Ein Team der ZDF-Satiresendung "Heute Show" will im Bundestag Abgeordnete filmen und darf nicht rein. Fans sind empört. Jetzt rechtfertigt das Büro von Bundestagspräsident Lammert die Entscheidung.

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"Heute Show"-Moderator Oliver Welke: Er kommt hier nicht rein
ZDF/ Willi Weber

"Heute Show"-Moderator Oliver Welke: Er kommt hier nicht rein


Berlin - Die Aufregung unter den Zuschauern der "Heute Show" ist riesig. Schließlich darf die ZDF-Satiresendung nicht im Bundestag filmen. Im Internet wird nun eifrig gegen das Drehverbot protestiert. Von einem Angriff auf die Pressefreiheit ist die Rede. Rund 600 Protestmails gingen in den vergangenen Tagen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bei der Verwaltung des Bundestags ein.

Jetzt verteidigt der Bundestag seine Entscheidung. Von einer grundsätzlichen oder gar willkürlichen Absage könne keine Rede sein, sagte der Sprecher von Bundestagspräsident Norbert Lammert, Ernst Hebeker, SPIEGEL ONLINE am Montag. "Jeder Antrag auf Akkreditierung wird einzeln geprüft, das ist selbstverständlich." Die Absage sei auf Grundlage der Regeln im Bundestag erteilt worden.

Die "Heute Show", die zu Spitzenzeiten drei Millionen Zuschauer vor die Bildschirme zieht, hatte den Protest mehr oder weniger geschickt provoziert. Am Freitagabend ging sie wie gewohnt um 22.30 Uhr auf Sendung. Gegen Ende wurde Moderator Oliver Welke ungehalten: Seinen Leuten werde der Zutritt ins Parlament verweigert, wetterte er. Dazu wurde ein Clip gezeigt, in dem Außenreporter Ralf Kabelka immer wieder vom Pförtner abgewiesen wird. Am Ende läuft eine mürrisch schauende Kanzlerin durchs Bild.

Dass sich die Volksvertreter nicht in die Karten gucken lassen wollen, passt zum Image des Bundestags. Die Koalition aus Union und SPD sperrt sich gegen standardmäßige Livestreams aus den Fachausschüssen, die Fragestunden im Bundestag werden immer langweiliger.

Hat der Bundestag ein Problem mit politischer Satire? Oder wären solche Dreharbeiten eine Gefahr für die Würde der Abgeordneten? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Es dürfte Bundestagspräsident Lammert, der die "Heute Show" einmal öffentlich kritisierte, ganz gut in den Kram passen, dass man Mitarbeitern der Sendung den Zutritt verweigern kann. Aber ganz so dramatisch, wie es die "Heute Show" darstellt, ist die Sache nun auch wieder nicht. Für das ZDF gibt es nebenbei wunderbare Gratis-PR.

Zwei Anfragen, zwei Absagen

Die "Heute Show" hatte vor einer Weile eine Tageszulassung für Dreharbeiten im Reichstagsgebäude bekommen. Es geht hier also nicht um den Entzug einer bestehenden Genehmigung. Anfang Oktober bemühte sich die Kölner Produktionsfirma der Sendung dann erneut um Zutritt für einen Tag. Man wolle an einem Donnerstag einen Außenreporter auf der Besuchertribüne des Bundestags filmen. Der Bundestag hält dagegen: Laut Hausregeln sei es verboten, eine Plenarsitzung lediglich als eine Art Kulisse zu nutzen.

Zudem habe man in der sogenannten Westlobby, also in unmittelbarer Nähe zum Plenarsaal, Abgeordnete befragen wollen, so die "Heute Show". Dort stehen regelmäßig Kameras von Phoenix oder N24 herum. Doch ein freilaufender "Heute Show"-Reporter war der Verwaltung dann wohl doch zu riskant. Auch hier führten offiziell Formalien zum Verbot. Thema des Drehs sollte die Befragung der Bundesregierung sein. Die findet aber immer mittwochs statt, nicht donnerstags. Nach Angaben des Bundestags habe man die Entscheidung ausführlich in einem Telefongespräch erläutert, die Absage kam dann per E-Mail.

"Wie bereits telefonisch ausführlich erläutert, können wir Ihnen eine Akkreditierung leider nicht ausstellen. Sie können den im Anhang in Auszügen beigefügten 'Zugangs- und Verhaltensregeln für den Bereich der Bundestagsliegenschaften' entnehmen, dass wir da keinen Ermessensspielraum haben", heißt es in dem Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Eine Woche später wandte sich das ZDF in Mainz selbst an die Parlamentsverwaltung, um doch noch eine Genehmigung zu bekommen. Auch diese Anfrage wurde abgelehnt.

Präsident Lammert informierte die Parlamentarischen Geschäftsführer der Fraktionen bereits vor knapp zwei Wochen über das Drehverbot. Erst jetzt, wo die Sache Kreise zieht, ist man zumindest in der Opposition irritiert. "Es liegt in der Logik der Bundestagsverwaltung, den Bundestag als eher geschlossenes Haus zu betrachten. Demokratie braucht aber offene Türen. Ich persönlich hätte den Machern der 'Heute Show' eine Genehmigung erteilt", sagt Petra Sitte, die Fraktionsmanagerin der Linken.

Abfinden wollen sich die Macher der "Heute Show" mit dem Drehverbot nicht. Man werde natürlich wieder versuchen, im Bundestag zu drehen, hieß es am Montag auf Nachfrage beim ZDF.

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