Heye über WM "Nur mit viel Glück gab es keine Toten"

Vor der WM warnte Uwe-Karsten Heye Schwarze vor dem Besuch bestimmten Regionen in Deutschland. Nach dem Turnier legt der Ex-Regierungssprecher nach: "Nur mit viel Glück" habe es durch Rassismus keine Toten bei der Weltmeisterschaft gegeben.


Berlin - Im Schatten der WM hätten sich mindestens zehn schwerwiegende rassistische Vorfälle ereignet, wo es "nur mit viel Glück" keine Toten gegeben habe, sagte Heye. Als Beispiele nannte er Angriffe auf schwarze Frauen und auf einen 15-jährigen Jungen aus Äthiopien. Vor diesem Hintergrund halte er auch die vor der Weltmeisterschaft vom Afrika-Rat ausgesprochene Warnung an schwarze WM-Besucher, in Ostdeutschland besondere Vorsicht walten zu lassen, für nicht übertrieben. "Es gibt Regionen und Orte, wo man sich als Farbiger besser nicht zeigt", sagte er.

Heye, der Vorsitzender des antirassistischen Vereins "Gesicht Zeigen" ist, hatte vor der WM für Schlagzeilen gesorgt, als er sagte, der Besuch bestimmter Regionen sei für Schwarze lebensgefährlich. Damit hatte der frühere Regierungssprecher eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Altkanzler Gerhard Schröder verteidigte ebenfalls Heyes Warnung im Vorfeld der Weltmeisterschaft. Dieser habe sich nicht zu entschuldigen, sagte Schröder als neuer Schirmherr des Vereins. Zwar hätten die Deutschen während der WM "ein tolles Bild" geboten und sich aller Welt mit einem friedlichen Gesicht gezeigt. Vorfälle, wie die öffentliche Bücher-Verbrennung im sachsen-anhaltinischen Pretzien zeigten aber, dass es Einzelfälle gebe, gegen die entschieden vorgegangen werden müsse, sagte der Altkanzler. In dem Ort hatten Einwohner während eines Dorffests ein Exemplar vom "Tagebuch der Anne Frank" verbrannt. Das jüdische Mädchen war im KZ von den Nationalsozialisten ermordet worden.

als/Reuters

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