Hintergrund Chronik der Hohmann-Affäre


Berlin - Der umstrittene CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann soll aus der Unionsfraktion und aus der CDU ausgeschlossen werden. Eine Chronologie der Affäre:


3. Oktober 2003: Hohmann benutzt in Neuhof bei Fulda im Zusammenhang mit den Juden den Begriff "Tätervolk". Er sagt im Zusammenhang mit Verbrechen während der kommunistischen Revolution in Russland: "Juden waren in großer Anzahl sowohl in der Führungsebene als auch bei den Tscheka- Erschießungskommandos aktiv. Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als "Tätervolk" bezeichnen." Hohmann kommt später zu dem Schluss, dass "weder die Deutschen, noch die Juden ein Tätervolk" seien.


31. Oktober: CDU-Chefin Angela Merkel distanziert sich einen Tag nach Bekanntwerden der Rede klar von Hohmann: "Das sind völlig inakzeptable und unerträgliche Äußerungen, von denen wir uns auf das Schärfste distanzieren." CDU-Vize Jürgen Rüttgers fordert Hohmann auf, die Äußerungen zurückzunehmen oder zurückzutreten.


1. November: Hohmann entschuldigt sich für Teile seiner Rede. "Es war nicht meine Absicht, die Einzigartigkeit des Holocausts zu leugnen", teilt er mit. Zuvor hatte er seine Äußerungen verteidigt.


3. November: Präsidium und Vorstand der CDU bezeichnen die Rede Hohmanns als "unerträglich" und erteilen ihm eine Rüge. Die Unions- Fraktion zieht Hohmann aus dem Bundestags-Innenausschuss und als Berichterstatter über Entschädigungsfragen für NS-Zwangsarbeiter ab.


4. November: Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) entlässt den Chef des Kommandos Spezialkräfte (KSK), Reinhard Günzel. Dieser hatte Hohmanns Rede in einem Brief an den Abgeordneten gelobt.


8. November: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber droht Hohmann mit Ausschluss aus der Union. "Noch ein Vorgang dieser Art, und er kann unmöglich weiter zur Union gehören", sagt der CSU-Chef.


9. November: Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, sagt bei der Grundsteinlegung für das Jüdische Zentrum in München, Hohmann habe sich mit seinen Äußerungen in eine Reihe mit "rechtsextremen, antisemitischen Brandstiftern" gestellt. CDU- Generalsekretär Laurenz Meyer verteidigt die Entscheidung, Hohmann zunächst nicht aus der Fraktion auszuschließen. Die vom Vorstand ausgesprochene Rüge sei "notwendig, aber auch hinreichend".


10. November: Der CDU/CSU-Fraktionsvorstand unter Leitung von CDU- Chefin Angela Merkel stellt den Antrag, Hohmann auszuschließen. Dies geschehe "in Erwartung", dass auch die Bundespartei einen Ausschlussantrag gegen den hessischen Abgeordneten stellen werde.



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