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Hitler-Attentat von 1944: Gauck ruft zum Kampf für die Demokratie auf

Bundespräsident Joachim Gauck: "Verantwortung für die Freiheit, die wir haben und unbedingt behalten wollen." Zur Großansicht
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Bundespräsident Joachim Gauck: "Verantwortung für die Freiheit, die wir haben und unbedingt behalten wollen."

Zum Jahrestag des Hitler-Attentats im Jahr 1944 hat Bundespräsident Joachim Gauck dazu aufgerufen, Verantwortung für die Freiheit der Demokratie zu übernehmen. Die Attentäter würdigte er als Vorbilder im Kampf für Menschenwürde.

Berlin - Bundespräsident Joachim Gauck hat in einer Ansprache dazu aufgerufen, mehr Verantwortung zu übernehmen. "Der 20. Juli (..) erinnert uns an das, was wir wollen, was wir können möchten und was wir leben sollten: mutig zu unseren Werten zu stehen", sagte er in einer Feierstunde der Bundesregierung zum 70. Jahrestag des Anschlags auf den nationalsozialistischen Diktator vom 20. Juli 1944.

"Dazu gehört, dass wir uns nicht mitschuldig machen, wenn anderen Unrecht geschieht." Den Widerstand gegen Adolf Hitler würdigte er als Vorbild für den Kampf für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie. "Wir tragen Verantwortung für die Freiheit, die wir haben und unbedingt behalten wollen", sagte Gauck.

Damals hatte eine Gruppe um den Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Aufstand gegen die Diktatur versucht. Nach wochenlangen geheimen Vorbereitungen versuchte der 36 Jahre alte Stauffenberg, Hitler in dessen "Führerhauptquartier Wolfsschanze" in Ostpreußen, dem heutigen Polen, zu töten. Stauffenbergs Zeitbombe explodierte, doch Hitler wurde nur leicht verletzt. Noch in der Nacht wurden Stauffenberg und weitere Beteiligte hingerichtet. Insgesamt fielen rund 200 Mitverschwörer der Nazi-Justiz zum Opfer.

"Die Wahl zwischen Reden und Schweigen"

Durch diese "Lichtgestalten der Geschichte" dürfe man sich aber weder überfordern noch paralysieren lassen, mahnte Gauck. "Auch in der Demokratie gibt es Werte, für die wir eintreten und für die wir leben können. Für die wir Verantwortung übernehmen können." Die Erinnerung an damals lehre: "Wir haben eine Wahl zwischen Handeln und Untätigkeit, auch zwischen Reden und Schweigen."

Gauck bescheinigte den Widerstandskämpfern, "ein in die Welt hinaus und in die Zukunft hineinwirkendes Zeichen" gesetzt zu haben. Der 20. Juli habe wie die anderen Widerstandsversuche gegen das NS-Regime auch moralische und politische Bedeutung. Die Bundesrepublik habe daraus Legitimation geschöpft, als sie die Bedeutung des militärischen Widerstands begriffen hatte. Wegen dieses moralischen Erbes, von dem Deutschland bis heute zehre, könne er sagen: "Ich bin stolz auf eine Bundeswehr, die sich nicht auf obrigkeitsstaatliche Traditionen beruft, sondern auf Widerstand gegen das Unrecht."

Im Anschluss legte Gauck begleitet von Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker an jenem Ort im Berliner Bendlerblock einen Kranz nieder, an dem Stauffenberg in der Nacht zum 21. Juli 1944 gemeinsam mit drei weiteren Widerstandskämpfern hingerichtet worden war. Später gedachten er und andere Repräsentanten des Staates an der Berliner Gedenkstätte Plötzensee des deutschen und internationalen Widerstands. Zwischen 1933 und 1945 waren dort fast 3000 Menschen nach Unrechtsurteilen der NS-Justiz hingerichtet worden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bescheinigte den Widerstandskämpfern "Tapferkeit in einem ganz besonderen Maß". Bei einem feierlichen Gelöbnis von 430 Bundeswehrsoldaten sagte sie, Oberst von Stauffenberg und seine Mitstreiter seien "eingestanden gegen die Auswüchse einer menschenverachtenden Diktatur - gegen Willkür und Tyrannei, für das Recht und die Freiheit". Sie hätten erkannt: "Nicht der blinde Gehorsam, nicht das Nichtstun, nicht das Abwarten war das Gebot der Stunde, sondern das Widerstehen, das Handeln, die Tat."

Auch Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker ehrte die Widerstandskämpfer. "Sie bleiben Vorbild. Auch nach 70 Jahren. Und weit darüber hinaus", schrieb er in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag". Weizsäcker nahm wie der frühere Bundespräsident Christian Wulff an der Gedenkveranstaltung teil.

isa/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
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1. ...
Newspeak 20.07.2014
Sonntagsreden. Wie schon beim Thema "Freiheit" gefällt sich Gauck darin, schöne Worte zu machen, ohne Taten folgen zu lassen. Beim Thema Freiheit ist es der NSA-Skandal, der beinahe unberührt von Gauck und Merkel täglich in der Grundrechtsverletzung von Millionen Bürgern dieses Landes gipfelt. Das hat auch Auswirkungen auf die Demokratie in diesem Lande! Zum Thema Rüstungsexporte vertritt Gauck selbst den militärischen Standpunkt wahrscheinlich passend zum "Jubiläum" des Ersten Weltkrieges, bei dem man ja schon einmal sehen konnte, wie es aussehen kann, wenn Deutschland wieder Weltverbesserungsgelüste pflegt. Und dann die vielen anderen Felder, in denen Deutschland nicht demokratisch ist: bei der Trennung von Kirche und Staat, bei den weisungsgebundenen Staatsanwälten, in der Besteuerung von Vermögen; wahrlich, es gäbe viel zu tun, um dieses Land wieder demokratischer zu machen. Überall Schweigen, Ignoranz, Verleugnung, Beihilfe. Stattdessen Bevormundung und warme Worte an die Bürger.
2.
Miach 20.07.2014
Zitat von sysopDPAZum Jahrestag des Hitler-Attentats im Jahr 1944 hat Bundespräsident Joachim Gauck dazu aufgerufen, Verantwortung für die Freiheit der Demokratie zu übernehmen. Die Attentäter würdigte er als Vorbilder im Kampf für Menschenwürde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hitler-attentat-vom-20-juli-1944-a-982021.html
Ich wünsche mir für die nächsten Jahre gleich große Veranstaltungen und Gelöbnisse am Ort der "Weißen Rose", am Ort für Georg Elser, in Berlin für die komm. Wiederstandskämpfer! Ein Attentat auf Hitler war und ist richtig, immer! Jedoch ist die Überhöhung der Person Stauffenberg nicht seinen Hintergründen & Zielen gerecht, wenn man diese nun als die legetimen demokratischen Widerstandskämpfer sieht ist etwas richtig falsch gelaufen. Respekt für den 20.07.44 und all seinen Opfern!!! Als Demokratie Vorbild taugt er jedoch nicht.
3. Widerstand
chiefseattle 20.07.2014
Statt Militärs zu huldigen, sollte Gauck lieber den Widerstand der Roten Kapelle, der Weissen Rose, der Edelweisspiraten und des Kreisauer Kreises hervorheben.
4.
delta058 20.07.2014
Zitat von sysopDPAZum Jahrestag des Hitler-Attentats im Jahr 1944 hat Bundespräsident Joachim Gauck dazu aufgerufen, Verantwortung für die Freiheit der Demokratie zu übernehmen. Die Attentäter würdigte er als Vorbilder im Kampf für Menschenwürde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hitler-attentat-vom-20-juli-1944-a-982021.html
Die Attentäter haben zuvor die Nazis bei allem unterstützt, als sie endlich handelten war es längst zu spät. Gauck macht sich einmal mehr unglaubwürdig, die Leute die die Nazis von Anfang an bekämpften auch als sie noch populär waren werden nicht mal erwähnt aber diese Mitläufer verklärt er zu Helden. Gut was kann man auch anderes von unseren Politkern erwarten, von Verantwortung faseln, sich aber gegen mehr Mitsprache der Mehrheit der Bevölkerung mit Händen und Füßen wehren.
5.
altais 20.07.2014
Zitat von sysopDPAZum Jahrestag des Hitler-Attentats im Jahr 1944 hat Bundespräsident Joachim Gauck dazu aufgerufen, Verantwortung für die Freiheit der Demokratie zu übernehmen. Die Attentäter würdigte er als Vorbilder im Kampf für Menschenwürde. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hitler-attentat-vom-20-juli-1944-a-982021.html
Vielleicht sollte Herr Gauck mal die Geschichtsbücher ein wenig genauer lesen. Diese Aufständischen haben sich gegen Hitler nicht für eine Demokratie eingesetzt. Ihnen schwebte eher eine Restauration alter Herrschaftsstrukturen unter einem Kaiser, oder adliger Junker-Führung vor. Nur weil sie die einzigen vorzeigbaren Widerstandskämpfer sind, mit denen sich Deutschland im Nachhinein etwas Respekt zurück holen möchte, kann man die Absichten der Gruppe um Moltke und Stauffenberg nicht einfach unter den Tisch fallen lassen. Mut und Dilettantismus haben sie das Leben gekostet, bewegt haben sie nichts. Hoffe doch, dass die Bundeswehr inzwischen auf den Grundsätzen eines modernen Rechtsstaats besteht, bei allem Respekt.
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Der deutsche Bundespräsident
Das Amt
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Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz weist dem obersten Repräsentanten zwar viele Aufgaben zu, aber deutlich weniger politische Befugnisse als etwa in Präsidialdemokratien wie Frankreich oder den USA. Er soll sein Amt unparteiisch führen, ist jedoch nicht auf repräsentative Aufgaben beschränkt.
Die Aufgaben
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Das Staatsoberhaupt vertritt den Bund völkerrechtlich und schließt im Namen des Bundes Verträge mit anderen Staaten. Zu den normalen Geschäften zählen Staatsbesuche und Empfänge von Diplomaten. Er kann durch Reden und Reisen politische Akzente setzen.

Zu den Aufgaben und Rechten gehört die Mitwirkung bei der Regierungsbildung. Der Präsident schlägt dem Bundestag einen Bundeskanzler zur Wahl vor und ernennt ihn. Falls der Kandidat keine Mehrheit findet, kann der Präsident das Parlament auflösen. Er ernennt und entlässt auch die Minister, allerdings auf Vorschlag des Kanzlers. Gesetze können erst wirksam werden, wenn der Präsident sie unterschrieben hat. Seine Unterschrift kann er nur aus verfassungsrechtlichen Gründen verweigern.
Das Wahlverfahren
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Anders als in Frankreich, Österreich oder Polen wird das deutsche Staatsoberhaupt nicht direkt vom Volk, sondern von einem Wahlgremium (Bundesversammlung) gewählt. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist nur einmal möglich. Der Präsident kann nur durch das Bundesverfassungsgericht und nur bei vorsätzlichen Verstößen gegen das Grundgesetz oder andere Bundesgesetze seines Amtes enthoben werden.

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