Hitze in Deutschland Grüne zeigen sich offen für Bauern-Nothilfe

Wie kann den Bauern in Deutschland angesichts der Dürre durch die Hitzewelle geholfen werden? Die Grünen lehnen Nothilfen für die Landwirte nicht ab. Die aktuelle Situation müsse "ein Weckruf" sein.

Milchkühe auf einer trockenen Weide in Nordrhein-Westfalen
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Milchkühe auf einer trockenen Weide in Nordrhein-Westfalen


Ein Ende der Hitzewelle in Deutschland ist nicht in Sicht, die Bauern befürchten vor allem im Osten und Norden heftige Ausfälle bei der Ernte. Experten des Bundesagrarministeriums und der Länder wollen deshalb heute in Berlin eine erste Bestandsaufnahme vornehmen.

Der Bauernverband fordert staatliche Hilfen für geschädigte Landwirte von einer Milliarde Euro. Zuerst zuständig für Unterstützungsangebote sind die Länder, die Zuschüsse geben können. Erst wenn Schäden von "nationalem Ausmaß" festgestellt werden, kann auch der Bund Finanzhilfen leisten. Zuletzt war dies 2003 wegen einer Dürre der Fall gewesen und 2013 wegen massiver Hochwasserschäden.

Im Video: Fluch und Segen der Hitzewelle

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Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter zeigte sich offen für Nothilfen für die Bauern. Er sprach sich allerdings dafür aus, bestehende und künftige Agrarsubventionen an Bedingungen zu knüpfen. "Pauschales Handaufhalten von Lobbyverbänden ist wenig hilfreich, vor allem, wenn der fordernde Verband gleichzeitig für ein politisches Weiter-so steht", sagte Hofreiter der "Rheinischen Post" mit Blick auf den Deutschen Bauernverband.

Hofreiter forderte ein grundsätzliches Umsteuern in der Landwirtschaft. Die Dürre müsse "ein Weckruf sein für einen grundlegenden Kurswechsel in der Agrarpolitik", sagte der Grünen-Politiker.

Zwar sei die Lage in vielen Betrieben bereits so dramatisch, dass der Staat den Landwirten nun unter die Arme greifen müsse, sagte Hofreiter. Unabhängig von solchen, möglichen Nothilfen müssten aber Subventionen für die industrielle Landwirtschaft grundsätzlich hinterfragt werden. "Die industrielle Landwirtschaft kann nicht mehr weiter so wirtschaften wie bisher", betonte er. Er sprach sich dafür aus, dass "die Milliardengelder, die in die Landwirtschaft fließen, in Zukunft nur noch an solche Betriebe gehen, die mit der Natur arbeiten". Damit würden klimafreundliche und ökologischere Betriebe gezielt unterstützt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass die Grünen die Nothilfen für Bauern an Bedingungen knüpfen würden. Diese Bedingungen sollen aber nicht für die Nothilfen, sondern für die bestehenden und zukünftigen Agrarsubventionen erfüllt werden.

als/dpa/AFP



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