Hochrechnung: Schwarz-Gelb gewinnt die Bundestagswahl

Deutschland hat gewählt: Die Union ist laut Hochrechnungen mit rund 33,6 Prozent als stärkste Partei aus der Bundestagswahl hervorgegangen. Die SPD erzielt mit 23 Prozent das schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte, Spitzenkandidat Steinmeier räumte die Niederlage ein. Stark abgeschnitten hat die FDP mit 14,7 Prozent, für Schwarz-Gelb reicht es demnach.

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Hamburg/Berlin - Debakel für die SPD, Triumph für die FDP, die CDU/CSU gerade noch mal davon gekommen: Laut ARD-Hochrechnung ist die Union mit 33,6 Prozent stärkste Partei bei der Bundestagswahl, das ZDF sieht die Union beim 33,5 Prozent. Vor vier Jahren hatte die Union noch 35,2 Prozent bekommen.

Die Sozialdemokraten bekamen nur 23 Prozent der Stimmen - das schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte. Das ZDF sieht die SPD bei 23,3 Prozent. Bis dato hatte der Negativrekord bei 28,8 Prozent gelegen, das Ergebnis stammt aus der Bundestagswahl 1953. Bei der vorigen Bundestagswahl 2005 hatte die SPD 34,2 Prozent der Zweitstimmen erhalten.

Die FDP unter ihrem Vorsitzenden Guido Westerwelle holte das beste Ergebnis ihrer Geschichte und kann erstmals seit 1998 wieder mitregieren. Seine Partei konnte laut ARD-Hochrechnung kräftig zulegen. Von 9,8 Prozent bei der Wahl 2005 steigerten sich die Freidemokraten demnach auf 14,7 Prozent, die ZDF-Hochrechnung geht von 14,6 Prozent aus. Sowohl ARD als auch ZDF sehen in der Sitzverteilung eine klare Mehrheit für eine schwarz-gelbe Koalition.

Grüne und Linke erzielten ebenfalls zweistellige Rekordergebnisse, können angesichts der höchsten Verluste der SPD bei einer Bundestagswahl Schwarz-Gelb aber nicht verhindern. Die Grünen bekommen laut ARD 10,5, laut ZDF 10,2 Prozent (2005: 8,1 Prozent), die Linke kommt bei der ARD auf 12,2, beim ZDF auf 12,9 Prozent (2005: 8,7 Prozent).

"Ich möchte die Bundeskanzlerin aller Deutschen werden"

Bundeskanzlerin Angela Merkel trat am Abend vor Hunderte jubelnde Anhänger. "Ich bin heute glücklich, wir haben etwas Tolles geschafft, wir haben es geschafft, unser Wahlziel zu erreichen", sagte die CDU-Chefin. Man könne nun mit der FDP eine bürgerliche Regierung bilden. "Ich möchte die Bundeskanzlerin aller Deutschen werden, damit es uns allen besser geht, gerade in einer solchen Krise", sagte sie. Aus dem Publikum kamen "Angie, Angie"-Rufe. "Es sind viele Probleme zu lösen in diesem Land", sagte Merkel. "Unser Anspruch heißt: Wir wollen Volkspartei bleiben, auch im 21. Jahrhundert. Daran wollen wir weiter arbeiten." Man könne davon ausgehen, dass Union und FDP bereits am Montag einen Zeitplan besprechen und "sehr schnell Nägel mit Köpfen machen", sagte Merkel im ZDF.

Die Reaktionen

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CSU-Chef Seehofer äußerte sich enttäuscht über das mit 41 Prozent schlechte Wahlergebnis seiner Partei in Bayern. "Das Abschneiden der CSU in Bayern ist nicht zufriedenstellen, 41 Prozent sind insgesamt enttäuschend", sagte Seehofer. "Wir haben im Wahlkampf eine ganze andere Stimmung erlebt, aber wir haben die Entscheidung der Bevölkerung zu respektieren." Die Christsozialen müssten nun daran arbeiten, das "verloren gegangene Vertrauen" möglichst schnell zurückzugewinnen. "Unser Land hat eine bürgerliche Mehrheit aus CDU, CSU und FDP verdient", sagte er.

Die Liberalen jubelten Parteichef und Spitzenkandidat Guido Westerwelle zu. "Dies ist ein Erfolg der gesamten Partei", sagte er. "Wir freuen uns über dieses herausragende Ergebnis, wir wissen aber, das bedeutet vor allem Verantwortung, und wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen", sagte Westerwelle. "Wir wollen jetzt Deutschland mitregieren." Notwendig seien eine faires Steuersystem, bessere Bildungschancen und die Respektierung der Bürgerrechte.

"Bitterer Tag für die deutsche Sozialdemokratie"

Die SPD ist enttäuscht. "Das Ergebnis ist ein bitterer Tag für die deutsche Sozialdemokratie", sagte SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, "eine bittere Niederlage, da gibt es nichts drumherum zu reden". Eine Stimme für die SPD sei aber keine verlorene Stimme, obwohl Union und FDP wohl eine Koalition bilden würden. "Die haben jetzt zu beweisen, dass sie es können, und ich behalte meine Zweifel, dass sie es können", sagte er vor jubelnden Anhängern im Willy-Brandt-Haus.

Auf die Sozialdemokratie komme eine neue Rolle zu, man werde nun aus der Opposition heraus agieren. "Ich werde aus der Verantwortung nicht fliehen", sagte Steinmeier. Er wolle seinen Beitrag leisten "auch als Oppositionsführer im Bundestag". Dem SPD-Nachwuchs rief er zu: "Macht weiter so, ihr seid die Zukunft unserer Partei."

Auch Parteichef Franz Müntefering gestand die Niederlage ein. "Der Souverän hat entschieden, die SPD geht in die Opposition", sagte er. "Die deutsche Sozialdemokratie wird sich wieder nach vorn kämpfen." In der Parteienlandschaft in Deutschland sei einiges in Bewegung, die Volksparteien verlören an Zustimmung. Am Montag wolle das Parteipräsidium beraten, wie die SPD "wieder ganz vorn mit dabei sein kann". Steinmeier habe sich für den Fraktionsvorsitz zur Verfügung gestellt. "Wir wissen, dieses Land braucht sozialdemokratisches Denken, dafür werden wir kämpfen", rief Müntefering. Zu seiner Zukunft äußerte er sich zunächst nicht.

Die Linkspartei feierte ihr Rekordergebnis. "Die Linke wächst, und die zweistellige Linke wird noch zeigen, was sie kann", sagte Parteichef Lothar Bisky. "Wir werden die soziale Kraft im deutschen Bundestag stellen."

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat sich enttäuscht über das schlechte Abschneiden der SPD gezeigt. "Selbst supergute Grüne können nicht das Desaster der SPD kompensieren", sagte Trittin im ZDF. Das Wahlziel seiner Partei, eine Koalition aus Union und FDP zu verhindern, sei nicht erreicht worden. Die Grünen hätten aber ihr bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl erreicht und ein Viertel Wählerstimmen hinzugewonnen.

Schlechteste Wahlbeteiligung seit Bestehen der Bundesrepublik

CDU-Chefin Merkel wurde als sechster Regierungschef nach Konrad Adenauer (CDU), Willy Brandt, Helmut Schmidt (beide SPD), Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD) im Amt bestätigt. Die Union konnte aber nicht von den hohen Popularitätswerten der Kanzlerin profitieren.

Rund 62,2 Millionen Deutsche waren zur Wahl des 17. Deutschen Bundestags aufgerufen. Um die Stimmen bewarben sich 27 Parteien mit Landeslisten. Erwartet worden war, dass diesmal den Überhangmandaten in den Wahlkreisen eine entscheidende Rolle zukommen könnte. Um diese Mandate wächst die Zahl der an sich 598 Bundestagsabgeordneten, wenn Parteien in Bundesländern mit der Erststimme mehr Wahlkreise direkt erobern, als ihnen nach dem Zweitstimmenergebnis Sitze zustehen. Experten hatten vorausgesagt, dass diesmal vor allem die CDU davon profitieren wird. Allerdings scheint Schwarz-Gelb auch ohne die Überhangmandate die Mehrheit geholt haben.

Die Wahlbeteiligung liegt mit 72 Prozent deutlich unter der von 2005, die bislang die historisch niedrigste seit Bestehen der Bundesrepublik. Damals hatten 77,7 Prozent der Wahlberechtigten ihrer Stimme abgegeben.

ffr/dpa/ddp/AFP/Reuters/AP

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Forum - Hat Deutschland richtig gewählt?
insgesamt 7052 Beiträge
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1.
Nante 27.09.2009
Ich habe richtig gewählt. Aber die anderen?
2.
LukasE 27.09.2009
Zitat von NanteIch habe richtig gewählt. Aber die anderen?
Haben alle falsch gewählt!!!
3. Bekommt die CDU endlich ihren Denkzettel ???
heisenberg 27.09.2009
Ich habe auch richtig gewählt LINKS !
4.
andreas13053 27.09.2009
Zitat von NanteIch habe richtig gewählt. Aber die anderen?
Glückwunsch. Ich habe die Kreuzchen auch im richtigen Kreis untergebracht - war gar nicht so schwer.
5.
pssst... 27.09.2009
Zitat von sysopMerkel besiegt Steinmeier, die FDP als große Gewinnerin - wie beurteilen Sie das Wahlergebnis?
Wir haben nicht gewählt, meine Familie und ich....
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