Obamas Besuch: Berlin, 19. Juni, Sicherheitsstufe 1+

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REUTERS

Es herrscht die höchste Sicherheitsstufe in der Hauptstadt beim Besuch des US-Präsidenten Barack Obama: Scharfschützen auf den Dächern, Absperrungen an den Straßen, Polizisten allerorten. Die meisten Berliner nehmen es gelassen.

Berlin - Vor dem Potsdamer Platz stehen die grünen Räumpanzer der Landespolizei, alles ist weiträumig abgesperrt. Wer zur Arbeit muss, wird streng kontrolliert. Die Menschen ertragen es mit Geduld. Alltag? Gibt es heute nicht. Schließlich steht am Rande des Platzes das Hotel Ritz-Carlton, in dem Barack Obama und seine Familie Quartier bezogen haben. Auf den Dächern rund um die Gebäude sind Scharfschützen postiert.

Nichts wird hier dem Zufall überlassen.

Es herrscht Sicherheitsstufe 1+. Rund 8000 Polizisten der Länder und des Bundes sind im Einsatz - aus Berlin, aus dem Osten und Süden der Republik. Fahrzeuge mit Leipziger Kennzeichen sind in der Wilhelmstraße zu sehen. Auf dem Pariser Platz, auf dem Obama am Nachmittag geredet hat, plaudern Männer und Frauen auf Schwäbisch - Polizeibeamte aus Baden-Württemberg.

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Obama-Besuch: Berlin, 19. Juni, Sicherheitsstufe 1+
Alle wissen: Dies ist ein besonderer Tag. Ein US-Präsident kommt nicht alle Jahre in die deutsche Hauptstadt. Seit Tagen wurden Anwohner und Angestellte vorgewarnt. Am Pariser Platz dürfen in den Büros - auch die des SPIEGEL und von SPIEGEL ONLINE - die Fenster nicht geöffnet werden. Die Vorschriften gelten auch für die Bürger, die rund um das Charlottenburger Schloss wohnen, wo Obama am Abend auf Einladung der Kanzlerin zum Abendessen erscheint. Wer hier wohnt, kann nur mit Eskorte der Polizei zu seiner Wohnung oder diese verlassen.

Im Regierungsviertel sind überall Mitarbeiter des Secret Service zu sehen. Die durchtrainierten Männer mit den schnittigen Sonnenbrillen sind stets dabei. Fenster und Türen ihrer Wagen, die sie eigens aus den USA mitgebracht haben, sind geöffnet - nicht nur wegen der Hitze, sondern auch, um sofort losschlagen zu können. Spätestens bei ihrem Anblick wird schnell klar: Hier ist der stets gefährdete Vertreter einer Weltmacht unterwegs. Obama selbst fährt in einer sieben Meter langen gepanzerten Limousine - genannt "The Beast".

Die Amerikaner sind, wie immer bei einem Auslandsbesuch ihres Präsidenten, hochgerüstet. Kein unnötiges Risiko eingehen beim Besuch Obamas 2013 - so lautet die Devise. Ein speziell trainiertes "Counter-Assault-Team" ist in der Kolonne mit dabei, das bei einem Angriff von Terroristen blitzschnell reagieren könnte. Die Männer führen auch schwere Waffen mit - das Sturmgewehr M4.

Bereits seit Tagen ist das "Joint Special Operation Command" in der Stadt, um eine rasche Evakuierung des Präsidenten vorzubereiten, sollte es zu einem Anschlag kommen.

In der Kolonne des Präsidenten sind schwere gepanzerte Fahrzeuge zu sehen - ein Krankenwagen, der Raketenangriffe aushalten soll. Ebenso ein mit Elektronik vollgepacktes Fahrzeug, das den Funkverkehr soweit lahmlegen kann, dass etwa ferngezündete Bomben entlang einer Strecke nicht zur Detonation kommen.

Und über allem, am strahlend blauen Himmel: die "Puma"-Hubschrauber der Bundespolizei. Knatternd drehen sie ihre Runden oder stehen in der Luft. Weit unten, rund um das Brandenburger Tor, ist die Stimmung trotz der Sicherheitslage heiter. Die meisten Menschen haben Verständnis - und die jungen Polizistinnen und Polizisten sind meist ebenso freundlich.

Berlin, das zeigt auch dieser Besuch, kennt sich mit Großlagen aus. Und reagiert gelassen. Es ist ja auch nur für 25 Stunden.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. totaler Irsinn
steevieb 19.06.2013
ich bin den ganzen Tag mit dem Auto in Berlin unterwegs und es ist ziemlich unwahrscheinlich das dort irgendwas geschieht was diesen Aufwand wert ist.
2. die Glaswand
brises 19.06.2013
sagt einiges über unsere Welt aus. Vielleicht versteht herr Obama doch noch, dass die Überwachung einerseits zugenommen hat, gleichzeitig die Paranoia auch. Eigentlich ein Widerspruch. Aber wohl doch nicht.
3.
okokberlin 19.06.2013
einfach peinlich, diese verfolgungs-paranoia - seit bush und obama ist leider kaum besser. bill clinton war der letze große und normale us-präsident. da gab es nicht dieses extrem sicherheitszirkus , das die halbe stadt abgesperrt wird. wer zahlt dieses ganzen quatsch(zig millionen) eigentlich? - war nur eine rhetorische frage, die antwort kennt jeder.
4. Auweia,
a.j.q. 19.06.2013
der steht tatsächlich hinter einer Panzerglasscheibe. Wenn er ein Charakter wäre, hätte er sich das verbeten. Wenn die Sicherheitslage in Dtl so kritisch ist hätte man sich die Veranstaltung sparen sollen. Die Scheibe ist sehr schädlich ... das labert keiner wieder gerade.
5.
Olaf 19.06.2013
Zitat von steeviebich bin den ganzen Tag mit dem Auto in Berlin unterwegs und es ist ziemlich unwahrscheinlich das dort irgendwas geschieht was diesen Aufwand wert ist.
Das ist ja auch Sinn dieses Aufwandes.
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