Hoeneß-Affäre: Seehofer wehrt sich gegen Kungelei-Vorwurf

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Ministerpräsident Seehofer: "Bei mir gibt es keine Kumpanei"

Jahrelang galt Uli Hoeneß als Freund der CSU, aber die Steueraffäre des Bayern-Präsidenten führt zu Absetzbewegungen: Auch Parteichef Seehofer geht jetzt deutlich auf Distanz. "Bei mir gibt es keine Kumpanei."

München - Jetzt distanziert sich auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) von FC-Bayern- Präsident Uli Hoeneß, der in eine Steueraffäre verwickelt ist - vor allem wies der CSU-Vorsitzende den Vorwurf des Klüngels von Wirtschaft und CSU zurück: "Steuersünder werden in Bayern genauso nachhaltig verfolgt wie anderswo", sagte Seehofer am Rande einer Landtagssitzung in München. Der Fall Hoeneß sei "schwerwiegend" und müsse von Justiz und Finanzbehörden mit den Mitteln des Rechtsstaats bewertet, aufgeklärt und entschieden werden. "Ich pflege Partnerschaften, aber bei mir gibt es keine Kumpanei", sagte Seehofer. Hoeneß gilt als CSU-nah, er war gelegentlich auch bei CSU-Veranstaltungen zu Gast.

Zuletzt hatte Seehofer erklärt, dass er bereits seit längerem von den Steuerermittlungen gegen Hoeneß Kenntnis gehabt habe. Er sei schon "vor einer geraumen Zeit" darüber informiert worden, hatte Seehofer gesagt und hinzugefügt: "Das müssen jetzt die Justiz- und Finanzbehörden regeln." Hoeneß werde behandelt "wie jeder andere Bürger auch".

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier griff Seehofer in der Debatte um Steuerhinterziehung am Mittwoch direkt an. Mit Blick auf den Fall Hoeneß sagt Steinmeier im Reuters-Interview: "Interessant wäre die Frage, ob die bayerischen Landespolitik oder die bayerische Landesregierung, vielleicht sogar der Ministerpräsident selbst, Einfluss darauf genommen hat, wie damit umzugehen sein wird." Seehofer müsse mindestens Kenntnis darüber gehabt haben, dass es einen Haftbefehl gegen den Präsidenten des FC Bayern München gegeben habe. Es sei "interessant", aus der Presse zu erfahren, dass Seehofer offensichtlich schon länger von diesen Vorgängen gewusst habe. "Interessant ist ja, woher er diese Kenntnis hatte."

Der Fall Hoeneß hatte außerdem zu erneuter Kritik an der Steuerverwaltung des Freistaats geführt, die Opposition stützte sich dabei unter anderem auf Berichte des Obersten Rechnungshofs Bayerns, wonach die Verwaltung personell unzureichend ausgestattet ist. "Eine solche Steuervollzugspraxis würde die Bundeskanzlerin in Griechenland nicht akzeptieren", sagte etwa der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider.

Am Mittwoch hatte sich auch Seehofers Parteifreund Hans-Peter Friedrich zum Fall Hoeneß geäußert. Er erwarte von Hoeneß volle Aufklärung der Vorwürfe nach Recht und Gesetz, sagte der Bundesinnenminister. "Hoeneß hat für den deutschen Fußball viel erreicht. Diese Verdienste bleiben." Er fügte aber hinzu: "Wir akzeptieren keine Steuerhinterziehung." Falls sich die Vorwürfe gegen Hoeneß als richtig herausstellten, "ist es nicht in Ordnung. Und da muss er auch so behandelt werden wie jeder Bürger. Nicht schlechter, nicht besser. Dafür haben wir Gesetze, und die Gesetze gelten."

Zur Frage, ob Hoeneß weiter als Präsident des Vereins tragbar sei, wollte sich Friedrich nicht äußern. Auch eine mögliche Belastung des Wahlkampfes der CSU durch die Affäre Hoeneß, dem gute Beziehungen zu CSU-Politikern nachgesagt werden, sieht der Minister nach eigenen Angaben nicht: "Das ist alles Unfug."

Am Montag hatte sich bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von Hoeneß distanziert: Viele Menschen seien jetzt von Hoeneß enttäuscht, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert in der Bundespressekonferenz gesagt. "Die Bundeskanzlerin gehört auch zu diesen Menschen."

hen/heb/dpa/Reuters

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insgesamt 181 Beiträge
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1. der spassvogel
matz-bam 24.04.2013
Zitat von sysopJahrelang galt Uli Hoeneß als Freund der CSU, aber die Steueraffäre des Bayern-Präsidenten führt zu Absetzbewegungen: Auch Parteichef Seehofer geht jetzt deutlich auf Distanz. "Bei mir gibt es keine Kumpanei." Hoeneß-Affäre: Seehofer wehrt sich gegen Kungelei-Vorwurf - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hoeness-affaere-seehofer-wehrt-sich-gegen-kungelei-vorwurf-a-896276.html)
csu ist doch nur ein etwas vornehmerer name für kungelei, amigowirtschaft und kumpanei.
2. Kumpanei
fraecael 24.04.2013
Wenn es bei Seehofer keine Kumpanei gibt. Dann gibt es überhaupt keine "Kumpanei".
3. Keine Kumpanei?
rodelaax 24.04.2013
Nö - echt nicht? Au Mann – ich lach mich tot! Er wußte mindestens seit Monaten (wenn nicht schon länger?) von den kriminellen Machenschaften von Hoeneß und geht erst auf Distanz, wo es an die Öffentlichkeit gelangt. Das Gerede dieses Oberamigo ist nur peinlich!
4.
totalmayhem 24.04.2013
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Schon bitter fuer Vater Theresa, wie sich seine treuen Weggefaehrten nun von ihm abwenden. Da blutet einem so richtig das Herz.
5. Gucke an
OmaBär 24.04.2013
Herr Seehofer und Kumpane werden ALLES tun, damit IHRE Durchstechereien nicht auffliegen! Sehr verdächtig sind auch alle, die sich HINTER den Kriminellen stellen. Aber notfalls bescheinigt man, wie in Hessen gehabt, fleißigen Finanzbeamten (sic!) notorisches Querulantentum und frühpensioniert sie. Dann ist die Welt wieder in Ordnung. Sing: In unserm schönen Bayernland, samma alle mit-ein-ander verwandt.
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